WC-Anlage schwebt durchs Dach

Akkuratesse und volle Konzentration: Der Transport der neuen WC-Produktionsanlage von V&B verlangt Millimeterarbeit. Denn die tonnenschwere Kolosse gelangen durch die Luft in die Sanitärfabrik.

Mit schlafwandlerischer Sicherheit wird der Laster rangiert - einmal vor, einmal zurück: Der Brummi steht in der richtigen Position, um den Koloss auf dem Anhänger in Position zu bringen. Die wertvolle Fracht haben Richert Heinrich, Steaven Keller und Rudi Prielmeier durch einen Stahlmantel samt Ösen abgesichert. Zwei geübte Handgriffe - der Koloss ist an den Haken befestigt. Die Handbewegung von Heinrich ist für Kranfahrer Uwe Wiedemann das Zeichen zum Start, die neue Toilettenproduktion schweben zu lassen. Um den beiden Paaren ihren Platz bei der Keramik-Firma zuzuweisen, ist ein Team der Firma Drost eigens aus Bayern gekommen gekommen - die neuen Druckgussanlagen im Gepäck. Über zwei Millionen investiert Villeroy & Boch nach Firmenangaben in diese neuen Anlagen, mit denen künftig rund 900 000 spülrandlose Toiletten produziert werden sollen.

"Außerdem haben wir bei der Planung der Anlage großen Wert auf die Ergonomie für die bedienenden Mitarbeiter gelegt: Es müssen keinerlei Teile mehr gehoben oder getragen werden - und auch der Transport zum nächsten Bearbeitungsschritt, dem Trocknen, erfolgt mit Hilfe von automatischen Fahrzeugen", sagt Werksleiter Alexander Quirin. Das alles erledigen nun die Roboter.

Insgesamt zweimal 12,5 Tonnen und zweimal 3,5 Tonnen werden in die Luft gehievt, um sie in der Produktionshalle der V&B-Sanitärfabrik abzusetzen. "Wir haben dafür das Dach aufgedeckt in einer Größe von sechs mal 24 Meter", verrät der technische Leiter Jörg Selig. Oberstes Gebot bei den Aktionen: Ein Blindflug soll vermieden werden. Denn Wiedemann kann von seinem Führerhaus den Weg, den die wertvolle Fracht nimmt, nicht überblicken. Daher: Kaum hat die Presse keinen Boden mehr, wechseln die vier Mitarbeiter der Hersteller-Firma Drost ihre Position. Heinrich und Prielmeier zieht's in die Produktionshalle, Keller aufs Dach. Mit Argusaugen beobachtet Keller, wie die Anlage durch das Stück offenen Daches schwebt, stets bereit einzugreifen. Derweil gibt Heinrich Kranführer Wiedemann über Funk Anweisungen. "Jetzt muss der Kranfahrer die Presse noch einmal drehen, damit sie in der richtigen Position landet", kommentiert Selig das Wendemanöver in luftiger Höhe: geschafft.

Stück für Stück senkt sich die Ladung - Richert Heinrich, Steaven Keller, vom Dach zurück, und Rudi Prielmeier springen bei, nehmen die Anlage in Empfang. Zu den Dreien gesellt sich Karl Treimer, zuständig für die Elektrik. Die Presse wird von ihren Fesseln und ihrem Stahlmantel befreit - ist nun bereit zum Einsatz. Das weitere Pressenpaar hat längst schon seinen Platz in der Werkshalle gefunden. "Alles in allem wurden rund 70 Tonnen per Schwerlastkran in die Sanitärhalle gehievt", ziehen Quirin und Selig Bilanz. Die Arbeit ist getan und Selig froh, dass kein starker Regen während der vergangenen Tage niedergegangen ist. "Ich habe jeden Abend kräftig gebetet, dass es keinen Regen gibt", gesteht er lachend. Die kleineren Schauer konnten die Planen, die über die Öffnung des Daches gespannt waren, abhalten. Nur kleine Lachen erinnern an das bisschen Wasser, das von oben kam.

Die Planungen für diese Installtion haben nach Worten von Selig vor über einem Jahr begonnen. "Jetz haben wir die neuen Anlagen an Bord."

Der Koloss schwebt.

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Auf einen Blick Hintergrund der Investition in die neue WC-Druckgussanlage war nach Angaben von V&B die gesteigerte Marktnachfrage nach so genannten spülrandlosen WCs. Sie sollen neue Maßstäbe in puncto Hygiene setzen und bei V&B "DirectFlush" heißen. Statt eines herkömmlichen Wasserrands besitzen diese WCs nach Angaben von V&B eine intelligente Wasserführung, die das Innenbecken bis zum Rand ohne Überspritzen bespült. Der Wasserverbrauch: drei bzw. 4,5 Liter. Die Modelle ermöglichten zudem eine unkomplizierte Reinigung. red

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