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St. Wendel: Am Bostalsee gibt es eine neue Inklusionsschaukel

6700 Euro Kosten : Neue Inklusionsschaukel am Bostalsee: Wo man mit Rollstuhl die Mobilität trainieren kann

Die neue Inklusionsschaukel am Bostalsee ist das 16. Fitnessgerät dieser Art im Land.

Gefahrlos schaukeln im Rollstuhl. Dafür ist jetzt die erste Inklusionsschaukel im Landkreis St. Wendel am Spielplatz auf der Festwiese am Bostalsee aufgestellt worden. Dunja Fuhrmann fährt mit ihrem Rollstuhl rückwärts auf das Fitnessgerät und macht die Bremse zu. Peter Haffner, Vorsitzender des Vereins Pro Inklusionsschaukel aus Fraulautern, sichert sie mit einem Gurt, damit der Rollstuhl nicht wegrollen kann. Fuhrmann greift nach dem Hebel, um die Auffahrt zu lösen und die Schaukel zu entriegeln. Dann greift Fuhrmann seitlich an die Haltestangen und setzt die Schaukel in Bewegung. Im Prinzip handelt es sich bei der Schaukel um eine Plattform mit einer Rampe, die vor- und zurückschwingt.

„Das Schaukeln ist ein gutes Mobilisationtraining, sagt Uwe Wagner, Vorsitzender des Landesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter Rollstuhlfahrer (BSK). Haffner ergänzt: „Die Inklusionsschaukel ermöglicht es Menschen mit körperlichen Einschränkungen, das Fitnessgerät selbstständig zu bedienen“. Der Verein Pro Inklusionsschaukel setzt sich dafür ein, dass im Saarland derartige Schaukeln aufgestellt werden und hat dafür den Bostalsee als idealen Standort ausgemacht.

„Als der Verein mit der Idee auf uns zukam, waren wir sofort überzeugt“, erklärt der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU). Ob mit oder ohne körperliche Einschränkung, Inklusion bedeutete eben, es jedem Menschen zu ermöglichen, möglichst ohne Hürden zu leben. „Somit ist die Inklusionsschaukel auch dafür ein Symbol“, stellt Recktenwald die Bedeutung des Gerätes an diesem Standort heraus.

Laut Haffner betragen die Anschaffungskosten für die Inklusionsschaukel rund 6700 Euro. Bezuschusst wird sie mit 5000 Euro vom saarländischen Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Den Restbetrag sowie Aufbau und Wartung übernimmt der Landkreis. Mittlerweile ist es das 16. Spiel- und Fitnessgerät, das saarlandweit installiert worden ist. Die Standorte werden in enger Absprache mit den Verwaltungen der Städte, Gemeinden und Institutionen getroffen. Vor der Inbetriebnahme finden ausführliche Gespräche, Begehungen vor Ort mit dem Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung statt.

Die neue Inklusionsschaukel am Bostalsee übernimmt zudem eine Art Denkmalfunktion. Sie ist nach dem 2019 verstorbenen BSK-Mitglied Martin Gürth benannt worden, der 1986 bei einem Unfall beide Beine verlor. Seinen Lebensmut und Tatendrang, so der BSK-Vorsitzende Wagner, habe der gebürtige Schwabe nicht verloren. Er sei sportlich aktiv gewesen und habe sich im BSK engagiert. „Martin Gürth war ein liebenswerter, hilfsbereiter Mensch, der gerne lebte, gerne in Gesellschaft war und jemand, auf den man sich bedingungslos verlassen konnte“, sagt Wagner. Mit ihm habe der BSK Saarland nicht nur ein Mitglied und einen Kontaktstellenleiter, sondern auch einen wunderbaren Menschen verloren. „Daher ist die Inklusionsschaukel nach ihm benannt“, erläutert Wagner.