Vier Dialekte, eine Sprache

Bosen. Es heißt, am achten Tag der Schöpfungsgeschichte hat Gott die Dialekte erfunden. "Nur für den Schwaben ist kein Dialekt übrig geblieben", nimmt der Böblinger Mundartautor Hanno Kluge seine heimatliche Sprachregion ironisch auf die Schippe

Bosen. Es heißt, am achten Tag der Schöpfungsgeschichte hat Gott die Dialekte erfunden. "Nur für den Schwaben ist kein Dialekt übrig geblieben", nimmt der Böblinger Mundartautor Hanno Kluge seine heimatliche Sprachregion ironisch auf die Schippe. Gemeinsam mit Annemarie Regensburger aus Imst in Tirol, der Badenserin Ulrike Derndinger (Lahr), und dem Beckinger Gérard Carau (Mitglied der Bosener Gruppe), trägt er Kurzgeschichten und Gedichte zu Themen vor, die während der Kreativwoche entstanden sind. "Durch den intensiven Austausch und die unterschiedliche Herangehensweise an ein Thema lernt man sehr von den anderen Teilnehmern", ist die alemannische Mundartdichterin Ulrike Derndinger begeistert vom Symposium. Als Redakteurin bei der Badischen Zeitung schreibe sie ihre Texte ja in Prosa. "Jetzt habe ich von den Lyrikern viel dazugelernt", meint sie. Ein Woche erkundete das literarische Quartett die Region und deren Menschen, und verarbeitete ihre Erlebnisse in Mundartwerken. Im Idealzustand bedeutet Heimat für den im französischen Creutzwald geborenen Saarländer Carau, "dort wo man unangestrengt leben kann, sein kann. Dort wo man aufgehoben ist". Wesentlich schwieriger ist es, den tirolerischen Dialekt vorgetragenen Ausführungen von Annemarie Regensburger zu folgen. Inspiriert vom Bostalsee und der Weite der Landschaft widmet die Schriftstellerin und Poetin dem Skulpturenweg ein Gedicht. Klar, dass die vier Platt-Literaten auch ein paar kritische Zeilen niederschrieben. Punkt sieben Uhr am Morgen fühlen sich die Kopfarbeiter Kluge und Carau "vom Läuten von de Bosener Betglock genervt". Zum Thema Heimat fraglich, hat Carau einen Schandfleck in der Landschaft entdeckt: "Bei Theley. A Rieseloch in de Landschaft geruppt. Se nenne et Erschließung". Anlässlich des Besuchs auf der Johann-Adams-Mühle schrieb der Beckinger ein Gedicht über den unermüdlichen Mühlenführer Berthold Rauber. "Dippen ohne Lappes", führt Carau zum Punkt Begegnungen aus. "Ebbes bleiwt im Hals stecke", sei schon eine haarige Begegnung. Kluge, der diesjährige Wunschkandidat des Mundart-Symposiums, liest abschließend aus seiner in der Sindelfinger Zeitung erscheinenden Kolumne "de Käsreiter", vor. Die Zuhörer in der gut gefüllten Bosener Mühle quittieren die Vorträge mit viel Beifall. Begleitet wurden die vier Schreiberlinge über die gesamte Woche auch vom Radio-Sender SR3, der jeden Tag einen Literaten seine Region in seiner Mundart vorstellen ließ. "Das Erlebte hat mich richtig zum Schreiben angestachelt", nimmt Derndinger als zusätzliche Motivation mit in den Schwarzwald. Kulturdezernent Harry Hauch wies noch auf die Nachhaltigkeit der Veranstaltung hin. "Mit diesen Symposium soll ein Netzwerk zwischen den Mundartkünstlern entstehen. Der Kontakt untereinander soll intensiviert werden", sagt Hauch. Laut Carau soll über die diesjährigen Veranstaltung eine Dokumentationsmappe entstehen. Begleitet wurden die Mundartdichter vom Idar-Obersteiner Martin Weller, der im vergangenen Jahr selbst Teilnehmer des Symposiums war. Der Hochwald-Cowboy trug hunsrückerische Gedichte und Lieder aus eigener Feder vor.