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"Wenn man so einen Moment vergisst, hat man Alzheimer"

"Wenn man so einen Moment vergisst, hat man Alzheimer"

Neunkirchen/Nahe. 20 Jahre lang zählte er zu den treffsichersten Torschützen der Bundesliga: Klaus Fischer. Doch neben der reinen Anzahl der Tore, machte ihn vor allem die Art und Weise, wie er seine Tore erzielte überall bekannt: Seine Spezialität war der Fallrückzieher. Noch heute wird er von den Fans darauf angesprochen

Neunkirchen/Nahe. 20 Jahre lang zählte er zu den treffsichersten Torschützen der Bundesliga: Klaus Fischer. Doch neben der reinen Anzahl der Tore, machte ihn vor allem die Art und Weise, wie er seine Tore erzielte überall bekannt: Seine Spezialität war der Fallrückzieher. Noch heute wird er von den Fans darauf angesprochen. "Es sind eben die außergewöhnlichen Dinge, die den Leuten im Gedächtnis bleiben", sieht es Fischer locker. Doch wie kam der Torjäger eigentlich darauf, den Ball per Fallrückzieher im Tor unterzubringen? "Warum ich das gemacht habe, kann ich gar nicht richtig erklären. Es war eine plötzliche Eingabe. Speziell trainiert habe ich das nie", erzählt Fischer. Er ergänzt: "Es gibt im Fußball eben Dinge, die kann man oder eben nicht." Lediglich den Seitfallzieher übte der heute 58-Jährige damals im Training. Als seinen schönsten Fallrückzieher bezeichnet Fischer sein Tor in einem Länderspiel von 1978 gegen die UdSSR in Frankfurt. "Leider wurde das Tor wegen gefährlichen Spiels nicht anerkannt", sagt Fischer ein bisschen wehmütig. Doch es gibt viele Tore, an die sich Fischer noch gerne zurückerinnert: Ob die vier Treffer beim 7:0-Sieg gegen Bayern München (1976) oder den Fallrückzieher gegen die Schweiz (1977). "Auch den Vize-Weltmeistertitel 1982 vergesse ich nie. Wenn man so einen Moment vergisst, hat man Alzheimer", sagt Fischer. Doch der Torjäger erlebte auch Momente, die er lieber streichen würde: Anfang der Siebziger war Fischer in den Bundesliga-Skandal verwickelt, bei dem Spiele verschoben wurden. Fischer wurde ein Jahr gesperrt. "Wir hatten eine junge Mannschaft, die das Potenzial zur Meisterschaft hatte. Wir haben völlig unüberlegt gehandelt", bereut Fischer heute. 20 Jahre ist es nun her, dass Fischer seine aktive Laufbahn beendet hat. Doch auch nach seiner Karriere ist der Bayer dem Fußball treu geblieben. Er arbeitet als Repräsentant für Schalke 04. Für die Königsblauen spielte er von 1970 bis 1981 und erlebte dort seine schönste Zeit, wie er sagt: "Wie die Fans hinter uns gestanden haben, das hat mir imponiert." Heute geht Fischer vor Ort zu den Fans. Er gibt Autogrammstunden, außerdem können sich die Fans beim Torwandschießen testen oder die Geschwindigkeit ihrer Schüsse messen lassen. Darüber hinaus sitzt er bei jedem Heimspiel der "Königsblauen" auf der Tribüne, um nach dem Spiel im VIP-Bereich mit zwei Profis des aktuellen Schalke Kaders das Spiel zu analysieren. Und so ganz hat er die Fußballschuhe auch noch nicht an den Nagel gehängt: Fischer betreibt seine eigene Fußballschule mit der er bundesweit durch die Lande zieht. Hier gibt er den Nachwuchskickern zusammen mit seinem Trainer-Team Tipps und Tricks. So, wie zuletzt in Neunkirchen/Nahe. Und dabei ließ er sich auch die Möglichkeit nicht entgehen, den Kindern einen Fallrückzieher vorzuführen. Und das mit 58 Jahren.rix

Mit diesem Rückzieher sicherte Klaus Fischer der deutschen Nationalelf im WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich das 3:3. Foto: SZ.

Zur PersonKlaus Fischer wurde am 27. Dezember 1949 in Kreuzstraßl (Bayern) geboren. Er absolvierte 535 Bundesligaspiele für 1860 München (1968 bis 1970), den FC Schalke 04 (70 bis 81), 1.FC Köln (1981 bis 1984) und den VfL Bochum (1984 bis 1988). Dabei erzielte er 268 Tore. 1976 wurde er mit 29 Toren Torschützenkönig der Bundesliga. Darüber hinaus lief Fischer 45 mal für die Nationalelf auf (32 Tore). Für seine Tore erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, so schoss er auch das Tor des Jahrhunderts. rix