Überholverbot auf den Wanderwegen

Neunkirchen. Der Pfälzerwald-Verein war von Anfang an straff organisiert. Die Vereinstreue der Mitglieder war beispielhaft und die Begeisterung hervorragend. Für die Disziplin stehen die am 18. 12. 1909 beschlossenen Sanktionen: "Wer durch schnelleres Gehen den Wanderführer überholt, muss beim ersten Mal fünf Pfennige Strafe und für jeden weiteren Verstoß zehn Pfennig Strafe zahlen

 Die Wanderer versammelten sich im Jahr 1934 am Denkmal Kasbruch. Foto: SZ/Verein

Die Wanderer versammelten sich im Jahr 1934 am Denkmal Kasbruch. Foto: SZ/Verein

Neunkirchen. Der Pfälzerwald-Verein war von Anfang an straff organisiert. Die Vereinstreue der Mitglieder war beispielhaft und die Begeisterung hervorragend. Für die Disziplin stehen die am 18. 12. 1909 beschlossenen Sanktionen: "Wer durch schnelleres Gehen den Wanderführer überholt, muss beim ersten Mal fünf Pfennige Strafe und für jeden weiteren Verstoß zehn Pfennig Strafe zahlen." Der überholte Wanderführer konnte die Strafe sofort kassieren. Wer notgedrungen in die Büsche musste, hatte sich ordnungsgemäß abzumelden. Darauf, dass die Wandergruppe die kleineren oder größeren Geschäfte einzelner Wanderer im Waldesdickicht abwartete, bestand kein Anspruch. Für die anrührende Vereinstreue ist Helene Arend beispielgebend. Im Jahre 1966 vermachte die Witwe der Neunkircher Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins per Testament aus ihrem bescheidenen Nachlass ihre Schreibmaschine. Für die herausragende Begeisterung aber steht der Bericht von Pressewartin Elke Lang, die zurzeit mit ihrem Ehemann, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe, Rudi Lang, treibende Kraft im Verein ist: "Trotz Glatteis, Regen, heftigen Sturmböen waren am 18. Januar dieses Jahres alle Wanderer, bis auf drei, die entschuldigt waren, zum Treffpunkt gekommen. Nach einiger Diskussion wurde die Wanderung begonnen. Sie musste allerdings nach einem Kilometer abgebrochen werden. Soweit wir uns erinnern, war es das erste Mal, dass eine angesetzte Wanderung vor Ort abgesetzt werden musste." Gegründet wurde die Ortsgruppe im Jahre 1909. Neunkirchen war noch ein preußisches Dorf und die Ortsgruppe Neunkirchen somit eine Enklave der bajuwarischen Pfälzer auf preußischem Boden. Am 14. August trafen sich die ersten Wanderlustigen im Hotel Halberg an der Blies, zur Gründungsversammlung. Etwa zwanzig Mitglieder gehörten dem Ortsverein an. Die Ortsgruppe war gerade fünf Jahre alt, da kam der Erste Weltkrieg. Erst am 5. Juni 1919 versammelten sich die Wanderfreunde wieder. Im Jahre 1923 wurde oberhalb der Felsenbank im Kasbruchtal ein Gedenkstein errichtet, der den im Ersten Weltkrieg gefallenen Wanderfreunden gewidmet wurde. Den Gedenkstein und die Erinnerung, auch an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, pflegen die Wanderfreunde heute noch. 1945 lösten die Alliierten den Pfälzerwald-Verein auf. Sein Nachfolger war der Heimat- und Wanderverein. Erst am 18. Dezember 1952 wurde der Pfälzerwald-Verein im Café Hübchen wieder gegründet. Mit der Rückgliederung des Saarlandes kehrte die Ortsgruppe in die Arme der Dachorganisation zurück. Unter der Führung von Rudolf und Elke Lang wurde der Aktionsradius der Ortsgruppe über ganz Deutschland ausgedehnt. Das bei Strafe verbotene Überholverbot des führenden Vorsitzenden oder Wanderführers ist inzwischen abgeschafft.

HintergrundDer Vorstand im Jubiläumsjahr: Vorsitzender: Rudolf Lang, zweite Vorsitzende: Gerlinde Reisdorf, Kassenwart: Klaus Biehl, Wanderwart: Peter Vollmar, Schriftführerin und Pressewartin: Elke Lang, Seniorenbeauftragte: Rita Bier, Wegewart: Jürgen Heckler. gm

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