"Strandszenen" für das Kombibad Vielleicht Sicherung der Mosaiken des Künstlerduos Mörscher/Grünewald aus dem Stadtbad

"Strandszenen" für das Kombibad Vielleicht Sicherung der Mosaiken des Künstlerduos Mörscher/Grünewald aus dem Stadtbad

Neunkirchen. Einige Fenster am Turm sind bereits eingeworfen, andere mit Brettern vernagelt. Wildkräuter wuchern vor dem gläsernen Halbbogen des alten Stadtbades am Mantes-la-Ville-Platz. Die Turmuhr ist auf 9 Uhr 20 stehen geblieben. Im Innern wird der Verfall noch deutlicher. Hier hat der Zeitanzeiger bereits um 8 Uhr 10 seine Tätigkeit eingestellt

Neunkirchen. Einige Fenster am Turm sind bereits eingeworfen, andere mit Brettern vernagelt. Wildkräuter wuchern vor dem gläsernen Halbbogen des alten Stadtbades am Mantes-la-Ville-Platz. Die Turmuhr ist auf 9 Uhr 20 stehen geblieben. Im Innern wird der Verfall noch deutlicher. Hier hat der Zeitanzeiger bereits um 8 Uhr 10 seine Tätigkeit eingestellt. In allen Räumen wird der Verfall deutlich. Zuversicht strahlen nur die Mosaiken des Künstlerduos der auslaufenden 1950er Jahre, Franz Mörscher und Karlheinz Grünewald, aus. Während die künstlerischen Arbeiten von Franz Schnei in der Eingangshalle im neuen Kombibad eine Renaissance erleben, droht den großflächigen Glasmosaiken des Duos Mörscher/Grünewald im Innern des Bades das Aus.Doch Oberbürgermeister Friedrich Decker sucht mit dem städtischen Gebäudechef Manfred Moser nach Lösungen zur Rettung eines Teiles der Mosaiken. Wie jetzt anlässlich der Schlüsselübergabe von Verwaltungschef Friedrich Decker an die Immobilienmanagement GmbH Erlangen zu erfahren war, sollen die großformatigen Mosaiken als Wandscheiben abgetrennt und mit einem Kran herausgehoben werden. Die Kunstwerke sollen im Außenbereich am Eingang des neuen Kombibades aufgestellt werden. Das Problem: Die Mosaiken zieren tragende Wände. Ihre Sicherung bedeutet einen erhöhten Arbeitsaufwand. In der Schwimmhalle hatte die Arbeitsgemeinschaft Mörscher/Grünewald, damals noch unterstützt von der Künstlerin Helga Mörscher, spätere Hiegel, 1959/60 die Wände gestaltet. Die Kunstwerke stellen Poseidon und Meerjungfrauen dar, zeigen aber auch eine Delfingruppe. Diese beiden Bilder aus der Mythologie und der Natur sind durch einen Fries mit Strandszenen verbunden. Alle Motive sind mit handgezwickten, farbigen Rohglasstücken zusammengesetzt und wert, erhalten zu werden. Der Besuch der vom Abriss bedrohten Kunstwerke fand am Rande der Schlüsselübergabe des Oberbürgermeisters an die Repräsentanten der Immobilienmanagement GmbH, Geschäftsführer Gerd Neitzert und Projektmanager Clemens Dahlem statt. Wie bereits gemeldet, soll an Stelle des Bades bis Oktober abgerissenen Stadtbades eine Geschäftshausanlage errichtet werden. Im Dezember 2008 war zwischen der Kreisstadt Neunkirchen und dem Investor ein Kaufvertrag über das Gelände des alten Stadtbades abgeschlossen worden. Darin verpflichtet sich die IMG, Immobilienmanagement GmbH, zum Abriss des alten Hallenbades zu Kosten in Höhe von 600 000 Euro. Nach vier Monaten Abrisszeit soll in neun Monaten ein Geschäfts- und Dienstleistungshaus "geboren" werden. Decker erhofft sich "durch die Neugestaltung des alten Stadtbadgeländes durch den Investor eine Aufwertung der wohnnahen Infrastruktur."

HintergrundIm Jahre 1961 war das Stadtbad am damaligen Heusnersweiher eingeweiht worden. Architekt J. W. Stockhaus hatte mit seinem Team ein aufsehenerregendes Gebäude errichtet. Ein Hängedach weckte die Aufmerksamkeit der an Architektur Interessierten. Im Januar 2006 musste das Hallenbad wegen gravierender Schäden an eben diesem Hallendach geschlossen werden. Auch die intensiven Bemühungen des Landesdenkmalpflegers, einen Investor für eine Nutzung als Veranstaltungshalle zu finden, scheiterten. gm