Unerwarteter Freispruch im Kokainprozess

Unerwarteter Freispruch im Kokainprozess

Vor gut vier Jahren strandete eine Boeing 727 mit tonnenweise Kokain aus Südamerika in der malischen Wüste. Den Weitertransport des Stoffes nach Spanien soll ein im Saarland lebender Cousin von kolumbianischen Drogenbossen organisiert haben. Er wurde gestern jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Aus Mangel an Beweisen hat das Saarbrücker Landgericht gestern einen Angeklagten vom Vorwurf der Mitgliedschaft in einem kolumbianischen Drogenkartell freigesprochen. Die Beweislage reiche nicht einmal zu einer Verurteilung wegen Beihilfe zum Kokainschmuggel aus, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft hatte dem aus Kolumbien stammenden 40-Jährigen vorgeworfen, als rechte Hand von zwei kolumbianischen Drogenbossen vom Saarland aus den Schmuggel von fünf bis sieben Tonnen Kokain von Mali nach Spanien und dessen Verkauf in Europa organisiert zu haben. Die Anklage hatte sich auf Ermittlungen der spanischen und marokkanischen Behörden und die Vernehmung eines in Tanger inhaftierten Kolumbianers durch BKA-Beamte gestützt.

Demnach war im Oktober 2009 eine Boeing 727 in der malischen Wüste zwischengelandet. Wegen eines technischen Defekts hatte das Flugzeug aber nicht wieder starten können. Daraufhin hatten die Schmuggler laut Anklage das Kokain in einer Höhle versteckt. Dem Angeklagten hatte die Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, Weitertransport und Verkauf des Kokains sowie die Überweisung der Erlöse nach Kolumbien organisiert zu haben. Nach Schätzungen hatte das Kokain einen Marktwert von einer halben Milliarde Euro. Der 40-Jährige ist ein Cousin zweier mutmaßlicher Drogenbosse aus Kolumbien. Ihm hätten bei einer Verurteilung wegen bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln bis zu 15 Jahre Haft gedroht.

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HintergrundIn Kolumbien gab es viele Drogenkartelle mit zweifelhaftem internationalen Ruhm. Am bekanntesten sind das Medellín- und das Cali-Kartell, die lange als größte Kokain-Exporteure weltweit galten. Mitte der 90er Jahre wurden beide zerschlagen. Doch der Drogenhandel blüht weiter - auch weil viele Bauern wegen billiger Lebensmittelimporte kaum überleben können und Drogenanbau lukrativer ist. red

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