Zu Besuch im Weltraum-Atelier in Mosberg-Richweiler

Besuch im Weltraum-Atelier in Mosberg-Richweiler : „Houston, wir haben ein Problem“

Diese Worte fielen 1970 im Cockpit der Apollo 13. Ein Nachbau des Raumschiffs gibt es im Weltraum-Atelier in Mosberg-Richweiler zu sehen.

Es ist das wohl größte Abenteuer des 20. Jahrhunderts. Mit einer Schubkraft von 160 Millionen PS startet am 16. Juli 1969 die stärkste Rakete der Welt. Vier Tage später sehen eine halbe Milliarde Menschen zu, wie Neil Armstrong den Mond betritt und Geschichte schreibt. Unter den Zuschauern ist auch der damals fünfjährige Christoph Pütz. Gemeinsam mit seiner Großmutter verfolgt er die unglaublichen Bilder auf einem Schwarz-Weiß-Fernseher.

„Das waren ganz unscharfe Aufnahmen“, erinnert er sich. Außerdem sind ihm die Zweifel seiner Oma im Gedächtnis geblieben. „Sie konnte gar nicht glauben, dass da wirklich Menschen auf dem Mond sein sollen“, erzählt Pütz weiter. Er geht der Sache selbst auf den Grund. Blickt zu dem Trabanten hinauf und wundert sich, dass da niemand zu erkennen ist. „Ich konnte mir die Entfernung überhaupt nicht vorstellen“, sagt Pütz und lacht. Obwohl er die Bedeutung der Mondlandung damals noch nicht versteht, weckt sie bei ihm das Interesse für das Weltall. Zunächst habe er sich hauptsächlich für Flugzeuge interessiert. Aber als er im Alter von 13 Jahren ein Astronomie-Buch in die Hände bekommen hat, sei es um ihn geschehen gewesen. Sterne, Raumschiffe, Raketen – bis heute sind sie seine größte Leidenschaft.

Und um die auszuleben, engagiert sich der 55-Jährige nicht nur in der Sternwarte auf dem Peterberg. Sondern auch im Weltraum-Atelier in Mosberg-Richweiler. „Er ist unser bester Mitarbeiter“, sagt Manfred Voltmer, der das Museum vor sechs Jahren mit seinem Sohn Sebastian gegründet hat. Auch die beiden sind echte Raumfahrt-Freaks. Gemeinsam haben sie sogar schon die Astronauten Neil Armstrong, Alexei Leonow und Charles Duke interviewt. „Das war auf Teneriffa. Wir waren damals das einzige deutsche Fernsehteam, das dort drehen durfte“, sagt Voltmer. Er kann viel erzählen von seinem Abendessen mit Armstrong, dem Gespräch mit Leonow oder dem einstündigen Treffen mit Duke in der Hotellobby.

Logisch, dass die Zeitungs-Artikel und Fotos, die dabei entstanden sind, einen besonderen Platz im Weltraum-Atelier erhalten haben. Sie hängen an der Wand gleich hinter dem Eingang – einem riesigen Scheunentor. „Wir haben den Bauernhof extra gekauft, um darin das Museum zu eröffnen“, sagt Voltmer. Mehrere Tonnen Schutt und Unrat habe er dafür zunächst aus dem Schuppen schaffen müssen. Aber ist für ein Atelier denn wirklich so viel Platz nötig? Diese Frage erübrigt sich beim Blick in die Scheune. Dort lenkt eine riesige Apollo-Kapsel sofort die Aufmerksamkeit auf sich.

Das Raumschiff ist 6,8 mal 2,6 mal 3,6 Meter groß und wiegt 1,5 Tonnen. Das silberne Metall leuchtet, wenn die Sonnenstrahlen durch das offene Tor fallen. Das Triebwerk am Heck ist beleuchtet und auf Knopfdruck tritt Nebel aus. Eine kleine amerikanische Flagge ziert die Außenseite der Kapsel, an deren Spitze ein Plakat des Kinofilms Apollo 13 klebt. „Das Raumschiff wurde zum Start des gleichnamigen Hollywood-Blockbusters mit Tom Hanks Anfang der 90er-Jahre erbaut“, klärt Voltmer auf. Ein Auftritt im Film blieb ihm jedoch verwehrt. Die Kapsel diente lediglich zu Werbezwecken. Als sie dafür nicht mehr benötigt wurde, sei sie versteigert worden. Ein Unternehmer und Freund von Sebastian Voltmer habe das Raumschiff gekauft und ihm für einen Sonderpreis überlassen. So sei das gute Stück letztlich über Umwege in dem kleinen Ortsteil der Gemeinde Nohfelden gelandet.

