Über Kaffee und Kuchen zur Kultur

Über Kaffee und Kuchen zur Kultur

Während sich das Jahr 2016 dem Ende entgegenneigt, ist Christoph M. Frisch, Leiter des Kunstzentrums Bosener Mühle, gedanklich schon in 2017 und 2018 angekommen. Das Programm für die kommenden zwölf Monate steht. Frisch ist es wichtig, dass die Bosener Mühle als Kulturort wahrgenommen wird.

Es ist grau und nass. November eben. An diesem späten Montagnachmittag ist nur einer im Kunstzentrum Bosener Mühle: dessen Leiter Christoph M. Frisch. "Wenn das Café geschlossen ist, ist die Mühle zu dieser Jahreszeit der einsamste Ort", scherzt Frisch. Damit das nur die Ausnahme und nicht die Regel ist, nutzt der Künstler die ruhige Phase zum Ende des Jahres, um für die Zukunft zu planen. Aktuell füllen farbenfrohe Schmetterlinge in Rahmen oder fröhlich schauende Bienen in Vitrinen den Ausstellungsraum. Entstanden sind diese Kunstwerke in einem Workshop mit behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen. Zum dritten Mal in Kooperation mit der Lebenshilfe. Ein solches Inklusions-Projekt ist einer der Eckpunkte bei der Planung des Veranstaltungsjahres. Die Workshops seien stets für September/Oktober terminiert, kurz darauf folge die Schau. "Einmal im Jahr möchte ich die Sparte Fotografie im Zentrum haben", sagt Frisch, der auch künstlerischer Leiter der Stiftung Kulturbesitz Kreis St. Wendel ist. Im nächsten April wird der Pole Stanislaw Chomicki seine Bilder zeigen. Diese wurden mit einer Lochkamera aufgenommen, einer simplen Box mit einem winzigen Loch.

Die Verbindung zur Hochschule der bildenden Künste Saar (HBK Saar) in Saarbrücken sei im nächsten Jahr auch ein großes Thema, kündigt Frisch an. Nadiya Morenko wird ein Projekt in der Bosener Mühle realisieren. "Ich weiß nicht, was es ist", gesteht der Vorsitzende des Kunstzentrums Bosener Mühle. Er lasse den Künstlern Freiraum. Neugierig macht er derweil schon mal auf eine Aktion von Burkhard Detzler, Professor an der HBK Saar. Sein Lehrgebiet ist die (Computer)generierte Gestaltung/Kommunikation im Raum. Die Mühle und der Rundweg am See werden zu Aktionsflächen. Objekte werden aufgestellt, zu denen es Infos aufs Smartphone gibt. Allerdings nur in einem bestimmen Umkreis.

Die Kunst auch raus aus den Ausstellungsräumen zu holen, ist Frisch wichtig. Er erinnert an die aufgestellten Käfige nahe der Bosener Mühle. Für ihn eine charmante Konzeption, die sich nicht aufdränge und gleichzeitig die Schwellenangst nehme. Dadurch trauten sich die Menschen an die Kunst heran.

Die Rolle des Vermittlers zu den Ausstellungen in der Bosener Mühle übernimmt in gewisser Weise auch das neu eingerichtete Café. Nach Kaffee und Kuchen gibt's für viele noch den Blick auf die Kunst. Wobei der Leiter des Kunstzentrums die Bosener Mühle als Kulturort begreift. Und dies möchte er auch in den Köpfen der Menschen etablieren. Deshalb gilt: "Ich möchte ein ausgewogenes Programm übers Jahr verteilt. Es geht um Vielfalt."

Da Frisch, wie er sagt, gerne frühzeitig plant, hat er schon Themen für 2018 gesetzt. Und sollte es im Event-Kalender doch mal eine Lücke geben, greift er auf die Ordner im Büro zurück. "Dort werden die Bewerbungen der Künstler gesammelt." Neben der aktuellen kreativen Szene hat Frisch die Werke aus vergangenen Tagen im Blick. Es ist ihm wichtig, ab und an auch jenen Künstlern eine Plattform zu geben, die einst in der Region gelebt oder gearbeitet haben. Als Beispiel nennt er die 1970 verstorbene Mia Münster, denkt aber auch an die 1934 geborene und noch aktive Künstlerin Liane Deuter. Sie präsentierte ihre Werke im Frühjahr.

Themen, die zur Region passen, sind für Frisch in seiner Konzeption ebenso wichtig wie Aktionen für und mit Kindern. Beides verbinden ließ sich bei dem Projekt Rötelreich. "Das war ein großer Erfolg", wertet Frisch. Die Begeisterung in der Bevölkerung habe sich schon zu Beginn gezeigt. Wie der Künstler berichtet, habe der Vorstand des Kunstzentrums um Schubkarren gebeten. "Zuerst stand nur eine da, dann plötzlich 50", erinnert sich Frisch. Das Programm rund um den Rötel sei ein Beispiel dafür, wie den Menschen die Berührungsängste mit Kunst genommen werden könnten.

Idee zum Färbergarten

Neue Lichtanlage und Böden in der Bosener Mühle, neue Bildhauerhütte auf deren Gelände - in den zurückliegenden Jahren hat sich einiges verändert. Im Gebäude würde Frisch, der seit 2012 als Leiter des Kunstzentrums fungiert, gerne ohne die - wie er findet - altmodischen Holzbalken auskommen. Auch fürs Umfeld hat er Ideen: Im Bereich zwischen Jachthafen und Mühle herrsche derzeit Wildwuchs. Dort würde er gerne Pflanzen, die einen Bezug zum Kunstzentrum haben, anlegen. "Anfangen würde ich mit einem Färbergarten." In diesem gibt es solche Pflanzen, aus denen Farben hergestellt werden können. Im zweiten Schritt könnte eine parkähnliche Anlage entstehen, in denen Pflanzen und Klangkunst eine Verbindung eingehen. Denn auch Musik gehört zu einem Kulturzentrum wie der Bosener Mühle. Ebenso wie ein Kursprogramm. Die Workshops behandeln Themen wie Malerei, Fotografie oder Bildhauerei .

bosener-muehle.de

Zum Thema:

Christoph M. Frisch.
Selbst gemachten Kuchen servieren (v. l.): Margret Holzer, Christel Pauly, Heidi Holzer und Angela Welter. Fotos: B&K.

Auf einen Blick Eine halbe Million Euro und mehr sind seit 2000 in die Bosener Mühle investiert worden. Das Geld kam vom Land, dem Landkreis St. Wendel, aber auch von der EU (Leader-Mittel). Die Bosener Mühle ist ein Baustein im Kulturprogramm "St. Wendeler Land steinreich" der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land (Kulani). Seit 1972 ist die Bosener Mühle im Besitz des Landkreises St. Wendel, 1980 wurde das Kunstzentrum eingeweiht. evy

Mehr von Saarbrücker Zeitung