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Stimmung erst auf den letzten Drücker

Stimmung erst auf den letzten Drücker

Vor vier Jahren tobten die Fußball-Fans zur Weltmeisterschaft. Bei der Neuauflage halten sie sich öffentlichkeitswirksam zurück. Eher spärlich geht's bei den Partys zu. Zumindest in der hiesigen Kneipenlandschaft.

Stimmung erst auf den letzten Drücker
 Samantha Omlor, Verena und Vanessa Vogel, Carina Bergmann (von links) feiern gemeinsam. Fotos: Faber
Samantha Omlor, Verena und Vanessa Vogel, Carina Bergmann (von links) feiern gemeinsam. Fotos: Faber

Dienstagmorgen 0.40 Uhr in der Kreisstadt. Ein kleiner Fahrzeugkorso dreht hupend seine Runden durch St. Wendels Innenstadt. Deutschland besiegte soeben im Nachsitzen die Algerier mit 2:1 und trifft im Viertelfinale am Freitag auf die Franzosen. Doch von WM-Stimmung, Euphorie und ausgelassener Feierlaune ist vor, während und nach der Partie nichts zu spüren.

Von wegen Rudelgucken

In kleinen Gruppen marschieren die Fußballfreunde zu fortgeschrittener Stunde zum Rudelgucken vor die Leinwände der St. Wendeler Kneipen. "Eine richtige WM-Stimmung kam bisher bei den Spielen der deutschen Mannschaft noch nicht auf", sagt Schankchef Stefan Noß von der 3d-Haus-Sportsbar. Kein Vergleich zum Sommermärchen 2006, wie sich Christoph Schwarz erinnert. "Die Spiele an der Felsenmühle zu erleben, war doch der absolute Wahnsinn. Aber mit der heutigen Jugend ist doch nix mehr los", moniert er. Acht Stunden habe er sich seinerzeit mit Body-Painting auf die Spiele vorbereitet, und dann sei es einfach nur abgegangen. "Da war vom ersten Gruppenspiel bis zum Ausscheiden noch richtig was los."

Ebenfalls vorbei sind die legendären Public-Viewing-Zeiten am Bostalsee, wo sich vor vier Jahren Tausende Menschen zum gemeinsamen Fußballgucken versammelten. So steigt 2014 das Erlebnis nicht mehr im St. Wendeler Land, sondern im Saarlouiser Fandorf. Gut, es soll ja auch Fußballfreunde geben, die nicht die Muse für Menschenmassen haben und deshalb in der Kneipe ihres Vertrauens die WM-Spiele verfolgen.

In der Sportsbar blicken rund 80 Fans gebannt auf die Bildschirme. "Von dem, was die Deutschen bringen, bin ich schon enttäuscht", sagt Jens Witkowski zur Halbzeit. Den Gegner aus Nordafrika hält er für relativ gut. Das Hinfiebern auf den Führungstreffer in der zweiten Hälfte ist vergebens: Es geht in die Verlängerung. "Ich bin auf Halbmast, die Leistung der Deutschen lässt mich hängen", so die Gemütslage von Dirk Kontz.

André Schürrles Tor mit der Hacke sorgt dann für einen Befreiungsschlag. "Wir machen jetzt noch das zweite, dritte Tor", ist Kontz zwei Minuten später schon wieder guter Dinge. Es werde beim 1:0 bleiben, tippt sein Nebenmann Carsten Eckmann. Damit liegt er allerdings nicht richtig, denn Mesut Özil beseitigt mit dem 2:0 alle Zweifel, in der Kneipe wird ausgiebig gejubelt. Schlusspfiff. 2:1 - ein Ehrentreffer noch in der Nachspielzeit für Algerien. Deutschland steht somit im Viertelfinale, nur das zählt. 1 Uhr: Die Hupen sind verstummt, die Bürgersteige in St. Wendel hochgeklappt. Ein völlig normaler Fußballabend ist beendet.