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Wie ein Kohlhofer zum Sport-Kommentator wurde

Wie ein Kohlhofer zum Sport-Kommentator wurde

Kohlhof/Hamburg. "Herzlichen Dank noch einmal für die feine Zusammenarbeit. Wir haben zusammen ein schönes Paket aus Afrika geschnürt." Diese Nachricht hat gestern Winfried Kramer (58) auf dem Kohlhof erreicht. Sie kam von Ulf Kahmke (45) aus Eutin. Beide waren vom 28. Juli bis 1

 Winfried Kramer mit Fachlektüre im heimischen Kohlhof.
Winfried Kramer mit Fachlektüre im heimischen Kohlhof.

Kohlhof/Hamburg. "Herzlichen Dank noch einmal für die feine Zusammenarbeit. Wir haben zusammen ein schönes Paket aus Afrika geschnürt." Diese Nachricht hat gestern Winfried Kramer (58) auf dem Kohlhof erreicht. Sie kam von Ulf Kahmke (45) aus Eutin. Beide waren vom 28. Juli bis 1. August "Kollegen auf Zeit", kommentierten für die deutschen Zuschauer aus einem Hamburger Studio die Bilder des TV-Senders Eurosport von den Afrika-Meisterschaften der Leichtathleten in Nairobi/Kenia. "Ich kam zu dem Kommentatoren-Job wie die Jungfrau zum Kind", erzählt Kramer der SZ. Die Geschichte begann am 23. Juni mit einer E-Mail: Stephane Franke, früher deutscher Top-Langstreckler, schrieb an Kramer: "Ich bin als Co-Kommentator bei den Europameisterschaften in Barcelona. Haben Sie Zeit und Lust, die Afrika-Meisterschaften zu machen?" Francke und Kramer kennen sich gar nicht. Wie kommt es da zu solch einer Anfrage? Nun, Kramer ist seit Jahrzehnten in der Leichtathletik-Szene, pflegt etwa statistisches Material über Wettkampfergebnisse in Datenbanken für den Internationalen Verband ein: "Da habe ich viele Kontakte in alle möglichen Länder der Erde." Und da Länder-Wissen ebenfalls ein Steckenpferd des Lehrers für Englisch und Geschichte am Saarpfalz-Gymnasium Homburg ist, kam das dem Anforderungsprofil des TV-Senders entgegen. Kramer hat sich das Angebot nur kurz überlegt, dann für das Fünf-Tage-Engagement zugesagt. Zuvor hatte noch Eurosport-Chef-Kommentator Ingolf Cartsburg kurz am Telefon Kramers Tauglichkeit abgeklopft.Am Mittwoch vergangener Woche ging der Flieger ab Ensheim. Ankunft Hamburg 10 Uhr. 12.30 Uhr Eintreffen im Studio ("drei mal drei Meter, vollgestellt mit Monitoren, Computern, zwei großen Schreibtischen"). Kopfhörer auf und Sprechprobe. Um 14 Uhr auf Sendung. Kramers erste Worte: "Herzlich willkommen, liebe Zuschauer!" Die Bilder aus Kenia gingen in die Zentrale Eurosport nach Paris. Dort holten sie die Länder, zum Beispiel Deutschland, ab und machten zu den Bildern den Ton. Kahmke übernahm die Wettkampf-Kommentierung, Kramer die Einordnung der Athleten und Anekdoten. Eine Herausforderung für den Neuling waren die Regie-Anweisungen. Kramer: "Vor jeder Werbepause wird von zehn runtergezählt. Da muss der Satz dann aber auch fertig sein." Viereinhalb Stunden Dauer-Konzentrieren bis 18.30 Uhr. Am ersten Tag ging Kollege Kahmke sogar mit Stoppuhr während der Werbespots aufs Klo. Erst am zweiten Tag hat Kramer sich getraut, für ihn im Falle eines solchen Falles zu übernehmen. Da hatte er auch schon gelernt, seine Stimme "lauter und bewusster" einzusetzen. Kramers Fazit: "Das war eine ungeheure Erfahrung. Bisher habe ich nur zugearbeitet, denn die TV-Leute greifen auf unsere Datenbank zurück. Jetzt habe ich selbst kommentiert. Eine ganz neue Perspektive."