So schön war Saarbrücken

Ohne Belehrungen funktioniert dieser Ausflug in Saarbrückens Vergangenheit. Fotos, alte Postkarten, Pläne und Hausakten sprechen für sich. Bis ins nächste Jahr lohnt sich deshalb der Besuch in der Breite 63.

Die Ausstellung "Verschwunden" ist eine herrlich nostalgische Reise in die Vergangenheit Saarbrückens. Im Café und im Veranstaltungssaal der Breite 63 kann man sich bis ins nächste Jahr hinein Fotografien, alte Postkarten, gezeichnete Pläne und Hausakten anschauen, die an verschiedene, längst verschwundene Bauten Saarbrückens erinnern. Das Ganze ist sehr professionell gemacht und kommt ohne schriftliche Erklärungen aus. Die jeweiligen Gebäude oder Orte werden auf Fotografien der Jahrhundertwende vorgestellt, aber es wird auch die Entwicklung der Nachkriegszeit und der 50er und 60er Jahre gezeigt. Abgerundet wird die Präsentation durch aktuelle Aufnahmen. Ein kleiner Stadtplan zeigt, wo die abgebildeten Orte liegen. So können sich die Besucher in der Breite 63 eine Vorstellung davon machen, wie sich die Bebauung der Luisenbrücke gewandelt hat, wo der Volksgarten einst war, wie der Rabbiner-Rülf-Platz früher ausgesehen hat oder wo die Kohle in Saarbrücken verschifft wurde.

"Uns war wichtig, dass die Bürger einen Einblick in die Stadtgeschichte erhalten, ohne belehrende Texttafeln oder Jahreszahlen", erklärt Hans-Martin Derow, künstlerischer Leiter der Breite 63 und Abteilungsleiter des ZBB (Zentrum für Bildung und Beruf in Burbach). Auch Martin Dick vom ZBB ist an der Organisation der Ausstellung beteiligt. "Seit mittlerweile zweieinhalb Jahren arbeiten zehn Teilnehmer von Bürgerarbeitsmaßnahmen in enger Kooperation mit dem Saarbrücker Baudezernat. Dort, im baugeschichtlichen Archiv, werden die Hausakten von ihnen erfasst und bearbeitet. Außerdem verfügt das baugeschichtliche Archiv über eine große Sammlung historischer Fotos. Da ist schon vor über einem Jahr die Idee entstanden, einen Teil der Ergebnisse in einer Ausstellung zu zeigen", erklärt Martin Dick, der für die Bürgerarbeiter zuständig ist.

Die nötige wissenschaftliche Betreuung erhalten die Bürgerarbeiter von Hans Mildenberger, städtischer Denkmalpfleger im Baudezernat. Zusammen ist ihnen eine Ausstellung gelungen, die äußerst sehenswert ist, und an einem besonderen Ort präsentiert wird. "Sobald das Licht angeht, stehen unsere Besucher vor den Fotos und diskutieren. Sie sind einerseits stolz, wie schön die Stadt war und bedauern, dass sie sich so verändert hat", berichtet Hans-Martin Derow. Daher wird auch die Nachbarschaft der Breite 63 in der Ausstellung thematisiert. Neben Fotografien des historischen Getränkepavillons aus Malstatt sind Schilder der alten Saarbrücker Limonadenfabrik "Nebgen Ass" zu sehen.

Höhepunkt der Ausstellung sind die verschiedenen Aufnahmen von "Pabstes Schlösschen" in der Viktoriastraße. Das ehemalige Wohnhaus der Familie Pabst, in dem sich einst das Schlosscafé befunden hat, war reich verziert mit Ecktürmchen, bekrönten Erkern und geschwungenen Giebeln. In der Nachkriegszeit musste es einem gesichtslosen Neubau weichen. Es ist zwar "verschwunden", aber unter anderem auch dank dieser Ausstellung in der Breite 63 wird die Erinnerung daran wachgehalten.

Zum Thema:

Auf einen Blick"Verschwunden" ist eine gemeinsame Fotoausstellung des Zentrums für Bildung und Beruf Saar gGmbH in Burbach und des Baudezernates der Landeshauptstadt Saarbrücken im Bürger- und Kulturzentrum Breite 63, Breite Straße 63 in Saarbrücken. Geöffnet ist sie im Café von Montag bis Freitag, 9 bis 15 Uhr, sowie im Saal und Foyer während der Veranstaltungen. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer (06 81) 41 70 83 5. nba

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