Wohnprojekt in Berlin trägt den Namen von Arnold Fortuin

Wohnprojekt in Berlin trägt den Namen von Arnold Fortuin

Der Priester Arnold Fortuin aus Neunkirchen/Nahe war der erste Sinti-Seelsorger in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt wurde nach ihm ein Wohnprojekt für die in Berlin lebenden Sinti und Roma benannt.

Berlin/Neunkirchen/Nahe. Es gibt zwölf Millionen Roma und Sinti in Europa, nirgendwo sind sie gerne gesehen. In Berlin erhält jetzt die größte Wohnsiedlung für neu zugezogene Roma aus Rumänien den Namen des saarländischen Priesters Arnold Fortuin (1901 bis 1970), der erster Sinti- und Romaseelsorger der deutschen Bischofskonferenz war.Der Priester Arnold Fortuin aus dem kleinen Ort Neunkirchen/Nahe im Saarland war von 1927 bis 1933 Kaplan in der Pfarrei St. Michael in Saarbrücken, 1937 wurde er als Pfarrer in den kleinen Ort Beuren im Hunsrück strafversetzt. In unmittelbarer Nähe zu Beuren entstand 1939 das SS-Sonderlager Hinzert. Er war auch den zu seiner Pfarrei gehörenden KZ-Häftlingen nahe, darunter viele französische Priester, was ihn oft in Konflikte mit der KZ-Leitung brachte.

Seit Oktober 1939 gab es den berüchtigten "Festsetzungserlass" von Heinrich Himmler, wonach die Sinti und Roma unter Androhung von KZ-Haft ihren Wohnsitz nicht mehr verlassen durften, ein halbes Jahr später fuhren die ersten Deportationszüge mit Sinti- und Roma-Familien in die Vernichtungslager nach Polen.

Arnold Fortuin, der während seiner Kaplanzeit in Saarbrücken mit vielen Sintis in Kontakt gekommen war und ihnen auch von Beuren aus freundschaftlich verbunden blieb, versteckte viele Sinti und verhalf ihnen zur Flucht nach Frankreich. Viele der überlebenden Sinti kamen in den 1950er Jahren zurück und siedelten sich in Illingen an, wo Fortuin seit 1951 Pfarrer war.

Zwischen Illingen und Merchweiler entstanden damals, unter der Obhut von Pfarrer Fortuin, ganze Wohnwagensiedlungen. Seit 1955 gab es die erste "Zigeunerwallfahrt" in Illingen. Am 23. September 1965 ernannte ihn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Julius Kardinal Döpfner, zum ersten Seelsorger der Sinti und Roma in Deutschland. Arnold Fortuin starb am 19. Juni 1970 in Illingen und wurde auf dem Friedhof seiner Heimatpfarrei Neunkirchen (Nahe) beerdigt. Von den Sinti und Roma wird Arnold Fortuin wie ein Heiliger verehrt, obwohl vor einigen Jahren, die von ihm gegründete Wallfahrt zur Illinger Bergkapelle eingestellt wurde.

Kinder zwischen Bergen aus Müll

Ein ehemaliger Schüler des Illinger Pfarrers, Benjamin Marx, der Immobilienhändler geworden ist, hat im vergangenen Herbst im Innenhof eines vergammelten Hauses in der Harzer Straße in Berlin etwas gesehen, was ihn in den nächsten Nächten bis in den Schlaf verfolgen sollte: Roma-Kinder saßen zwischen Bergen aus Müll, zwischen ihnen Ratten. In dem Neuköllner Wohnkomplex lebten damals 600 Roma, die meisten davon aus Rumänien. Als Marx einer Roma-Frau erzählte, dass er als Kind Pfarrer Fortuin gekannt habe, ging die Frau in die Knie und küsste seine Hand. Marx kaufte diese Häuser an der Ecke Harzer Straße/ Treptower Straße in Berlin-Neukölln für die katholische "Aachener Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft" in Köln, die Immobilien für soziale Projekte erwirbt.

Er gründete ein Wohnprojekt für die in Berlin lebenden Sinti und Roma, um ihnen Schutz und Unterkunft zu geben. Es wurde, obwohl die Mehrheit der hier lebenden Romafamilien einer freikirchlichen Pfingstgemeinde angehört, ein katholisches Vorzeige-Wohnprojekt. Marx hat den Gebäudekomplex "Arnold-Fortuin-Haus". Der Name steht auch an der Westwand, daneben ist das Gesicht von Arnold Fortuin gemalt.

Seit Marx das Gebäude gekauft hat, gilt das Gebäude in der Harzer Straße in Neukölln als Modellprojekt für die Integration von Roma in Berlin. Marx kümmert sich nicht nur um das Projekt, sondern auch um die Bewohner, eine von ihm angestellte Rumänin kümmert sich Tag für Tag um die Mieter. Einmal in der Woche wird ein Deutschkurs angeboten. Einige Bewohner arbeiten auf der Baustelle, andere sind für die Gebäudereinigung zuständig. Marx möchte, dass die Roma-Familien vollständig integriert sind, "deshalb ist es wichtig, dass auch Familien anderer Herkunft hier einziehen", sagte er einer Berliner Zeitung.

Mehr von Saarbrücker Zeitung