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Tag des St. Wendeler Landes war in der Bosener Mühle

Tag des St. Wendeler Landes : Identifikation mit der Heimatregion stärken

Zahlreiche Besucher hatten sich zum vierten Tag des St. Wendeler Landes in der Bosener Mühle eingefunden.

Geschichtsorte gibt es im Landkreis St. Wendel viele. Das zeigte der vierte Tag des St. Wendeler Landes in der Bosener Mühle. Zehn Heimatkundevereine präsentierten sich dabei und informierten über historische Orte aus ihrem Wirkungsbereich. Der Landkreis hatte den Aktionstag 2010 ins Leben gerufen. Den Vereinen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die regionale Vergangenheit zu erforschen, sollte ein öffentlichkeitswirksames Forum geboten werden. Das Motto dieses Mal waren die Geschichtsorte im St. Wendeler Land. So hatten die Mitglieder der Heimatkundevereine 13 wichtige Orte gewählt und in der Ausstellung vorgestellt.

Es ging um Orte, an denen Geschichte geschrieben wurde. So wie am Momberg bei Gronig, der mit den umliegenden Hängen und Tälern zu den ältesten keltischen Siedlungsgebieten des Saarlandes gehört. Oder das Eckstein-Denkmal in Hasborn, das an den bedeutenden Arbeiterführer der Bergleute in der Streikzeit um 1898 erinnert. „Mit unserem Tag des St. Wendeler Landes wollen wir unsere Heimat und die Besonderheiten unserer Region in den Mittelpunkt stellen. Wir wollen zeigen, dass der Landkreis mehr ist als nur eine Verwaltungseinheit und das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Identifikation der Bevölkerung mit der Heimatregion stärken“, sagte Landrat Udo Recktenwald (CDU). In Zeiten der Globalisierung, der Nationalismen und dumpfen Parolen gewinne das Heimatgefühl eine neue Bedeutung für die Menschen. Bindung an die Heimat, in der man sich geborgen fühlt, sei ein wichtiger Aspekte. Recktenwald: „Wir beobachten, dass die Menschen sich zunehmend regional orientieren und sich auch für die Vergangenheit ihrer Heimat interessieren.“ Dabei setzt der Landkreis auf verschiedene Akzente wie Heimatmuseen, heimatkundliche Bücher oder das Projekt „Zukunft Dorf“, um eine Erinnerungskultur zu fördern und Nähe zu schaffen. Dass das Interesse groß sei, würden neben den Aktivitäten der Heimatkundevereine persönliche Projekte wie das von Anton Didas beweisen. Der Theleyer Heimatfotograf gibt demnächst einen Bildband über den Landkreis St. Wendel heraus.

Werner Feldkamp, der Ehrenvorsitzende der Kultur-Landschafts-Initiative St. Wendeler Land (kurz: Kulani), hat als aus Norddeutschland Zugezogener ein besonderes Verhältnis zu Heimat entwickelt: „Meine neue Heimat hier hatte immer auch mit meiner alten Heimat im Oldenburger Land zu tun. Als ich damals ins Saarland kam, war ich überrascht, mehrere Lokale namens Oldenburger Hof vorzufinden. Das war damals für mich wie eine Heimatbrücke. Als Zugezogener nimmt man bewusster das Schöne im Land wahr. Ich glaube, Wanderjahre außerhalb der Heimat tun gut, um den Blick für die Heimat zu schärfen.“ Landrat Udo Recktenwald ergänzte, wie wichtig es sei, in der Bevölkerung das Interesse für die Heimat zu wecken: „Die Menschen brauchen diese regionalen Bezüge, um zu fühlen, wo sie hingehören.“ Ein Fazit der Diskussionsrunde war, dass heimatliche Verbundenheit auch den ehrenamtlichen Wirkungsgrad der Bevölkerung vor Ort erhöht.

So sieht es auch Rosel Böhmer, die ehrenamtlich im Trachtenmuseum in Nohfelden arbeitet und sich in einer Tanzgruppe engagiert: „Ich bin hier geboren und kenne die Menschen, die hier leben. Das gibt mir ein gutes Heimatgefühl.“ Ihr Ehemann Dietmar Böhmer engagiert sich als Vorstandsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Walhauser Vereine: „Wir wollen mit unserer Arbeit die Kultur des Dorfes erhalten.“ Ein Leuchtturm der Vereinsaktivität sind die Köhlertage, die in diesem Jahr rund 20 000 Besucher anlockten. „Das Engagement verbindet uns und bringt die Dorfbewohner zusammen“, sagte Böhmer.

