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Wird Neunkirchen/Nahe zum Bioenergiedorf?

Wird Neunkirchen/Nahe zum Bioenergiedorf?

Selbst Wärme zu produzieren lautet das Ziel. Auf dem Weg zum Bioenergiedorf sollen nun die Bürger mitgenommen werden. In den kommenden Tagen wird in Neunkirchen/Nahe der Arbeitskreis bei den 320 Haushalten eine Umfrage starten, ob die Bürger am Thema Bioenergie interessiert sind. Im Fokus steht ein mit Holzhackschnitzel betriebenes Nahwärmenetz.

Wann muss ich Heizöl bestellen? Wann muss ich rausgehen, um Holz für den Ofen zu holen? Diese Fragen könnten sich in Zukunft für mehrere Bürger in Neunkirchen/Nahe von selbst erledigen. Denn die Pläne, dass aus dem 860-Einwohner-Ort ein Bioenergiedorf wird, sind konkreter geworden. Nach einer Bioenergie-Coaching-Veranstaltungsreihe (wir berichteten) haben sich am Donnerstag 61 Bürger zur ersten Versammlung im Bürgerhaus getroffen.

"Wo stehen wir, was können wir im Dorf machen, diese Frage gilt es nun zu klären", sagt Markus Kollmann. Der 43-jährige Betriebswirt ist der Sprecher des örtlichen Arbeitskreises, der nun für die Planungen eines Bioenergiedorfes den nächsten Schritt einleitet. "Entscheidend ist, wie viele Bürger ihr Interesse am Thema Bioenergie bekunden und sich vorstellen können, ihr Haus an ein lokales Nahwärmenetz anschließen zu lassen", erklärt Kollmann. Um das zu ermitteln, werden die Arbeitskreis-Mitglieder in den kommenden Tagen bei den 320 Haushalten mit einem Fragebogen vorstellig. "Das ist eine reine Interessensabfrage, die Antworten sind völlig unverbindlich", betont Kollmann.

Im Fokus der Überlegungen steht der Aufbau eines Nahwärmenetzes. "Das Nahwärmenetz mit Holzhackschnitzel zu betreiben, ist für uns die wahrscheinlichste Variante", so der Arbeitskreis-Sprecher. Auch deshalb, weil ein Biogasanbieter im Dorf nicht vertreten sei und es an Platz für Windkraftanlagen fehle. "Beispielsweise können beim Aufbau von einem Nahwärmenetz acht Haushalte oder ein ganzer Straßenzug teilnehmen. Zudem ist eine dorfweite große Lösung möglich", meint Kollmann.

Potenzielle Großabnehmer

Dazu richtet er den Blick voraus. "Eine riesige Chance ist, das Energiekonzept des Caritas-Neubaus in der Dorfmitte, ins Bioenergiedorf zu integrieren. Erste Vorgespräche haben wir schon geführt", teilt er mit. Des Weiteren würden "potenzielle Großabnehmer" wie die Kindertagesstätte, die Kirche, das Pfarrheim, das Landhaus Mörsdorf und das Hotel Schöffenshof in zentraler Dorflage nah beieinanderliegen. "Die Gespräche über die Einbindung von Großabnehmern wollen wir bis zum April abgeschlossen haben", sieht das Zeitfenster des Arbeitskreises vor. Nun müssten, so Kollmann, seine Mitbürger in Neunkichen/Nahe für sich selbst ausloten, ob Bedarf bestehe, ihre Heizung zu erneuern und das Interesse an der Beteiligung am Bioenergiedorf vorhanden sei. "Einen Preis, was an Kosten auf jeden zukommt und was später eine Kilowattstunde kostet, kann ich nicht vorhersagen", so Kollmann: "Nur so viel: Man darf die Kosten nicht mit dem Ölpreis vergleichen."

Die Vorteile und Herausforderungen einer Nahwärmeversorgung haben Christoph Leis, der Geschäftsführer der Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe und der Umwelt-Betriebswirt Peter Rosenau (Gemeindeverwaltung Nohfelden), vorgestellt. "Ich bin nun selbst gespannt, wie viele Leute mitmachen", sagt Kollmann. Die Machbarkeit für das Bioenergiedorf soll im Mai abgeschätzt werden. Mit dem Landkreis St. Wendel, der Gemeinde Nohfelden, der Bürgerenergiegenossenschaft St. Wendeler Land (BEG) und der Energie-Projekt-Gesellschaft St. Wendeler Land (EPG) will der Arbeitskreis zusätzliche Unterstützer gewinnen. In weiteren Versammlungen werden die Bürger über den Stand der Dinge informiert.