Mit einer Kerze, die einen Davidsstern trägt: Wege der Erinnerung in Sötern eingeweiht

Mit einer Kerze, die einen Davidsstern trägt : Wege der Erinnerung in Sötern eingeweiht

Schüler der Gemeinschaftsschule Türkismühle erarbeiten Wandertagskonzept zu den Orten des jüdischen Lebens in St. Wendel.

Auf dem Lotte-Koschelnik-Platz, gleich am Ortseingang von Sötern aus Richtung Türkismühle kommend auf der linken Seite, findet der Geschichtsinteressierte ab sofort neben der Gedenkstätte „Wider das Vergessen“ insgesamt drei Stelen, die an das jüdische Leben vor dem Holocaust erinnern sollen. Jörg Friedrich, Leiter der Stolperstein AG der Gemeinschaftsschule Türkismühle, erläuterte, dass sich die Schule seit 2011 mit der jüdischen Geschichte der Gemeinde Nohfelden intensiv auseinandersetzt. Die Gründungsmitglieder der AG haben inzwischen die Schule bereits verlassen. Umso mehr freute es den Lehrer, dass sich immer wieder Schüler dafür begeistern ließen, das Projekt fortzuführen.

Anfang 2017 hat man mit der Aktion „Wege der Erinnerung“ begonnen. Darin beinhaltet ist ein Wandertagskonzept zu den Orten jüdischen Lebens in Verbindung mit Erinnerungstafeln. „Mit Hilfe des Wandertagskonzepts soll zukünftig an unserer Schule in der Unter- und Mittelstufe ein Wandertag im Jahr zu den Resten der jüdischen Kultur in unserer Gemeinde und im regionalen Umfeld der Schule durchgeführt werden“, erläuterte Friedrich. „So können wir im Sinne einer Nachhaltigkeit sicherstellen, dass auch Schüler der nachfolgenden Jahrgänge sich intensiv mit ihrer Heimatgeschichte auseinandersetzen und aus dieser Geschichte lernen können.“

Auf dem Lotte-Koschelnik-Platz in Sötern erinnern die Tafeln an die ehemalige jüdische Schule, in deren unmittelbaren Nähe die Tafeln stehen und an die ehemalige Mikwe, ein jüdischen Badehaus nicht weit davon entfernt. Insgesamt gibt es acht Informationstafeln, vier in Sötern, zwei in Gonnesweiler und zwei in Bosen zu den ehemaligen Synagogen, Schulen, Mikwen sowie zu den jüdischen Friedhöfen in Gonnesweiler und Sötern. Außerdem sollen in allen drei Dörfern wie bereits in Sötern Erinnerungstafeln mit allen 137 namentlich bekannten jüdischen Opfern des Nationalsozialismus aufgestellt werden. In Zusammenarbeit mit dem Bildungsnetzwerk St. Wendeler Land sollen so außerschulische Lernorte zur Geschichte der jüdischen Landgemeinde geschaffen werden. „Anderen Schulen aus unserem Landkreis sollen so über unsere Konzepte und unsere Tafeln die Möglichkeit erhalten, sich mit dieser wichtigen Thematik auseinanderzusetzen. Außerdem ist in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Nohfelden noch für dieses Jahr ein Informationsflyer geplant“, so Jörg Friedrich.

Maris Nojack und Jan Zubix von der AG erläuterten im Anschluss den Aufbau der Tafeln. Neben einem kurzen Infotext auf Deutsch und Englisch finden sich auch aktuelle und historische Fotos sowie Skizzen und Karten. Mithilfe zweier QR-Codes können weitere Informationen über das Smartphone abgerufen werden. Eine andere Karte führt zu den weiteren Standorten. Die Wege der Erinnerung werden auf den Tafeln durch das Symbol „Fußspuren mit einer Kerze, die einen Davidstern trägt“, gekennzeichnet

Landtagspräsident Stephan Toscani (CDU), der im Rahmen seines Besuchsprogramm „Saarländische Erinnerungsorte“ angereist war, verwies auf die zahlreichen Auszeichnungen, die die Arbeitsgemeinschaft landes- und bundesweit für ihr Engagement erhalten hat. „Ich freue mich sehr, dass nun mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde Nohfelden und der Sparkassen-Stiftung zur Förderung des Landkreises St. Wendel sowie mit den gewonnenen Preisgeldern ein weiteres Projekt der AG Stolpersteine umgesetzt wurde.“ Insgesamt flossen 4 000 Euro an Preisgeldern sowie jeweils 1 500 Euro von der Gemeinde und der Sparkassenstiftung in das Projekt. „Bei meinem Engagement ist es mir besonders wichtig, Schüler anzusprechen und gemeinsam mit ihnen die erhaltenen und neu geschaffenen Erinnerungsorte zu besuchen, die das vielfältige jüdische Leben im Saarland belegen. Ich möchte sie so motivieren, sich selbst mit den Verbrechen zu beschäftigen, die im Dritten Reich in ihrem Lebensumfeld stattgefunden haben“, erklärte der Landtagspräsident abschließend. Die Aktion in Nohfelden bezeichnete er als „sehr gelungenes Beispiel“. Erinnern bedeute, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenzuführen. Dies bedeute auch, den Opfern Namen und ein Gesicht zu geben. Er wünschte sich eine aktive Bürgergesellschaft, die demokratisches Engagement lebt, für einen demokratischen Rechtsstaat, wo Recht und Gerechtigkeit im Mittelpunkt stehen. Auch dafür steht die Arbeit der AG und der Schulgemeinschaft insgesamt.

Im Amt Nohfelden, das der Rechtsvorgänger der Gemeinde Nohfelden war, gab es über viele Jahrhunderte eine starke jüdische Kultur und ein stark ausgeprägtes jüdisches Leben, schlug Bürgermeister Andreas Veit (CDU) zuvor einen Bogen zur Geschichte. „Wenn Menschen nicht mehr da sind, dann geht mit der Zeit die Erinnerung immer mehr zurück“, bemerkte er weiter. „Was bleibt, ist das, was Menschen geschaffen haben: Gebäude und Einrichtungen – auch wenn sie nicht mehr dem ursprünglichen Zwecke dienen.“ So wurde für die noch erhaltene und in Gemeindebesitz befindliche Mikwe in Bosen ein Antrag auf Denkmalförderung gestellt. Die entsprechenden Mittel zur Sanierung sind bereits zugesagt. Die Mikwe soll für Besucher zugänglich gemacht werden, um die Erinnerungskultur auch dort zu pflegen.

Als „sehr gelungenes Beispiel“ für gelebtes demokratisches Engagement bezeichnete Landtagspräsident Stephan Toscani die Arbeit der Stolperstein AG bei der Einweihung der „Wege der Erinnerung“ in Sötern. Foto: Ralf Mohr

Um die Musik bei der Veranstaltung kümmerten sich die Künstler Hans und Simon Bollinger mit jiddischen Liedern. Im Anschluss wurde die Arbeit der Stolpersteine AG in der Schülerbibliothek der Gemeinschaftsschule Türkismühle umfassend vorgestellt.

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