Strukturwandel seit den 60ern

Ex-Ministerpräsident sieht Tourismus als Standbein der Saar-Wirtschaft.

"60 Jahre Saarland" ist das Thema einer Informationsveranstaltung am Mittwoch, 15. März, in der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt in Wolfersweiler. Los geht's um 18.30 Uhr. Dann wird der ehemalige saarländische Ministerpräsident Reinhard Klimmt (SPD) sprechen. Im Vorfeld äußert er sich in der SZ, was für ihn 60 Jahre Saarland bedeuten.

In Wolfersweiler geht es um "60 Jahre Saarland". Was sind für Sie die wichtigsten Ereignisse dieser Zeit?

Reinhard Klimmt 1959 folgte dem politischen mit der Einführung der Mark der wirtschaftliche Anschluss an die Bundesrepublik. Darauf folgte eine bis heute andauernde Phase des Strukturwandels. An die Stelle der Montanindustrie trat die Automobilindustrie, der Dienstleistungsbereich entwickelte sich, und mit dem Ausbau der Forschungskapazitäten der Hochschulen die Öffnung zur Informations- und Wissensgesellschaft. Der Konfessionsgegensatz ebnete sich in diesen Jahrzehnten ein und die klerikal-konservative Gesellschaft entwickelte sich zu einer liberal-weltoffenen. Die Bedeutung des traditionellen nationalen oder nationalistischen Denkens ging mehr und mehr zurück bis hin zur heutigen europäischen Orientierung und der guten Nachbarschaft in Saar-Lor-Lux.

Grenzen wir das Ganze doch mal etwas ein: Was verbinden Sie, wenn Sie an den Landkreis St. Wendel im Zusammenhang mit "60 Jahre Saarland" denken?

Klimmt Die Standorte von Gruben und Stahlwerken an Saar und Blies, ergänzt um die Wohngebiete der dort Beschäftigten, bildeten die Grundlage für den Zuschnitt des Saarlandes nach den beiden Weltkriegen. Daher waren die ländlichen Regionen des Landes ebenfalls vom wirtschaftlichen Strukturwandel, von der Gebiets-und Verwaltungsreform und vom kulturellen Wandel geprägt, allerdings mit regionalen Besonderheiten wie dem Wandel in der Landwirtschaft und die Veränderungen der Dörfer. Der Landkreis hatte schon immer eine eigene Identität, und er ist im Saarland seinen eigenen Weg erfolgreich gegangen.

Das Land und auch der Landkreis sind im strukturellen Wandel. Im ländlichen Raum wird mehr und mehr auf Tourismus gesetzt. Halten Sie das für den richtigen Weg?

Das Saarland braucht einen industriellen Kern - beispielsweise Fresenius. Wir sind aber längst eine Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft. Mit Globus hat der Kreis ein bedeutendes Handelsunternehmen. Mit dem Ferienpark am Bostalsee ist ein touristischer Durchbruch gelungen, jetzt haben wir auch den Nationalpark. Wir sind auf einem guten Weg.

Gerade in der Gemeinde Nohfelden, wo Sie diesen Vortrag halten, ist der Tourismus enorm auf dem Vormarsch. Wie sehen Sie diese Entwicklung - und vor allem die fortschreitende Bebauung am Bostalsee?

Klimmt Der Bostalsee ist Anziehungspunkt für den Tages- und mittlerweile auch für den Ferntourismus. Das verändert den Charakter der Landschaft, aber immer noch in einem vertretbaren Umfang, und liefert die notwendige Infrastruktur.

Die Fragen stellte Melanie Mai