Sturm überm "Bankenwunderland"

Saarbrücken. Der Beruf des Bankkaufmanns hat einen schweren Stand. Wie schnell jedoch der Versuch, das Bild vom bösen Banker gerade zu rücken, schief gehen kann, zeigt ein Videoclip, der derzeit im Internet kursiert. Darin versuchen Azubis der Sparda Bank Südwest, die Welt von den schönen Seiten ihres Ausbildungsberufs zu überzeugen

Saarbrücken. Der Beruf des Bankkaufmanns hat einen schweren Stand. Wie schnell jedoch der Versuch, das Bild vom bösen Banker gerade zu rücken, schief gehen kann, zeigt ein Videoclip, der derzeit im Internet kursiert. Darin versuchen Azubis der Sparda Bank Südwest, die Welt von den schönen Seiten ihres Ausbildungsberufs zu überzeugen. Gedreht wurde das Musikvideo in einer Saarbrücker Filiale. "Schließ' Dich uns an, und trau dich ran, entdecke das Schöne an Bankkauffrau und Bankkaufmann", singen darin fünf adrett gekleidete junge Frauen und reißen jubelnd die Arme nach oben. Dazu pulsieren professionell produzierte Beats. Dann wird gerappt: "Ich nehm dich an die Hand, ich zeig Dir das Bankenwunderland".Und das sieht so aus: Eine gute Fee mit Zauberstab und Tüllrock erfüllt große Wünsche: Südseereisen, Eigenheim, Traumauto: "Eine gute Tat an jedem Tag, das ist des Bankers täglicher Auftrag." Später tanzen die jungen Frauen noch mit dem Bauspar-Fuchs und setzen ein Kind auf ein großes Sparschwein. Die gesamte Szenerie wirkt - vorsichtig ausgedrückt - naiv, die Texte künstlich, Sprechgesang und Tanzeinlagen ungeschickt. Doch niemand hätte davon erfahren, wenn sich die "Sparda Movie Stars" mit dem Film nicht beim Wettbewerb "Bankstage - Gib Deinem Job eine Bühne" der Frankfurt School of Finance & Management beworben hätten.

So landete das Video auf einer von der Schule eingerichtete Youtube-Plattform, wo es zunächst eine weitgehend unbeachtete Online-Existenz fristete. Dies änderte sich vergangene Woche. Über Facebook, Twitter und Blogs verbreitete sich der Film rasant, die Klickzahlen schossen nach oben. Die Kommentarspalte füllte sich im Minutentakt, die Äußerungen - meist hämisch bis verletzend. Wegen "persönlicher Verunglimpfungen" schloss die Schule schließlich den gesamten Kanal. Doch zu spät, schnell wurde das Video von anderer Stelle aus wieder online gestellt und hatte bis gestern Abend bereits über 136 000 Aufrufe. Im Internet tobt nun ein "Shitstorm": "Peinlich", "zum Fremdschämen" sind noch die netteren Kommentare.

Als "PR-Gau", wie das "Handelsblatt" das Video betitelte, will man die Sache bei der Sparda Bank nicht sehen. "Jeder kann seine Meinung haben", sagt Pressesprecher Andreas Manthe, "ich würde mir aber wünschen, dass die Kritiker auch ihre Namen nennen". "Überrascht" und "bestürzt" sei sie, wie beleidigend zum Teil auf die Azubis losgegangen werde, sagte Angelika Werner von der Frankfurt School of Finance & Management. Für den Social-Media-Experten Thomas Christinck liegt das Problem in der fehlenden Authentizität des Films: "Die Protagonisten wirken wie Schauspieler, die Dirigenten sind aber offenbar andere", sagt er: "Ein solcher Film braucht authentische Ich-Botschaften." Gute Beispiele gebe es: Etwa die Filme der bayerischen Krones AG, die ihren Azubis Kameras in die Hand drückt, um aus ihrer ganz privaten Sicht ihren Alltag zu dokumentieren.

Hintergrund

Als Shitstorm wird eine öffentliche Entrüstung, meist mit Beleidigungen und Bedrohungen im Internet bezeichnet. Transportiert wird sie über Soziale Netzwerke und Blogs. Sie verselbstständigt sich schnell. Ein Shitstorm kann verschiedene Ursachen haben. Oft wird er gezielt von Kritikern initiiert, er kann aber auch durch Ungeschicklichkeiten ausgelöst werden. Manchmal ist es einfach nur Pech. jkl