Hotel eröffnet: Wo nicht nur das Brot gut ankommt

Hotel eröffnet : Wo nicht nur das Brot gut ankommt

Die Seezeitlodge am Bostalsee wird an diesem Samstag offiziell eröffnet. Erste Gäste haben das Hotel bereits getestet.

Das Brot hat das Zeug zum Alleinstellungsmerkmal. Und das passt auch zum neuen Hotel „Seezeitlodge“, das an diesem Samstag offiziell seine Tore öffnet. Schließlich war der Großvater der Hotel-Inhaberin Bäcker — und legte damit den Grundstein für Pizza Wagner und somit auch indirekt für das Hotel (wir berichteten). Eine einsehbare Patisserie war von Anfang an Teil der Pläne, wie Kathrin Sersch, die zusammen mit ihrem Mann Christian das neue Hotel führt, erklärt: „Damit wollen wir an unsere Wurzeln erinnern.“

Und das kommt an. Gäste, die schon in der Vor-Eröffnungsphase (Pre-Opening) Service, Essen und Ambiente testeten, loben in ihren Rückmeldungen das frische und variantenreiche Brot zum Frühstück und auch jenes beim Abendessen, das im Programm „Kulinarik“ enthalten ist. „Wir hätten nicht erwartet, dass das so gut ankommt“, sagt Kathrin Sersch. Allein deswegen würden sie wiederkommen, war in dem offenen Restaurant von den Gästen zu hören. Serviert wurde der kleine Laib in einem Leinensäckchen, in Viertel angeschnitten. Dazu gab es Bärlauchbutter, serviert auf einem Stein. Dieser passt zu dem Naturkonzept, das  umgesetzt werden soll. Natürliche Materialien, der Blick auf den See und das Thema Kelten sind ebenfalls Teile davon, wie die Direktorin aufzählt: „Das Thema Kelten ist hier verortet, das wollen wir nutzen.“ Und das nicht nur im gastronomischen Bereich — hier gibt es unter anderem auch den Keltentee —, sondern auch in den Zimmern. Dort zieren Schwarz-Weiß-Fotografien vom Hunnenring die Wände.

Die Zimmer sind jeweils 30 Quadratmeter groß und in warmen Erdtönen gehalten. Holz trifft auf Grün in den Wald- und auf Blau in den Seezimmern. Dort gibt es auch große Boxspringbetten mit einem Himmel, eine begehbare Dusche und ein separates WC. Die Balkons sind clever gestaltet: Dank eines Spiegels sehen die Gäste auch dann den See, wenn sie in die andere Richtung schauen. Insgesamt hat das Hotel 98 Zimmer.

Dort steht jeweils eine Wellness-Tasche bereit, bepackt mit Bademantel, Handtüchern und Slippern. Damit geht es in den mehr als 2000 Quadratmeter großen Wellness-Bereich. Eine Taste auf dem Fahrstuhl verrät das Ziel — und die Tür öffnet sich auf der anderen Seite des Erdgeschosses, unbemerkt von den Gästen, die in der Lobby sind.

In der Wellness-Zone fällt dem Entspannungssuchenden die Entscheidung schwer, wo er sich niederlassen soll: auf der klassischen Liege, oder darf es doch der bett-artige Liegebereich sein? Oder ein Korbstuhl, der von der Decke hängt, oder ein Sitzsack? Es gibt einen Ruheraum im Sauna-Bereich, wo wirklich absolute Stille herrschen soll. Es gibt aber auch einen neben dem Pool, der übrigens nach außen führt — da hat der Badegast das Gefühl, auf den Bostalsee zuzuschwimmen. Hier darf auch geredet und gelacht werden. „Familien mit Kindern sind ausdrücklich erwünscht“, sagt dazu Christian Sersch.

Die Haupt-Zielgruppe seien Wellness-Gäste. Denn das Saarland sei, so Kathrin Sersch, „noch nicht wirklich eine Touristik-Region“. Daher könnten neue Gäste noch überrascht werden — „mit vielfältigen Möglichkeiten“, wie Christian Sersch sagt. Damit meint er beispielsweise die Nähe zu Frankreich oder Luxemburg oder auch die  Outdoor-Aktivitäten. Stichwort: Wanderwege. Auf die kleine Golffläche vor dem Haus müssen die ersten Gäste noch verzichten, genau wie auf das Außen-Sauna-Dorf — beides soll Mitte Juli fertig sein.

Die meisten der derzeit 60 Mitarbeiter fingen zum 1. Mai an. Christian Sersch spricht von einer „großen Gemeinschaft“, die entstanden sei. Das Kistenschleppen und Einräumen schweiße zusammen. Und das Besondere, bei einer Hotel-Eröffnung dabei sein zu können. Irgendwann hatten aber alle genug davon, zu planen und vorzubereiten. Christian Sersch: „Die Bar einräumen ist toll, aber Cocktails mixen ist besser.“ Noch fehlen übrigens Mitarbeiter — in Service und Küche.

In der Pre-Opening-Phase war noch nicht alles perfekt, wie die Serschs erzählen. Aber das sei ja auch Sinn und Zweck dieses Probewohnens. Zuerst durften Familienmitglieder und Freunde testen, später dann erste zahlende Gäste, die für den halben Preis logierten. Vor der Glasfront des Wellnessbereichs standen noch Bagger, Bauarbeiter verlegten den Bodenbelag. „Fast jeder hat die fehlende Duschablage bemängelt“, weiß Kathrin Sersch, die immer wieder mal fast unbemerkt von den Gästen durchs Hotel ging und sich umschaute. Und auch sie selbst habe sich bei ihrem persönlichen Probewohnen gefragt, wo sie denn nun das Shampoo hinstellen soll. Auch Kleinigkeiten wie der Süßstoff beim Frühstück fehlten noch. „Kommt alles“, beruhigt Christian Sersch.

Die Inhaber des Hotels:  Christian und Katrin Sersch (von links) mit  Kathrins Vater  Gottfried Hares. Foto: Bonenberger
So sehen die Zimmer in der Seezeitlodge am Bostalsee aus. Hier nicht zu sehen: Jedes Bett hat einen Himmel. Foto: Melanie Mai
Jede Menge Ruhemöglichkeiten gibt es im Wellnessbereich des Hotels. Foto: Melanie Mai
Das Brot in der Seezeitlodge könnte ein Markenzeichen werden. Es wird vor den Augen der Gäste gebacken. Foto: Melanie Mai

Trotz fehlender Kleinigkeiten und der einen oder anderen technischen Panne — der Feueralarm ging aus unerfindlichen Gründen los — seien die ersten Kommentare der Gäste positiv gewesen. „Das macht uns etwas gelassener“, sagt Kathrin Sersch vor dem großen Tag am 1. Juli. Dann soll alles perfekt passen. Zumal schon im Folgemontat ein Großereignis ansteht: Im August wird der Servicepark der ADAC-Rallye Deutschland am Bostalsee Station machen. Und das Hotel, das für einen zweistelligen Millionenbetrag gebaut wurde, ist dann ausgebucht. Dazu die Hotel-Direktorin: „Es ist Gold wert, wenn wir gleich im ersten Jahr ein solches Event hier am See haben.“ Mit der Nachfrage insgesamt sind die Eheleute sehr zufrieden. „Es ist gut angelaufen“, sagt Christian Sersch. Tagungsgäste waren auch schon da. Die erste Anfrage in diesem Bereich kam übrigens von einem Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach. Als Erinnerung daran trägt das Servicepersonal einheitlich schwarze Sneakers mit drei Streifen.

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