Für Friedrich Denne war ein großes Familientreffen 1979 in Oberlinxweiler der Auslöser, sich mit Ahnenforschung und der Geschichte seiner Heimat zu beschäftigen. Heute engagiert er sich im Verein für Heimatkunde im Saarland.

Dass man auch die Jugend für die Geschichte ihrer Heimat begeistern kann, bewies Jörg Friedrich in seinem Vortrag. Der Lehrer der Gemeinschaftsschule Türkismühle berichtete über ein Schulprojekt, das sich mit der jüdischen Geschichte der Gemeinde Nohfelden beschäftigt. „Die Schüler interessieren sich für das, war vor Ort vor unserer Tür passiert ist. Viele Schüler haben unsere Erinnerungsarbeit nach dem Projekt weitergeführt“, so Friedrichs Beobachtung.

Eine Diskussionsrunde mit Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU), Stefan Kunz vom Land(auf)Schwung-Projekt und Klaus Backes von der Vereinsgemeinschaft Hasborn-Dautweiler ging der Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Dörfer nach. Ehrenamtliche Strukturen in den Vereinen, eine gute Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Schulen, Apotheken und Ärzten seien wichtige Voraussetzungen. „Die Kommunalpolitik muss die Bebauung der Ortskerne sinnvoll steuern. In Hasborn haben wir den Einkaufsmarkt nicht wie so oft üblich am Ortsrand sondern im Zentrum angesiedelt, denn die Hasborner gehen gerne zu Fuß einkaufen. Dieser Markt ist für viele ein Treffpunkt und Kommunikationszentrum“, erläuterte Bürgermeister Schmidt. Das würde auch dazu führen, dass viele Einwohner zum Beispiel nach dem Studium wieder zurückkehren. „Wir verzeichnen in Hasborn die höchste Rückkehrerquote in unserer Gemeinde. Zwischen 2007 und 2017 sind von 860 Zugezogenen 548 Rückkehrer zu finden“, berichtete er. Für Werner Backes ist ein wichtiger Aspekt hierbei der Dialekt, der die Menschen verbindet, und das Gefühl sich zu kennen.

Im Landkreis gibt es viele Ideen, die Dörfer trotz demografischen Wandels zukunftsfähig zu machen. Stefan Kunz stellte das Projekt „Smart Village“ in Remmesweiler vor: „Vor Kurzem hatte hier der letzte Dorfladen geschlossen und es gab somit keine Einkaufsmöglichkeit mehr. Eine Gruppe reger Ehrenamtler hatte die Idee, über eine Onlineplattform regionale Produkte anzubieten. Die älteren Einwohner werden bei ihren digitalen Bestellungen unterstützt.“

Archäologe Klaus-Peter Henz stellte als Geschichtsort das Mars-Heiligtum im Wareswald vor, das jedes Jahr auch viele Schulklassen anlockt und für die Geschichte ihrer Heimat sensibilisiert. Bauernhäuser als identitätsstiftende Denkmäler regionaler Baukultur war das Thema von Bernd Brill. Der Architekt plädierte für den Erhalt der Bauernhäuser, die ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Region seien.

Der vierte Tag des St. Wendeler Landes hat facettenreich thematisiert, wie wichtig das Heimatgefühl und das Wissen um die regionale Geschichte für die Zukunftsfähigkeit der Dörfer sind. Das von Willibrord Ney moderierte Programm mit Vorträgen und Diskussionsrunden wurde ergänzt durch Anregungen der Besucher.

Der Tag des St. Wendeler Landes lockte viele historisch interessierte Besucher in die Bosener Mühle. Foto: Marion Schmidt

Musikalisch gestalteten Klaudia Scholl und Monika Fuchs (Gesang) sowie Dorothee Henkes am Klavier den Tag. Die mobilen Ausstellungswände sollen in Zukunft auf Reisen gehen und an anderen öffentlichen Orten für die Geschichtsorte im Landkreis St. Wendel werben. Auf dem YouTube-Kanal des Landkreises werden weiterhin Kurz-Filme gezeigt, die die Geschichtsorte und Arbeit der heimatkundlichen Vereine vorstellen.