Sozialkaufhäuser und Möbelbörse vor dem Aus?

Sozialkaufhäuser und Möbelbörse vor dem Aus?

Die Gemeinde Losheim am See sieht die Sozialkaufhäuser der Losheimer Arbeitsmarktinitiative (LAI) gefährdet, wenn in diesem Jahr das Bundesprogramm „Bürgerarbeit“ sukzessive ausläuft. Dies erklärte Bürgermeister Lothar Christ gegenüber der SZ. Die LAI beschäftigt nach seinen Angaben zurzeit noch 28 Personen im Rahmen der Bürgerarbeit. Haupteinsatzgebiete sind die Möbelbörse und die Sozialkaufhäuser in Losheim, Weiskirchen und Wadern.

Seit dem Jahre 2011 werden in der Gemeinde Losheim am See, so wie anderswo auch, ehemals arbeitslose Personen mit mehreren Vermittlungshemmnissen im Rahmen des Bundesprogramms "Bürgerarbeit" sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ihnen bot sich dadurch die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum eine sinnvolle Beschäftigung auszuüben und so wieder verstärkt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Viele haben sich in den letzten drei Jahren positiv entwickelt, sind durch die Arbeit selbstbewusster geworden. Nach jetzigem Stand werden die ersten Bürgerarbeiter allerdings nach dem 30. April wieder in die Arbeitslosigkeit zurückfallen, denn das Bundesprogramm läuft aus.

Bürgermeister Lothar Christ: "Eine weitere Konsequenz wird sein, dass die Angebote der Möbelbörse und der Sozialkaufhäuser nicht mehr aufrecht erhalten werden können." In den Läden werden gebrauchte und noch gut erhaltene Gegenstände wie Möbel, Kleider, Fahrräder, Haushaltswaren und sonstige Artikel angeboten. Die Kundschaft dieser Läden besteht vorwiegend aus bedürftigen Personen mit geringem Einkommen, viele kommen auch mit Berechtigungsscheinen der Jobcenter. Im Moment ist nach den Worten des Verwaltungschefs keine Alternative nach dem Auslaufen der Bürgerarbeit absehbar. "Von Seiten des Jobcenters Merzig-Wadern sind keine Lösungsansätze bekannt. Als letzte Möglichkeit wäre zum Beispiel der vermehrte Einsatz von Ein-Euro-Jobbern denkbar", heißt es in der Erklärung der Gemeinde. Bürgermeister Christ warnt: "Sollte keine Lösungen gefunden werden, bedeutet das für die 28 Bürgerarbeiter den Weg in die Arbeitslosigkeit, die Existenz der Möbelbörse wäre ab Mai 2014 gefährdet, die Sozialkaufhäuser in Losheim, Weiskirchen und Wadern müssten dann im Laufe des Jahres ihre Angebote stark einschränken oder geschlossen werden." Auswirkungen ergäben sich auch für das Anleitungs- und Betreuungspersonal der LAI. Diese Personen werden bisher über das Landesprogramm ASaar gefördert. Bei Wegfall des betreuten Personenkreises wären auch diese Stellen stark gefährdet.

Die neue saarländische Wirtschafts- und Arbeitsministerin Anke Rehlinger hat sich nach Auskunft der Gemeinde bereits bei Bundesarbeitsministerin Nahles für die Fortsetzung des Programmes Bürgerarbeit eingesetzt. Zudem schlage sie vor, das Saarland zur Modellregion bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit zu machen. Lothar Christ, der auch Vorsitzender der Losheimer Arbeitsmarktinitiative ist, hofft nach eigenem Bekunden, "dass die beteiligten Akteure schnelle und tragfähige Lösungen im Sinne der betroffenen Personen finden und die Sozialkaufhäuser als aktiver Beitrag zur Armutsbekämpfung erhalten bleiben".

Die Geschäftsführerin der LAI, Ruth Staudt, betont die Bedeutung der Möbelbörse und der Sozialkaufhäuser gerade für die einkommensschwächeren Personen. "Unsere Läden werden mittlerweile sehr gut angenommen. Wir liefern günstige Gebrauchsartikel in den gesamten Landkreis Merzig-Wadern und auch in die angrenzenden Regionen. Ohne unsere engagierten Mitarbeiter kann dieses Angebot in Zukunft nicht mehr aufrecht erhalten werden."

Zum Thema:

stichwort Bürgerarbeit ist ein auf drei Jahre angelegtes Bundesprogramm, das auch mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert wurde. Das Programm bot sozialversicherungspflichtige Arbeit für Menschen an, die sonst Hartz IV bezögen, weil sie kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. Seine Laufzeit endet am 31. Dezember 2014. red

Mehr von Saarbrücker Zeitung