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SPD im Grünen Kreis wird 90 Jahre jung

SPD im Grünen Kreis wird 90 Jahre jung

Die SPD stellt derzeit in fünf von sieben Kommunen in Merzig-Wadern den Bürgermeister. Dabei hatten es die Sozialdemokraten zu Beginn im Grünen Kreis nicht so einfach. 1877 wurde in Merzig der „Sozialdemokratische Verein“ gegründet.

"Wir feiern 150 Jahre SPD in Deutschland, 110 Jahre SPD im Saarland und 90 Jahre SPD im Grünen Kreis", freut sich Umweltministerin Anke Rehlinger. Dieses Jubiläum nimmt die Partei dieses Jahr nicht zum ersten Mal zum Anlass, an ihre weit zurückreichende Geschichte zu erinnern. "Dieses Jahr gab es bereits unter anderem einen großen Festakt in Leipzig, das Deutschlandfest in Berlin und eine Feier der SPD-Saar in Saarbrücken", fasst Rehlinger zusammen.

"Wir reihen uns nun mit einem eigenen Fest für den Grünen Kreis ein." Statt dem üblichen abendlichen Festakt wählte man jedoch ein anderes Veranstaltungsformat. Rehlinger: "Wir haben uns für eine Matinée diesen Sonntag im Saalbau in Nunkirchen entschieden, zu dem vor allem langjährige und besonders junge Mitglieder eingeladen sind." Gleichzeitig betonte die Kreisvorsitzende jedoch, dass jeder Interessierte zu der Veranstaltung eingeladen sei, allerdings werde um eine Anmeldung gebeten. "Wir wollen vor allem auf die Wurzeln unserer Partei eingehen", führt Rehlinger weiter aus. "Zu diesem Zweck wird auf der Veranstaltung unter anderem eine Talkrunde mit ehemaligen Landtagsabgeordneten geben - unter anderem Hans Kaspar, der auch Minister und Landtagspräsident war, Hans-Georg Stritter, Irmtraud Ingeldinger und Roman Schmit."

Dieser Fokus auf die Historie wird noch unterstrichen durch die von Rudolf Strumm zusammengestellte Chronik "9 Jahrzehnte Sozialdemokratische Partei Deutschlands im Landkreis Merzig-Wadern", die zum Jubiläum herausgegeben und auf der Matinée vorgestellt wird. Der früherere Kreisgeschäftsführer Albert Lang hat daran intensiv mitgearbeitet.

Außerdem stellt die Wanderausstellung "150 Jahre Sozialdemokratie an der Saar" alle wesentlichen Facetten der saarländischen Sozialdemokratie einschließlich der Arbeiterkulturbewegung dar.

Ebenfalls im Programm: Ein Auftritt des Hochwaldknappenchors Konfeld und Jazz mit dem "Sebastian Wust Trio".

Anmeldung zur Matinée bei der SPD-Regionalgeschäftsstelle West, Tel. (0 68 31) 6 03 30, Fax (0 68 31) 6 83 40 oder per E-Mail: kv-merzig-wadern@spd-saar.de.

Als offizielles Gründungsdatum der SPD gilt der 23. Mai 1863: An diesem Tag wurde Ferdinand Lasalle in einer Arbeiterversammlung in Leipzig zum ersten Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) gewählt. 1869 gründeten Wilhelm Liebknecht und August Bebel die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP). Nach anfänglichen Auseinandersetzungen zwischen ADAV und SDAP wurde 1875 auf dem Einigungsparteitag die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) gegründet.

Im Saarland hatten es die Sozialdemokraten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Beginn ihrer Arbeit besonders schwer. Vor allem die nur schwach ausgeprägte industrielle Struktur im Grünen Kreis erschwerte den Start der Sozialdemokraten.

Eine der ersten nachgewiesenen Versammlungen im Saargebiet fand am 4. August 1872 im Saal der Bierbrauerei Gebrüder Baldes in St.Johann statt. Dort wurde eine Resolution zur Bildung von Gewerkschaften verabschiedet. 1876 wurde der erste sozialdemokratische Verein in St. Johann gegründet und zur Reichstagswahl 1877 wurde erstmals im Wahlkreis Saarbrücken ein SPD-Kandidat aufgestellt.

Im selben Jahr wurde auch in Merzig ein Sozialdemokratischer Verein gegründet. Präsident wurde Peter Gottdang, der Mitglied in allen wichtigen Stadtratskommissionen gewesen und dessen Erfahrung immer wieder gefragt war.

Fast zeitgleich schlossen sich die Arbeitgeber des Saarreviers jedoch zum "Komitee zur Bekämpfung der Sozialdemokratie" und verabschiedeten das "Sozialistengesetz der Saarindustrie". Dieses Gesetz erlaubte den Angestellten nicht, sich in irgendeiner Weise sozialdemokratisch zu engagieren, insbesondere nicht an sozialdemokratischen Vereinen und Versammlungen teilzunehmen oder sozialdemokratische Blätter zu besitzen oder zu verteilen. Arbeiter, die in Ausführung dieses Beschlusses entlassen wurden, sollten in keinem anderen Werk Beschäftigung finden.

Ein Jahr später nahm Bismarck zwei Attentate auf den Kaiser, mit denen die Sozialdemokratie nachweislich nichts zu tun hatte, am 19. Oktober 1878 zum Vorwand, um das "Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" im Reichstag beschließen zu lassen. Es verbat zwölf Jahre lang unter anderem sozialdemokratische Zeitungen und Vereine, die "den Umsturz der Staats- und Gesellschaftsordnung bezwecken".

Einen Ortsverein zu entwickeln war unter diesen Umständen unmöglich, es sind heute keinerlei Mitgliederlisten oder Sitzungsprotokolle aus dieser Zeit aufzufinden. Allerdings berichtete der spätere Merziger Bürgermeister Ernst Thiel dem königlichen Landrat: "Die Merziger sind geneigt, sich auf die Seite der Arbeiter zu stellen", was sich vermutlich auch auf die Arbeit der Merziger Sozialdemokraten zurückführen lässt.

1890 gaben die Sozialdemokraten ihrer Partei den Namen "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" (SPD). Bei den Wahlen zum Reichstag 1912 stellte die SPD erstmals die stärkste Reichstagsfraktion.

1919 wurde die erste SPD-Ortsgruppe in Merzig gegründet. In Hitler-Deutschland wurde die SPD verboten, so auch im Grünen Kreis. 1945 wurde die Saar-SPD dann in Völklingen wiederbegründet. Ein Jahr später wurde dann auch die Merziger Ortsgruppe wieder gegründet. Am 23. Oktober 1955 wurde schließlich nach einer Volksabstimmung offiziell die SPD Merzig gegründet. Die SPD des Saarlandes ging 1956 aus der Deutschen Sozialdemokratischen Partei und der Sozialdemokratischen Partei des Saarlandes hervor. Der amtierende Vorsitzende der Landespartei ist Heiko Maas, stellvertretende Vorsitzende sind Charlotte Britz, Cornelia Hoffmann-Bethscheider, Alfons Lauer und Eugen Roth. Generalsekretär ist Reinhold Jost, Schatzmeister Jürgen Barke. Die SPD stellt derzeit in fünf von sieben Kommunen in Merzig-Wadern den Bürgermeister.