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Wenn aus alten Materialien neue Kunst wird

Wenn aus alten Materialien neue Kunst wird

Militärjacke, Stuhllehne oder Amalgam – drei Künstler in der Bosener Mühle zeigen aktuell: Mit Kreativität lassen sich aus den unterschiedlichsten Materialien Kunstwerke schaffen. Ihr Motto lautet: „Rochade“.

 Die ausstellenden Künstler (von links) Wolfgang Gärtner, Karin Mansmann und Christoph M. Frisch. Fotos: Sarah Joseph
Die ausstellenden Künstler (von links) Wolfgang Gärtner, Karin Mansmann und Christoph M. Frisch. Fotos: Sarah Joseph

Im Kunstzentrum Bosener Mühle wurde am Freitag eine neue Ausstellung eröffnet. Da die Künstlerin, die ursprünglich ihre Werke ausstellen wollte, erkrankte, sprangen Christoph M. Frisch, Karin Mansmann und Wolfgang Gärtner spontan ein und füllten das Kunstzentrum unter dem Motto "Rochade" mit ihren eigenen, neuen Gemälden und Plastiken . Mehr als 80 Werke sind es an der Zahl.

Die Farben der Exponate sind gedeckt und unaufgeregt in Naturtönen gehalten. Insgesamt strahlt die gesamte Ausstellung eine angenehme Ruhe aus, auch wenn einige Arbeiten stark exzentrisch sind. Vor allem die Plastiken von Wolfgang Gärtner fallen in diese Kategorie. Er spricht sich selbst einen gewissen "Materialfetischismus" zu und experimentiert mit den unterschiedlichsten Objekten. Eine Camouflage Militärjacke hat er teilweise mit schwarzer Farbe bestrichen und stabilisiert. Diese hängt als Flugobjekt von der Decke der Bosener Mühle. An der Unterseite der Jacke sind deutlich mehrere Löcher zu erkennen, die von Schüssen stammen könnten und somit die Geschichte der Plastik noch weiter spinnen. Das Motiv der Jacke findet sich auch in einigen seiner Gemälde wieder, von denen er sich jedoch handwerklich immer weiter entferne, wie Gärtner erklärte. Kritische Materialien wie Röntgenbilder zu verarbeiten, liege ihm derzeit näher. In dem Werk "Ausflug der Würste" hat er Verwendung für die alten Aufnahmen gefunden. Das Material wurde durch Wärme verformt, dann mit einem Silberfaden zusammengenäht und auf Räder montiert.

Auch Karin Mansmann verwandelt gerne alte Gegenstände in moderne Kunst. Am Beispiel einer ehemaligen Stuhllehne erklärte sie ihr Vorgehen: "Bei meinen Plastiken verwende ich Gegenstände, die ich zum Beispiel beim Fahrradfahren finde. Manche senden mir dann einen Impuls, auf den ich antworte, wenn die Fundstücke mir etwas erzählen. Ich überlege, was es mal war, erzähle ihre Geschichte weiter und füge Dinge hinzu." Kleine Besonderheiten am Holz werden von der Künstlerin weitergedacht, wie beispielsweise die Struktur des Holzes bei der Stuhllehne oder Gebrauchsspuren, die den früheren Umgang erzählen. Manchmal würde die Form schon ausreichen, um es als 'ready-made' genau so zu belassen, aber sie füge noch etwas Persönliches hinzu. "Die vier Räume zwischen den Sprossen der Lehne stellen für mich auch etwas dar", erklärt Mansmann weiter. "Vier Jahreszeiten, vier Elemente. Hier habe ich mich für die vier Lebensalter entschieden." Lange war sie mit dem Gemälde, das als persönliches i-Tüpfelchen in eines der Sprossenzwischenräume passen sollte nicht zufrieden, bis sich ein Zufall ergab. "Ich hab irgendwann auf transparentes Papier gemalt, damit es nicht zu deckend wirkt und das Material rollte sich dann auf meinem Tische zusammen. Da wusste ich, dass ich es aufgerollt anbringen musste." Das fertige Werk repräsentiert nun die Jugend als eines der Lebensalter des Menschen.

Auch der dritte ausstellende Künstler, Christoph M. Frisch, hat sich für seine neueren Werke viele Materialien ausgesucht. Basalt, Amalgam, Marmormehl sind nur einige davon. An einer lebensgroßen Figur arbeitet er gut und gerne ein Jahr lang. "Es dauert seine Zeit, bis das Silber auf der Oberfläche über Metall, Glasstücken und Zellulose oxidiert. Ruft man den Vorgang künstlich hervor, sieht man die Spuren, die die Flüssigkeit hinterlässt", erklärt er den Aufwand, den er für seine Arbeiten betreibt. Nachdem er viel mit Fotografien gearbeitet hat, erinnern ihn auch die kleinsten Körnchen seiner Plastiken , die Dunkelheit abbilden, an Pixel.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 2. November, freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet.