Was Jugendliche bewegt

Mobbing, Ausgrenzung und Magersucht lauten drei der Themen, die die Autorin Christine Fehér in ihren Romanen behandelt. Und damit scheint sie auch den Nerv der Sonnenhügel-Schüler zu treffen.

Fragen über Fragen hatten die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Sonnenhügel am Donnerstag an Christine Fehér, Kinder- und Jugendbuchautorin aus Berlin. "Wie wird man eigentlich Schriftsteller?", will ein Schüler etwa wissen. "Man braucht Lust zu schreiben. Man muss ein bisschen kreativ sein. Und dann finde ich, dass man das Handwerk lernen muss."

Fehér lächelt. Dass sie Lust und Freude am Schreiben hat, beweisen die vielen Büchern, die sie bereits veröffentlicht hat. In ihren Romanen widmet sie sich am liebsten sozialen Themen wie Mobbing, Ausgrenzung oder Magersucht. Oder einer ungewollten Schwangerschaft. "Dann bin ich eben weg", "Elfte Woche" und "Vincent, 17, Vater" lauten drei der Titel. Eine 15-Jährige, die schwanger wird, und ein 17-jähriger Vater, der nicht weiß, wohin mit sich und der Welt. Und wohin um Gottes Willen mit einem Baby?

Es ist ruhig in der Bibliothek der Gemeinschaftsschule am Sonnenhügel, als Fehér aus ihren Romanen vorliest. "Indirekte Selbsthilfebücher" nennt ein Schüler die Bücher, und Fehér kann zustimmen: "Ich möchte möchte, dass die Leser sich darin Rat in meinen Büchern holen können, wenn sie welchen brauchen." Fehér hat selbst eine Tochter, weiß um die Sorgen und Nöte von Jugendlichen Bescheid. Außerdem unterrichtet sie zweimal die Woche als Religionslehrerin an einer Schule und erlebt so den Alltag Heranwachsender aus erster Hand. "Es ist mir wichtig, immer mit Jugendlichen in Kontakt zu bleiben!"

"Man muss eben mit der Zielgruppe mithalten!", wirft ein Schüler ein und grinst. "Also, wenn Sie dem Buch zum Beispiel einen Titel geben wie ‚Der Seriöse', dann interessiert mich das nicht. Aber wenn Sie das Buch ‚Der Bonze' nennen, dann würde ich schon eher mal einen Blick rein werfen!" Die anderen nicken, vereinzelt hört man Tuscheln und Flüstern. Auch Fehér kann sich der Meinung anschließen: "Deswegen ist es mir so wichtig, mit meinen Lesern in Kontakt zu bleiben!" Durch ihren natürlichen Umgang mit den Kids fällt es ihr auch leicht, ins Gespräch mit ihnen zu kommen.

Außer den Autogrammkarten, die Fehér am Ende an jeden verteilt, können die Jugendlichen noch eine Menge an Erfahrungen und Eindrücken mitnehmen, die sie die vergangenen neunzig Minuten sammeln konnten. Über die Arbeit eines Verlages mit einem Schriftsteller, zum Beispiel. Oder eben eine Antwort auf die Frage, ob Fehér den Jugendlichen mit ihren Büchern zu denken geben möchte: "Ja, ich möchte ihnen eine Art Leitfaden an die Hand geben, mit dem ihnen das Erwachsenwerden nicht ganz so schwer fallen muss!"