Halloween: „Viel Glück beim Überleben“

Halloween : „Viel Glück beim Überleben“

Sechster Tag der offenen Tür im Haunted Village. 1000 Besucher wandern über die Horrormeile in Mosberg-Richweiler.

Isoliert, von allen Menschen verlassen, das Dorf Mosberg-Richweiler existiert nicht mehr. Der Ort wird als „Haunted Village“ bezeichnet und von der Bevölkerung im Umland gemieden. Nur an Halloween trauen sich normale Menschen dort hin. 60 Besuchergruppen sind am Donnerstag unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen durch das Spukdorf geschleust worden. „Viel Glück beim Überleben“, wünscht Dennis Racioppi, Mitorganisator der Tour des Schreckens. Per Videobotschaft blafft eine schreckliche Lazarett-Schwester mit fauligem Gebiss die Touristen an: „Pinkeln und das Abstellen von Flaschen ist im Dorf verboten“.

Doch wie konnte aus dem einst idyllischen Örtchen ein dermaßen gruseliges Dorf werden? Dafür mitverantwortlich soll ein misslungener Weltallflug der Apollo 13 aus dem örtlichen Atelier gewesen sein, der nach einer Notlandung ekliges, außerirdisches Gesindel auf die Erde mitgebracht hat. Mit ihnen haben sich Geister, Zombies, üble Monster, Aliens und Untote im Haunted Village niedergelassen, heißt es an diesem Abend. Wahnsinn. Ein Kind baumelt am Galgen, weitere Jungs und Mädchen sind neben Kuscheltieren auf einem Friedhof begraben, dessen Gräber eine grauenvolle Betschwester pflegen soll. Aus der Dunkelheit taucht ein schreiendes Mädel mit Pestbeulen auf. „Kommt ihr nicht zu nah, schaut sie an, dann sehr ihr, was dann passiert“, sagt jemand, der wie der leibhaftige schwarze Tod rüberkommt.

Ein weiteres Mädel schmort winselnd auf einem Scheiterhaufen, zähnefletschend geht der Werwolf um. Blutverschmiert macht der Märzhase die weiblichen Besucher an. Übrigens: Zwei Mädels sollen noch vom Tag der offenen Tür im vergangenen Jahr fehlen. Es ist der blanke Horror. Leichenteile von Mosbergern, die nicht rechtzeitig ihr Dorf verlassen konnten, liegen vor den Häusern und auf dem Pflaster. Ein Schlachter mit einem Schweinekopf zerkleinert zur Weiterverarbeitung portionsmäßig die Körperteile mit dem Beil. Die durchgeknallte Hutmacherin hockt am Tisch neben Alice im Wunderland. Schüsse fallen und Horrorgestalten springen plötzlich aus der Kulisse auf die menschlichen Wesen zu. Ein Traktor tuckert, und an dessen Kran bampelt nach einem tragischen Unfall symbolisch der letzte Landwirt des Dorfes. Völlig verstörte Zombies rennen nach vorne und ruckeln an den Sperrgittern. Ein Friedhof zum Schluss verdeutlicht: Die Mitbringsel aus dem Weltall haben das Dorf im Griff.

Nach 40 Minuten ist der Spuk für eine Gruppe vorbei. Wieder in der Realität angekommen, resümiert die 16-jährige Aline aus Oberkirchen: „Ich fand es richtig toll, wie das ganze Dorf gestaltet war“. Viele Häuser sind mit Halloween-Motiven angestrahlt worden oder waren gruselig dekoriert. Andrea (18) aus Züsch-Neuhütten findet: „Super gestaltet und klasse Rollenspiele“. Insgesamt zehn „Erschrecker-Stationen“ haben auf der 1,2 Kilometer langen Horrormeile mit 300 flackernden Grablichtern den freiwilligen Gästen einen Schock versetzt.

Auch logistisch ist alles einwandfrei gelaufen. „Es passt, wir können, wenn notwendig, noch einen zweiten Parkplatz öffnen“, erklärt Löschbezirksführer David Werle, nachdem die Hälfte der 60 Gruppen ihren Gruselgang beendet hat. Pro Schar sind immer 16 Personen ins Dorf geschickt worden. „Dadurch haben wir einen guten Rhythmus“, so Werle weiter.

So dekorieren die Bürger in Mosberg-Richweiler ihre Anwesen an Halloween. Foto: Frank Faber

Der 380-Einwohner-Ort war an Halloween komplett von der Außenwelt abgeriegelt, die Zufahrt nur mit gültigem Ticket möglich. Mit Musik aus der Konserve ist an der Schutzhütte am Sportplatz gefeiert worden. Ermöglicht haben die sechste Ausgabe von „Haunted Village“ der Sportverein, die Narren der „Dommerschbacher“, die Feuerwehrkameradschaft und die Bewohner von Mosberg-Richweiler.

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