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Ulrike Mundl kam im Caritas Senioren-Zentrum Haus am See in kurzer Zeit wieder auf die Beine

Ein Schubs an der richtigen Stelle : Walzer tanzend dem Bungalow entgegen

Ulrike Mundl kam im Caritas-Senioren-Zentrum in Neunkirchen/Nahe in kurzer Zeit wieder auf die Beine.

„Die gelben Tassen hier auf dem Tisch, die sind so schön, so fröhlich… die passen zu uns!“ Ulrike Mundl lacht gerne, das sieht man ihr sofort an. Sie ist Optimistin geblieben – bei allem, was sie mit ihren 61 Jahren bereits erlebt hat. Sie sitzt am Tisch in der Caféteria des Caritas-Senioren-Zentrums Haus am See – eine Tasse Kaffee vor und den Rollator neben sich. Dass sie dort sitzt und den Raum eigenständig und aufrecht betreten konnte, hätte sie vor ein paar Wochen noch nicht gedacht. Denn damals sah die Welt noch anders aus. Davon berichtet eine Sprecherin des Senioren-Zentrums.

Bis Mai lebte Mundl in Mannheim, wo sie Ende des Monats mit einem gebrochenen Oberschenkel und einer gebrochenen Schulter auf der linken Seite ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Sie hatte Schmerzen auf der ganzen linken Seite und konnte kaum atmen – eine Bronchioskopie brachte Schlimmes zutage: Metastasen über den ganzen Körper verteilt. Mehr als sechs Wochen lag sie im Krankenhaus, und ihr Zustand verschlechterte sich zusehends. Der Rat der Ärzte an die Tochter: „Suchen Sie einen Hospizplatz für Ihre Mutter.“

Ulrike Mundls Tochter wohnt in St. Wendel – sie entschied, die Mama in die Nähe zu holen und ließ sie ins Krankenhaus nach Lebach verlegen, wo sie Chemotherapie bekam. „Die hab ich überhaupt nicht vertragen, mir ging es immer schlechter. Wie sagt man so schön: Man gab keinen Pfifferling mehr auf mein Leben.“ Die Tochter machte sich auf die Suche nach einem Pflegeheim und landete schließlich im Haus am See – mit dem palliativen Schwerpunkt wie gemacht für die Bedürfnisse der Familie.

Anfang Juli zog Ulrike Mundl ein. „Ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch“, sagt sie, „bei mir ist das Glas immer halb voll. Aber ich lag wie ein Häufchen Elend im Bett. Und als Hausleiterin Steffi Gebel mit dem Rollstuhl kam und sagte, dass sie mich jetzt da reinsetzt, hatte ich richtig Angst.“

Doch dann geschah etwas Erstaunliches: „Frau Gebel hat mich über die Wohnbereiche geschoben, und ich hatte durch das aufrechte Sitzen plötzlich wieder eine ganz andere Perspektive und habe Mut gefasst.“ Und die Hausleiterin setzte ein ehrgeiziges Ziel: „In vier Wochen tanzen wir Walzer!“

Von da an ging es stetig aufwärts: Eine Therapeutin kam und arbeitete mit ihr – und seit etwa zwei Wochen kann sie am Rollator und mit Nordic-Walking-Stöcken laufen. „Ohne die Menschen hier wäre ich noch nicht wieder auf den Beinen“, ist Ulrike Mundl sicher. Und Steffi Gebel ergänzt: Manchmal brauche es eben einfach einen kleinen Schubs an der richtigen Stelle.

„Die Mitarbeitenden hier im Haus tun viel mehr als nur ihren Job, sie bringen sich mit Leib und Seele ein“, sagt Ulrike Mundl. „Mir geht’s wunderbar – ich bin flügge geworden.“ So flügge, dass sie wieder Pläne schmiedet: Wenn möglich, möchte sie in einen der Bungalows ziehen und wieder eigenständig wohnen. „Eins nach dem anderen“, sagt Hausleiterin Gebel und lacht: „Erst schmeißen wir mal Ihre Stöcke weg, dann tanzen wir Walzer... und dann kümmern wir uns um den Bungalow.“