Hier beeindruckt es vor allem die jungen Weltraum-Fans. „Wenn Kinder herkommen, möchten sie immer gleich reinklettern“, hat Pütz beobachtet. In dem maßstabsgetreuen Nachbau können sie sich wie echte Astronauten fühlen. Jeder darf im Cockpit auf den weißen Sitzen Platz nehmen und die Reise zum Mond nachempfinden. Auf zwei Bildschirmen wird auch der Rückflug zur Erde dargestellt. Gefühlt unendlich viele Knöpfe leuchten Rot oder Grün und etliche Schalter warten darauf, umgelegt zu werden. „Wenn sich die Besucher daran sattgesehen haben, erzähle ich ihnen von der Apollo 13“, sagt Pütz. Bei der Raumfahrt-Mission im April 1970 explodierte ein Tank während des Fluges zum Mond. „Houston, wir haben ein Problem“, mit diesem berühmten Satz meldeten sich die drei Astronauten damals im Kontrollzentrum der Nasa. Sie mussten die Expedition aufgeben. Improvisation war nötig, um sie lebend zur Erde zurückzubringen.

Wer noch mehr wissen will, kann im Kino gleich neben der Kapsel Platz nehmen. „Wir haben eine gigantische Medienbibliothek. Das ist wie so ein Werkzeugkasten, den ich individuell auf die Gäste anpassen kann“, erklärt der 55-Jährige. Wie geht man in einer Raumstation zur Toilette? Wie putzt man sich die Zähne? Lohnt es sich, als Frau im Weltall die Haare zu kämmen? All diese Fragen beantwortet eine Astronautin in einem etwa fünf Minuten langen Video. Ein weiterer Kurzfilm zeigt, wie eine Mission zum Mond geplant wird und in welchen Phasen sie abläuft. Um all das für die Besucher greifbarer zu machen, gibt es in dem Atelier zahlreiche Modelle zum Anfassen. Etwa eine Nachbildung der Apollo-13-Kapsel, ein original nachgeformter Mars aus dem 3D-Drucker, einen kleinen Mond aus Ton und eine Art Planetenmodell aus Holz. „Damit können wir auch blinden oder sehbehinderten Menschen Wissen über die Raumfahrt vermitteln“, sagt Pütz.

Interessant sei ein Besuch des Ateliers vor allem auch für Familien. Während die Kinder Raketen aus Papier basteln, eine echte Sternschnuppe anfassen oder mit dem Teleskop die Sonne beobachten, können die Erwachsenen im Planetarium, das im hinteren Teil der historischen Bauernscheune steht, die Sternbilder kennenlernen. Für Fans schöner Astrofotos gibt es zudem eine Ausstellung mit Aufnahmen von Sebastian Voltmer. Er hat sich in der Szene bereits einen Namen gemacht und präsentiert seine Bilder weltweit.

Das Atelier ist „ein echter Geheimtipp“, lobt Matthias Maurer das detailreich eingerichtete Museum. Der Esa-Astronaut aus Gronig war im Juni in Mosberg-Richweiler zu Besuch und hatte den Voltmers eine Autogramm-Karte mit diesen Worten hinterlassen. Doch der 49-Jährige ist bislang nicht der einzige prominente Besucher gewesen. Als die Nasa zur Mondmission von Apollo 11 eine Musikkassette relevanter Songs zusammenstellte, war auch Sinatras Version von „Fly me to the Moon“ dabei. Jetzt, 50 Jahre später, hat Detlef Malinkewitz das Lied noch einmal neu aufgelegt. Und die Dreharbeiten zum Musik-Video gingen in Mosberg-Richweiler über die Bühne. „Für meinen Song konnte ich mir keine bessere Location vorstellen. Ich bin begeistert“, sagt der Sänger nach seinem Besuch im Weltraum-Atelier.

Die Besucher des Museums dürfen im Cockpit der Kapsel Platz nehmen. Foto: Sarah Konrad
Der Sänger Detlef Malinkewitz hat das Musik-Video zu seinem Lied „Fly my to the moon“ in der historischen Bauernscheune gedreht. Foto: Sebastian Voltmer
Das Apollo-13-Raumschiff wurde zum Filmstart des gleichnamigen Hollywood-Blockbusters Anfang der 90er-Jahre erbaut und diente zu Werbezwecken des Kinofilms. Mittlerweile ist es fester Bestandteil des Weltraum-Ateliers. Foto: Sarah Konrad
Manfred Voltmer (links) und Christoph Pütz lehnen an der nachgebauten Apollo-13-Kapsel im Weltraum-Atelier in Mosberg-Richweiler. Foto: Sarah Konrad

Inzwischen sei es amtlich, dass die Kapsel am Sonntag, 21. Juli, einen Auftritt im ZDF-Fernsehgarten haben werde. „Sänger Malinkewitz wird während der Live-Sendung aus dem Raumschiff steigen und sein neues Lied präsentieren“, verkündet Voltmer. Somit bekommt die nachgebaute Apollo-13-Kapsel doch noch ihren großen Fernsehauftritt. Zwar werden ihr dabei wohl nicht eine halbe Milliarde Menschen zusehen, wie damals der echten Apollo 11 bei der Mondlandung. Aber ein paar Millionen könnten es schon werden.

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