SZ-Leser retten Comic-Helden

Ein lebensgroßes Double des US-amerikanischen Zeichentrick- und Spielfilmhelden Spiderman haben Unbekannte am Bostalsee gekidnappt. Ermittler gingen am Dienstag auf Zeugensuche, um die Figur mit übermenschlichen Kräften aufzuspüren – mit Erfolg.

Den mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Comic- und Filmhelden Spiderman (aus dem Englischen übersetzt: Spinnenmann) haben Unbekannte vorübergehend in ihre Gewalt gebracht. Wie die Türkismühler Polizei berichtet, ereignete sich die mehr als ungewöhnliche Entführung am Bostalsee . Demnach brachten die Täter Spidermans Double aus robustem Fiberglas bereits während des Seefestes in ihre Gewalt .

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hielt sich der rund 50 Kilogramm schwere Superheld als Werbefigur weithin sichtbar auf dem Dach eines Bierwagens auf. Dort war er zu seiner eigenen Sicherheit gegen den Zugriff Unbefugter fest verankert - was allerdings seine Entführer nicht abschreckte. Laut Angaben einer Zeugin beobachtete sie, wie vier unbekannte Männer und eine Frau in der Nacht auf Sonntag, zwischen 2 und 3 Uhr, auf das Dach stiegen, an den Schrauben Hand anlegten und den gewichtigen Kerl in seinem rot-blauen Outfit mit vereinten Kräften herunterhievten. Danach verlor sich Spidermans Spur. Vorerst. Seinen Marktwert bezifferten die Beamten auf rund 1600 Euro.

Die Suchmeldung der Polizei nach Spiderman sorgte am Dienstagnachmittag für rege Diskussionen bei Facebook auf der lokalen Internetseite der Saarbrücker Zeitung. Und binnen kürzester Zeit meldeten sich die ersten Leser, die den Verschwundenen gesichtet haben wollten. Es dauerte auch nicht lange, bis eine Nohfelderin ein Beweisfoto zu seinem Aufenthaltsort schickte: die Spiderman-Figur kniete am Rand eines Waldweges zwischen Bosen und Neunkirchen/Nahe. Die Aufnahme war am Sonntagnachmittag während eines Spaziergangs entstanden, als sie mit ihrer Familie an dem ungewöhnlichen Gesellen vorbeischlenderte. Weitere Zeugen bestätigten ihre Angaben.

Wenig später machten sich Polizisten zum Fundort auf, um das sperrige Diebesgut zu sichern. Das allerdings soll schon wieder bei seinem angestammten Besitzer sein. Nach Auskunft eines Polizeisprechers am Abend habe dieser seinen Spiderman selbst abgeholt.

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Dass SZ-Leser Spaß verstehen, haben sie am Dienstag via Internet bewiesen. Sie beteiligten sich nicht nur an der Suche nach der verschwundenen Spiderman-Figur. Sie kommentierten dies auch mit allerlei Wortwitz. Dominique Kraushaar schrieb mit Anspielung auf das Spinnennetz, mit dem sich der zeitweise in Bosen spurlos verschwundene Comic-Held in seinen Abenteuern fortbewegt: "Hab' gerade bei Spiderman angerufen. Ging keiner ran. Der hat wohl kein Netz." Karin Meier indes vermutete, dass ihm das Seefest wohl arg zugesetzt haben musste, er möglicherweise zu heftig gefeiert hatte: "Der hatte Ausgang am Seefest und fand den Weg nicht mehr heim."

Nachdem sich im Laufe des Nachmittags die Hinweise verdichtet hatten, dass der Serienheld wieder aufgetaucht ist, schrieb Carsten Barth: "Der arme Kerl braucht auch mal Urlaub. Welt retten und so, ganz schön anstrengend."

Ebenfalls Sorgen um sein Wohlergehen machte sich Marion Arnold: "Er sieht leicht desorientiert aus", ließ sie beim Anblick des Fotos von ihm und seinem Fundort an einem Waldweg wissen. Und Martin Eichbaum erkundigte sich: "Geht es ihm gut?"

Neben den gezeichneten Heldentaten taucht Spiderman auch in abendfüllenden Spielfilmen aus Hollywood-Produktion auf. Nach der Entführung warf Christian Pysall die Frage auf: "Kommt der dritte Teil nun später?"