Wie lange das Treibgut brauchte

Sie zeichnet zart, probierend und sehr sicher: Susanne Kocks, Meisterschülerin an der Hochschule der Bildenden Künste Saarbrücken, die am Samstag den Kulturpreis des Zonta Clubs Saarlouis bekommt. Der Club feiert zugleich sein zehnjähriges Bestehen. Mit Präsidentin Gabriele Celette und Preisträgerin Susanne Kocks sprach SZ-Redakteur Johannes Werres.

Frau Celette, warum verleiht Zonta einen Kulturpreis?

Celette: Zonta will sich nicht nur sozial engagieren, sondern auch kulturell. Den ersten Kulturpreis haben wir in der Sparte Musik vergeben, den zweiten in der Sparte Tanz und diesen nun in der Sparte Bildende Kunst. Grundvoraussetzung ist immer: weiblich, im Saarland geboren oder studierend oder tätig. Das hat große Resonanz gefunden. Wir hatten 60 Bewerbungen, viel mehr als gedacht.

Frau Kocks, es ist gar nicht so einfach zu verstehen, was genau Sie künstlerisch machen. Können Sie es erklären?

Kocks: Ich zeichne, ich beobachte, und ich sehe das Beobachten selbst schon als großen Wert, der großen Sinn hat für mich. Ich fasse das unter dem Begriff Protokolle. Ich notiere Zeiträume, in denen ich mich mit einem Objekt beschäftigt habe, auch wie. Daraus können sich Serien entwickeln, manchmal bildet sich Bewegung, zum Beispiel die einer Wasserfontaine, auch in einer einzelnen Zeichnung ab. Es geht mir nicht so sehr darum, mich auf das Ergebnis zu konzentrieren als um das, was in diesen Momenten passiert. Die Motive selbst sind nicht spektakulär.

Was ist der Unterschied zu einem Skizzenbuch?

Kocks: Es sind keine vorbereitenden Zeichnungen, sondern sie bleiben so stehen, mit allen Fehlern und Wahrnehmungsschwächen, da ist alles dokumentiert.

Welche Bedeutung hat die Zeit dabei?

Kocks: Ich dokumentiere die Zeit, die ich mir genommen habe.

Wie kam es dazu?

Kocks: Ich saß mal an der Saar und habe Treibgut gezeichnet, das so vorbeischwamm. Ein Blatt, zum Beispiel. Ich wurde später gefragt, wie schnell so ein Blatt an mir vorbeigeschwommen ist. Da fing ich an darüber nachzudenken, auch, wie lange ich dieses Blatt gezeichnet hatte.

Frau Celette, waren Sie leicht zu überzeugen?

Celette: Für mich war das schon sehr neu, was sie macht. Aber wenn man sich damit näher beschäftigt, dann wird das wirklich interessant. Die Jury hat sich lange mit den Bewerbungen beschäftigt. Am Ende stand ein einstimmiges Votum für Susanne Kocks.

Frau Kocks, was bedeutet der Preis für Sie?

Kocks: Ich schätze es sehr, dass sich die Jury darauf eingelassen hat. Den Preis selber kann ich natürlich gut gebrauchen. Ich kann mich nun eine Zeit lang ganz auf die Arbeit konzentrieren, ohne wirtschaftlich orientiert zu sein.

Celette: Genau das gehört ja zu unserer Vorstellung, eine Künstlerin zu fördern.

Zonta Saarlouis besteht seit genau zehn Jahren. Wie hat sich der Club entwickelt?

Celette: Wir haben kreisweit 30 Frauen als Mitglieder und treffen uns einmal im Monat zum Austausch. Und wir haben inzwischen viele soziale Projekte unterstützt.

Samstag, 10. Mai, 17 Uhr,

Victor's, The Club, Bahnhofsallee 4, Saarlouis: Öffentliche Verleihung des 3. Zonta-Kulturpreises. Schirmherrin ist Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

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StichwortZonta International ist ein weltweiter Zusammenschluss berufstätiger Frauen, "die sich zum Dienst am Menschen verpflichtet haben. Vorrang hat das Ziel, die Stellung der Frau im rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Bereich zu verbessern." Es gibt mehr als 1200 Zonta Clubs in 67 Ländern, in denen etwa 33 000 Frauen organisiert sind. 1931 entstand der erste Zonta Club Deutschlands in Hamburg. Inzwischen gibt es bundesweit 125 Clubs mit rund 3900 Mitgliedern.Der Name Zonta ist der Sprache der Sioux Indianer entlehnt und steht für ehrenhaftes Handeln, Zusammenhalt und Integrität. red

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Zur PersonSusanne Kocks wurde 1983 in Malsch in Baden-Württemberg geboren. 2007-2013 studierte sie Freie Kunst bei Prof. Gabriele Langendorf (Malerei und Zeichnung) und Prof. Katharina Hinsberg (Konzeptuelle Malerei) an der Hochschule der Bildenden Künste Saar; 2013 Diplom Freie Kunst, seit 2013 Meisterschülerstudium bei Prof. Gabriele Langendorf an der HBK in Saarbrücken. red