Viel Gerede, wenig Entscheidungen

Viel Gerede, wenig Entscheidungen

Wer in dieser Woche bei den beiden Stadtratssitzungen in Homburg Beobachter war, konnte Folgendes feststellen: Es gibt derzeit keine klare Richtung mehr, Mehrheiten sind deshalb wenig berechenbar. Viele Tagesordnungspunkte werden zwar kräftig diskutiert – zumeist aber ohne Ergebnis.

Sie werden dann weitergereicht in die Ausschüsse oder gar in die folgenden Sitzungen. Nur nichts mehr entscheiden, es ist schließlich Wahlkampf! Und noch eines dürfte seit Donnerstagabend klar sein: Die Zeit der großen Koalition, die es sowieso nur auf dem Papier gab, ist vorüber. Die CDU hat sie mit ihrem Auftritt zum Enklerplatz beendet. Auch da steckt Wahlkampf-Taktik dahinter, wenngleich bezweifelt werden darf, ob diese letztlich aufgehen wird. Denn die Christdemokraten fischen ab sofort im Teich der "Allianz der Vernunft". Und dieser Teich ist eh schon recht klein.

Dass die CDU auf diese Weise versucht, Duftmarken zu setzen und ihren Oberbürgermeister-Kandidaten auf Kosten der bisherigen Partner der SPD zu positionieren, macht nachdenklich. Schwerer wiegt aber, dass die Mannschaft von Fraktionschef Christian Gläser den eigenen Weg verlässt. Denn es war doch die CDU, die unbedingt ein Großcenter auf dem Enklerplatz haben wollte. Warum jetzt, nachdem ECE abgesprungen ist, das Baurecht für ein Center in beabsichtigter Größe in Frage gestellt wird, mag zwar die Allianz-Anhänger zu Jubelstürmen verleiten, sorgt aber beim Rest der Bevölkerung eher für Kopfschütteln. Und letztlich lässt die CDU auch ihren - immer noch erkrankten - Oberbürgermeister Karlheinz Schöner im Regen stehen - wahrlich kein feiner (Charakter-)Zug.

Es sind noch drei Monate bis zum Wahlmarathon am 25. Mai. Da müssen jetzt alle durch. Zu hoffen bleibt, dass anschließend das Klima im Stadtrat wieder besser wird. Manche werden das bezweifeln, doch es kann gelingen. Schließlich werden neue Leute nachrücken oder gar das Sagen haben. Auch bei der CDU, denn der Fraktionschef tritt bekanntlich nicht mehr für den Stadtrat an.

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