Villenviertel einst umstritten

Neunkirchen. Wenn Du, lieber Neu-Neunkircher, einmal Michael Zitzmann treffen solltest oder auch Signor Jacopini und beide nach der Goethestraße fragst, dann wirst Du Glanz in ihren Augen leuchten sehen. Beide sind nicht nur Besitzer ehemaliger Hüttendirektorenvillen in der Goethestraße, sondern auch begeisterte Goethestraßenbewohner

Neunkirchen. Wenn Du, lieber Neu-Neunkircher, einmal Michael Zitzmann treffen solltest oder auch Signor Jacopini und beide nach der Goethestraße fragst, dann wirst Du Glanz in ihren Augen leuchten sehen. Beide sind nicht nur Besitzer ehemaliger Hüttendirektorenvillen in der Goethestraße, sondern auch begeisterte Goethestraßenbewohner. Für Michael Zitzmann beispielsweise ist die Goethestraße, "eine unterschätzte Idylle in der Neunkircher Innenstadt, wo Nachbarschaft gelebt und bürgerliche Eigeninitiative gepflegt wird". Vor einiger Zeit noch haben Zitzmann und seine Nachbarn mit Engagement für dieses Wohngebiet geworben, weil sie befürchteten, dass das repräsentative Wohngebiet im Sog innerstädtischer Probleme vernachlässigt werden könnte. In der Stadtverwaltung, besonders bei Oberbürgermeister Friedrich Decker und auch bei Jürgen Fried, fanden sie offene Ohren für ihre Anliegen. Heute ist die Goethestraße nicht nur durch private Eigeninitiative, sondern auch durch städtische Förderung ein Vorzeigeviertel und Teil des historischen Hüttenweges. Im Zusammenhang mit der Goethestraße darf ein Alt-Neunkircher einem Neu-Neunkircher jedoch durchaus verraten, dass dieses edle Villenviertel der Hüttendirektoren einst der Neunkircher Arbeiterschaft und damit auch den "Roten" im Rathaus ein Dorn im sozialistischen Auge gewesen ist. Denn die Goethestraße war ein Paradebeispiel für großzügiges, luxuriöses Wohnen für die gehobene Klasse. Inzwischen ist das allerdings längst Sozialgeschichte. Zumal die Hüttenverantwortlichen auch für Arbeiterwohnungen, so genannte Werkswohnungen, gesorgt haben, allerdings nicht so großzügig gebaut wie die Direktorenvillen. Diese Goethestraße aber ist baulich wohl mit das Schönste, das die Hüttenzeit der Stadt Neunkirchen hinterlassen hat. Vor allem ist sie eine Augenweide für Architektur-Interessierte. Wenn Du, lieber Neu-Neunkircher, mit viel Muse durch diese Straße flanierst, wirst Du den großen Wohnblock bestaunen, der den Hüttenbeamten als sehr großzügiger Wohnraum gedient hat. Heute sind diese Wohnungen als Eigentumswohnungen erworben. Fasziniert aber wirst Du sein von den Villen, die sich wie architektonische Perlen zur Mozartstraße hin aufreihen. Inzwischen haben sich auch neuzeitliche Bauten in die Goethestraße eingereiht. Auch an altersgerechtes Wohnen wird gedacht.

Hintergrund Die Häuser der Goethestraße wurden Anfang des 20. Jahrhunderts, etwa zwischen 1900 und 1904, errichtet. Architekten waren unter anderen Brück, Gleitz, Strobel oder die Architekten der Wohnungsbaugesellschaft des Eisenwerkes. Heute sind die Häuser in Privatbesitz und in vielen Fällen gelungen renoviert, dank der privaten und städtischen Förderung. gm