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Von der Biberburg ins Reich des Nagers

Von der Biberburg ins Reich des Nagers

Im Naturschutzgebiet „Täler der Ill und ihrer Nebenbäche“ liegt die Berschweiler Biberburg. Das Schullandheim wurde 1961 eingeweiht. In dem völlig auf Vordermann gebrachten Haus nehmen Schulklassen an Umwelt- und Erlebnisprogrammen teil.

Berschweiler. In dem kleinen Dorf an Alsbach und Rohrbach, dreht sich vieles um den Biber. Dort wurden 1996 fünf Tiere ausgesetzt. Und das gewichtige Nagetier fühlt sich offenbar wohl im St. Wendeler Land: Mittlerweile wird die Population auf bis zu 60 Tiere geschätzt; saarlandweit sollen es 550 sein.

Neben dem rund 19 Kilometer langen Premiumwanderweg Biberpfad, der rund um Berschweiler führt, steht auch das Schullandheim ganz im Zeichen des zotteligen Holzliebhabers. Aber wie der Biber am Stamm, so nagte auch der Zahn der Zeit am außerschulischen Bildungsort.

Zur vorigen Jahrtausendwende sei der Stillstand eingekehrt, sagt Ulrich Heintz, Vorsitzender des Zweckverbands Natura Ill-Theel und Geschäftsführer des Saarländischen Schullandheimvereins, dem Träger der Berschweiler Bildungsorts. Ein neues Konzept und ein neuer Name mussten her. Die Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land (Kulani) half bei der Entwicklung. Ziel: Kinder sollen Nachhaltigkeit und Besonderheiten der Region kennen lernen. Nun trägt das Haus den Namen Biberburg und biete ein modernes ökopädagogisches Lernprogramm.

Allerdings ist es nicht leicht, das größte Nagetier Europas leibhaftig zu Gesicht zu bekommen. "Biber sind dämmerungs- und nachtaktiv", sagt Rasmond Denné, ökopädagogischer Leiter des Schullandheims, "sie meiden den Menschen". Und das aus gutem Grund: Die Jäger wollten dem Biber ans Fell und hatten ihn in weiten Teilen Europas ausgerottet. Heute steht Meister Bockert, wie er im Volksmund genannt wird, unter Naturschutz.

Biber wiegen bis zu 40 Kilo

Die Kinder können in Berschweiler an Tierpräparaten das flauschige Unterfell fühlen und die Größe des Semiaquaten - das heißt sein Lebensraum sind fließende und stehende Gewässer sowie deren Uferbereiche - bestaunen. "Die meisten sind verblüfft, wenn sie zum ersten Mal einen Biber sehen" - sie können 40 Kilogramm schwer und von den Nagezähnen bis zum Schwanzansatz einen Meter werden.

Weiteres Wissenswertes wird in der Biberwoche vermittelt. Die jungen Schüler gehen in den Auen auf Spurensuche, erfühlen vom Biber bearbeitete Objekte und bauen selbst eine Burg. Die Projektwochen, mit verschiedenen ökologischen Themen, finden an festen Terminen übers Jahr verteilt statt. Schulen können sich für Drei- oder Fünftagesaufenthalte einbuchen. Hauptzielgruppe sind Schüler zwischen acht und zwölf Jahren. Außerschulische Gruppen oder Einzelpersonen, die kein Rahmenprogramm wünschen, können ebenfalls für Übernachtungen einkehren.

In der Wasserwoche wandern die Kinder an Bächen und Teichen entlang, bestimmen Flora und Fauna und untersuchen Wasserproben. Beim Besuch einer Kläranlage lernen die Kinder, wie Wasser gereinigt wird.

In der Energiewoche wird die Windkraftanlage in Berschweiler besichtigt und mit Photovoltaikelementen gebastelt. In der Projektwoche für Besser-Esser wird gemeinsam mit frischen und saisonalen Produkten aus der Region gekocht. Außerdem steht eine Visite beim Milchbauern an. "Für die Kinder ein Highlight." Viele kommen dort zum ersten Mal mit Kühen in Kontakt und lernen, dass die Milch nicht aus der Tüte kommt.

Im vergangenen Jahrzehnt wurde des Landheim baulich und inhaltlich modernisiert, das Gebäude, 2010 mit 1,7 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II des Bundes energetisch saniert; zuvor entstanden Verwaltungsräume, und die Unterkünfte wurden renoviert.

Die neuen ökopädagogischen Inhalte sind an die Lernpläne angepasst. Hilfe bekam die Biberburg vom Umweltbildungszentrum Licherode/Hessen. Sie teilten ihre Erfahrungen mit dem Themenfeld Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), das die Unesco - der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur - fördert.

Die Biberburg bietet zehn Mehrbettzimmer mit 64 Plätzen sowie zwei Doppel- und Einzelzimmer für Begleitpersonen. In der Freizeit können Kinder Beachvolleyball und Tischtennis spielen oder auf dem Multifunktionsfeld kicken und Körbe werfen.

Streuobstwiesen und die Quelle des Meulwiesbachs, der früher Berschweiler mit Trinkwasser versorgte, befinden sich auf dem Gelände und werden in die Projektwochen eingebunden.

Solche Exemplare wie auf diesem Archivbild halten sich rund um das Schullandheim auf. foto: Felix Heyder/dpa.

Zum Thema:

Auf einen BlickDas Schullandheim und Naturerlebniszentrum Biberburg Berschweiler bietet verschiedene ökopädagogische Themenwochen für Schulklassen an.Besser-Esser-Woche: Mitmachküche, Ernährung mit lokalen und saisonalen Produkten, Besuch eines Bauernhofs.Biberwoche: Exkursionen und Spurensuche, Bau einer Biberburg.Energie: Exkursion zur Windkraftanlage, Basteln mit Photovoltaikelementen, Wind- und Wasserrädern.Erlebnispädagogik: Zusammenarbeit, Kooperationsfähigkeit, Geländeexkursionen mit Teamarbeit, Basteln mit selbst geschöpftem Papier.Wald-/Wildnis-Woche_ Erkundungen, saisonale Kräuter und Beeren, Wildfütterung beim Jäger.Wasserwoche: Experimente und Gewässergütebestimmungen, Wasserexkursionen zu Bächen, Kläranlagen, Bestimmung von Tieren und Pflanzen. ame