Waltraud Koch aus Konfeld wird heute 80 Jahre alt

Waltraud Koch aus Konfeld wird heute 80 Jahre alt

Eine Hochwaldlegende wird am heutigen Donnerstag 80. Waltraud Koch aus Konfeld, die von vielen, die sie kennen, liebevoll Oma genannt wird, hat einen großen Teil ihres Lebens dem Wohle der Kinder gewidmet.

1973 gründete Waldtraut Koch, die heute 80 Jahre alt wird, die Vergissmeinnichtgruppe, ein singendes, tanzendes und musizierendes Ensemble, mit dem sie nicht nur im Saarland, sondern auch im benachbarten Belgien und Luxemburg ein gerne gesehener Gast war. Der Erlös aus zahlreichen großen und kleinen Veranstaltungen wurde für Not leidende Kinder im In- und Ausland verwendet. Namhafte Künstler wie Toni Marshall, Bata Ilic, die Geschwister Hellwig und Heintje unterstützten die Gruppe mit Auftritten, für die sie keine Gage verlangten.

Rund 20 Kinder, überwiegend aus Rumänien, verdanken der Jubilarin ihre Gesundheit, teilweise sogar ihr Leben, weil das Geld der Vergissmeinnichtgruppe es ihnen ermöglichte, in Deutschland operiert oder anderweitig behandelt zu werden. Ein Junge aus Usbekistan bekam in München eine Knochenmarkstransplantation. Alleine dafür wurde eine fünfstellige Summe aufgebracht. Die Angehörigen der Kinder, manchmal war es eine ganze Familie, beherbergte Waltraud Koch mit der größten Selbstverständlichkeit bei sich zu Hause.

Bald begann sie, Hilfsgütertransporte nach Rumänien zu organisieren. Mehr als 200 Vierzigtonner rollten in das wirtschaftlich schwache Land und brachten Decken, Kleidung, Spielzeug, Haushaltsgeräte und haltbare Lebensmittel. Nachdem die Konfelderin selbst gesehen hatte, in welchem Elend dort viele Familien leben müssen, begann sie Ferienkinder, insgesamt rund 600, in den Hochwald einzuladen und schickte sie nach mehreren Wochen aufgepäppelt und neu eingekleidet in ihre Heimat zurück. Eines von ihnen, Cosmina, blieb für immer bei der "Oma" in Konfeld. Sie hat den Beruf der Friseurin gelernt und vor Kurzem eine gute Gesellenprüfung abgelegt.

In der rumänischen Gemeinde Jimbolia wurde Waltraud Koch zur Ehrenbürgerin ernannt und überdies mit einer Auszeichnung bedacht, die in ihrer Bedeutung unserem Bundesverdienstkreuz entspricht. Auch im Saarland genießt sie ein hohes Ansehen.

"Meine schönsten Tage waren immer die, an denen die Nachricht aus Homburg kam: Die OP war erfolgreich, das Kind wird wieder gesund", erzählt die Jubilarin, die selber zwei ihrer eigenen vier Kinder verloren hat: Ein kleiner Sohn starb, als er erst ein Jahr alt war, und vor wenigen Jahren unterlag auch ihre Tochter Andrea im Kampf gegen eine schwere Krankheit. Andrea hatte ihrer Mutter bei all den Hilfsaktionen immer treu zur Seite gestanden und sich liebevoll um die Kinder gekümmert.

Viele Menschen, die acht Jahrzehnte auf dem Buckel haben, genießen ihr Leben in süßem Nichtstun. Für Waltraud Koch ist "Ruhestand" ein Fremdwort. Um nach dem Tod ihrer Tochter nicht so alleine zu sein, verwandelte sie ihren alten Frisiersalon in ein gemütliches "Hochwaldstübchen", in dem sie immer noch persönlich schaltet und waltet. "Ich war noch nie im Krankenhaus", erzählt sie, und wer sie flink und beweglich dort herumwieseln sieht, glaubt ihr das aufs Wort.

Sie hat sich sogar einen Kilometerzähler ans Bein gebunden und festgestellt, dass sie innerhalb von zwei Tagen "locker bis nach Saarbrücken gelaufen wäre." 15-mal wurde sie in Rumänien Patentante, und einigen ihrer Kinder schickt sie heute noch Pakete. Trotz aller Schicksalsschläge waren die 80 Jahre reich und erfüllt.

"All das wäre aber nicht möglich gewesen, wenn mir nicht viele liebe Menschen zur Seite gestanden hätten", erklärte sie und erwähnte Ehemann Adolf, Schwester Christel, die Mitglieder der Vergissmeinnichtgruppe, allen voran Musiker Hans Walter Gasiorovski, die Spender von Geld und Material und die zahlreichen Helfer, die bei den Transporten mit zugegriffen hatten.

Bei ihrem Geburtstagsfest wird die Jubilarin ihre Gäste selber bekochen und offenbar hat sie vor, auch ihren neunzigsten Geburtstag noch bei guter Gesundheit zu feiern.