Von Schrecken und Unruhen

Neunkirchen. Erstmals seit 75 Jahren sind Werke des Neunkircher Malers und Grafikers Fritz Arnold (1883 bis 1921) in einer Ausstellung zu sehen. Aus Anlass einer Schenkung von Professor Wolfgang Kermer rückt die Städtische Galerie Neunkirchen das grafische Werk des Künstlers ab 18. Juni in den Blick der Öffentlichkeit

Neunkirchen. Erstmals seit 75 Jahren sind Werke des Neunkircher Malers und Grafikers Fritz Arnold (1883 bis 1921) in einer Ausstellung zu sehen. Aus Anlass einer Schenkung von Professor Wolfgang Kermer rückt die Städtische Galerie Neunkirchen das grafische Werk des Künstlers ab 18. Juni in den Blick der Öffentlichkeit. Geboren und aufgewachsen in Neunkirchen, war Arnold neben seinem Beruf als Bergmann und Maschinensteiger als Autodidakt künstlerisch tätig. In den letzten, von schwerer Krankheit geprägten Jahren vor seinem frühen Tod entstanden zwischen 1917 und 1920 vier eindrucksvolle Grafikzyklen mit 46 Federzeichnungen, die in ihrer Ausdruckskraft einzigartig sind. Die dicht gedrängten Schwarzweiß-Zeichnungen thematisieren die Schrecken des Ersten Weltkrieges und die Unruhen der Nachkriegsjahre in Folge der Novemberrevolution von 1918/19. In einer eindringlichen Bildsprache, die ihn in die Nähe der großen Expressionisten rückt, entlarvt der Künstler gesellschaftskritisch die Missstände der Zeit und entwirft das Gegenbild eines neuen Menschen als Verkörperung der Hoffnung auf eine bessere Welt, wie es in einer Pressemitteilung der Städtischen Galerie heißt. Arnolds leidenschaftliche Anklage gegen Krieg, Gewalt, Unrecht und den Verfall von Werten, die selbst nicht immer frei war von politischen Ressentiments, macht sein Werk zum Dokument einer zutiefst zerrissenen, von Ängsten, Bedrohungen und Widersprüchlichkeiten beherrschten Zeit. Jahrzehntelang bestand Ungewissheit über das Schicksal und den Verbleib der Blätter. Dem Kunsthistoriker Professor Wolfgang Kermer, ehemaliger Rektor der Stuttgarter Kunstakademie, gelang es in jüngster Zeit, das grafische Werk Fritz Arnolds zu erwerben, das er nun seiner Heimatstadt Neunkirchen überlässt. Zweite SchenkungEs ist dies die zweite Schenkung Kermers an die Städtische Galerie Neunkirchen, der er bereits im Jahr 2005 rund 150 Werke überwiegend süddeutscher Künstler aus seiner Privatsammlung gestiftet hatte (wir berichteten). Im Zuge der neuen Schenkung erfährt auch dieser Bestand eine wertvolle Erweiterung: Neben den Grafikzyklen Fritz Arnolds umfasst die Schenkung Werke von über 20 namhaften Künstlern, darunter Alfred Hrdlicka, Wilhelm Loth und Arnulf Rainer. Die Schenkungsübergabe an den Oberbürgermeister der Kreisstadt Neunkirchen, Jürgen Fried, fand gestern Abend statt. > wir werden noch berichten. red Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag, 10 bis 12.30 Uhr und 14 bis 17 Uhr; Donnerstag 10 bis 12.30 und 14 bis 18 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertag 14 bis 18 Uhr. Eintritt frei, Führungen Sonntag, 27. Juni, und Sonntag, 25. Juli, jeweils 15 Uhr, Donnerstag, 15. Juli, 18 Uhr.