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Wohnen in der Touristen-Schneise

Wohnen in der Touristen-Schneise

Der Bostalsee gilt als eines der schönsten Freizeit-Revier im Saarland. Doch ein SZ-Leser-Reporter fühlt sich in seiner Idylle gestört. Als Anwohner an der See-Zufahrt beschwert er sich über Lärm und Verkehr im Urlaubsparadies.

Spazieren gehen, die Ruhe am See genießen und gemeinsam alt werden. Das war es, wovon Ilona und Rolf Walter träumten, als sie sich im Jahre 2011 in der Staudammstraße in Gonnesweiler ein Haus kauften. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. "Wir sind schlichtweg genervt", sagt Ilona Walter. Das Problem der Walters: Die Straße ist Zufahrt zum Parkplatz des Bostalsees an der Staumauer. Diese nutzten viel zu viele Fahrer als Schnellstraße zum Ausflugsziel.

Ihr Mann habe bereits 2013 in einem Schreiben an den Nohfeldener Bürgermeister Andreas Veit (CDU) angemahnt: "Nicht nur an warmen, badetauglichen Tagen oder bei Veranstaltungen im Seebereich entwickeln sich phasenweise richtige Spitzenbelastungen in der Staudammstraße, in denen dann auch die Straßenverkehrsordnung sehr oft auf der Strecke bleibt." Zwar sei seinerzeit ein Tempo-30-Schild aufgestellt worden. Doch spätestens ab der Rosenstraße werde für Autofahrer scheinbar aufgrund des kurvenarmen Straßenverlaufs und des beginnenden Baumbestands die Straße als Ortsende wahrgenommen.

Eigene Messungen hätten ergeben, dass Fahrzeuge aller Couleur - darunter Transporter der Gemeinde und der Seeverwaltung oder auch mal 30-Tonner für Schwerholz-Transporte - mit Spitzentempo bis zu 70 Kilometern pro Stunde durch die relativ enge Straße fahren. Dabei sei ihnen bei ihrem Hauskauf seinerzeit versichert worden, dass das damals noch zu bauende Hotel eine eigene Zufahrt am Römerhof erhalten werde - die ist aber nicht in Sicht. Für die Walters bemerkenswert: Der Makler, der ihnen damals das Haus verkauft habe, sei Mitglied des Gemeinderates. Jetzt wohne man jedenfalls an einem "Autobahnzubringer". "Scheinbar ist der See bei einer Sekunde längerer Fahrzeit leer oder verschwunden", sagt Ilona Walter sarkastisch.

Die Gemeindeverwaltung in Nohfelden habe zwar einen weiteren 30er-Hinweis aufstellen lassen - das erste Schild sei durch umgebende Bäume zugewachsen - und eine Fahrzeugzählung angeordnet, doch habe diese wenig bis nichts gebracht. Denn die Zählung habe außerhalb der Saison stattgefunden. Dennoch habe das der Familie Walter mitgeteilte Ergebnis durchaus gezeigt, dass etwa 15 Prozent der gemessenen Kraftfahrzeuge mit deutlich mehr als 40 fahren würden. Manche seien mit bis zu 100 Kilometern in der Stunde durch die Straße gebrettert.

Da nach eigener Einschätzung auch viele Baustellenfahrzeuge auffällig schnell unterwegs gewesen seien, habe man mit der Baufirma, die das Hotel am See hochziehe, die Situation besprochen. Einer kurzfristigen Besserung der Situation sei inzwischen Ernüchterung gefolgt: "Kleinere Baustellenlieferfahrzeuge und Privatautos der Handwerker betrachten, nach einer gewissen Zeit der Vernunft, diese innerörtliche Straße wieder als Baustellenzubringer und sind insbesondere am frühen Morgen und nach Arbeitsende mit bis zu 80 Kilometern in der Stunde vor unseren Haustüren unterwegs", erklärt Walter. "Es ist immer wieder schön, dass über die Ausweitung des Tourismus positiv berichtet wird", sagt Ilona Walter. Dabei werde jedoch vergessen, dass die Anwohner der Zufahrtstraßen dem Lärm, den Abgasen und der Gefahr der rasenden Autos direkt ausgesetzt seien. "Nur hierfür interessiert sich kein Politiker. Diese möchten nur lächelnd mit Schecks fotografiert werden", sagt sie.

Das Nichtbeachten der Geschwindigkeitsbegrenzung - weniger das Verkehrsaufkommen an sich - nerve nicht nur die Walters. Auch Nachbarn, die teilweise im Schichtdienst arbeiten, seien von den Begleiterscheinungen beeinträchtigt. Deswegen plane man derzeit auch, Unterschriften zu sammeln, um die Problematik zu verdeutlichen.

Umso schlimmer sei es, dass das neue Hotel, einst als 50-Betten-Haus ausgeschrieben, nun fast hundert Zimmer und vier Suiten habe. Hinzu kämen zwei Häuser für Angestellte, drei Saunahäuser und eine Halle. Auch liege der Sammler der Kanalisation nicht tief genug, erklärt Rolf Walter, der als Ingenieur arbeitete. Seiner Meinung nach reicht das Gefälle nicht aus, um für ordentlichen Abfluss zu sorgen. Zudem solle jetzt noch ein 27-Loch-Golfplatz gebaut werden, obwohl in Eisen doch bereits ein 9-Loch-Platz vorhanden sei. Auch ein Landeplatz für Hubschrauber sei in Vorbereitung. "Als ob wir nicht schon genug Fluglärm hätten", sagen die Walters im Einklang und fügen, bezogen auf den Naturschutz hinzu: "Die Tiere, die derzeit noch im Wald leben, haben halt keine Lobby."