Saarpor steht zum Standort NeunkirchenDrei Fragen an den Chef

Neunkirchen. "Wir haben uns als kleines mittelständisches Unternehmen frühzeitig international aufgestellt." So erklärt Geschäftsführer Ludger Ewers, dass sich Saarpor in einem "gnadenlosen Verdrängungswettbewerb" behaupten kann

 Ausgedehntes Firmengelände: Seit Entstehung dieser Luftaufnahme ist noch eine moderne Lagerhalle hinzugekommen. Foto: SZ/Saarpor

Ausgedehntes Firmengelände: Seit Entstehung dieser Luftaufnahme ist noch eine moderne Lagerhalle hinzugekommen. Foto: SZ/Saarpor

Neunkirchen. "Wir haben uns als kleines mittelständisches Unternehmen frühzeitig international aufgestellt." So erklärt Geschäftsführer Ludger Ewers, dass sich Saarpor in einem "gnadenlosen Verdrängungswettbewerb" behaupten kann. Seine Firma - mit vollem Namen Saarpor Klaus Eckhardt GmbH, Neunkirchen Kunststoffe KG - produziert klassische Heimwerker-Produkte: Dekorationsmaterialien, Deckenplatten und Zierprofile (Marke "Decosa") sowie Material, das zur Hausdämmung, zur Isolierung von Wasser- und Heizungsrohren oder als Unterlage für Parkett und Laminat (Marke "Climapor") verwendet wird. Dazu kommen Formteile für die Verpackung von "weißer Ware", Haushaltsgeräten, Spiegel, Glas und ähnlichem. Weil die Werkel-Saison der Feierabendhandwerker eher im Winterhalbjahr liegt, ist der Absatz von Oktober bis April am stärksten. "Im Sommer stehen die Leute am Schwenker", meint Saarländer Gerhard Czech, Prokurist und Kaufmännischer Leiter bei Saarpor.Baumärkte sind die Hauptabnehmer der Neunkircher Kunststoff-Produkte. Weil dort die Konkurrenz groß ist, spielt die Präsentation der eigenen Produkte eine wesentliche Rolle. Hier gebe man in den letzten Jahren ein aufgeräumtes Bild ab, stellt Ewers fest. Damit die Kunden etwas damit anfangen können, werden die Produkte mehrsprachig, zum Teil in 20 Sprachen, beschrieben. Das wird dann der Tatsache gerecht, dass die Saarpor-Gruppe in Deutschland, Frankreich, Polen und der Türkei produziert sowie in Tschechien, Ungarn und Rumänien Vertriebsniederlassungen hat. Ferner werden die Erzeugnisse in Österreich, Spanien, Portugal, Italien und Russland vermarktet.Trotz seiner internationalen Präsenz kann der mittelständische Betrieb natürlich nicht wie ein multinationaler Konzern arbeiten. "Für uns ist TV-Werbung zu teuer, wir machen klassische PR-Arbeit", erklärt Diplom-Kaufmann Ewers und meint damit unter anderem Beiträge in Fachzeitschriften und informative Broschüren für die Konsumenten. "Unsere Zielsetzung ist relativ einfach", erläutert Ewers: "Das Kerngeschäft absichern und die Palette hier und da ausweiten." Das ist offenbar in den zehn Jahren, in denen er in Neunkirchen an Bord ist, kontinuierlich gelungen. Was auch die Tatsache zeigt, dass sich die Mitarbeiterzahl ständig bei 150 bis 180 Beschäftigten hielt. "Langjährige und verlässliche Mitarbeiter", betont Ewers. Etwa 60 Prozent der derzeit 180-köpfigen Belegschaft kämen aus der engeren Region, die Fluktuation sei gering. Es werde allerdings immer schwieriger, befürchtet Czech, geeignetes Fachpersonal im Raum Neunkirchen zu bekommen. Auch das ein Grund, warum Saarpor verstärkt ausbilde, auch über den Eigenbedarf hinaus. Derzeit sind es sieben Azubis in Neunkirchen.Als Pluspunkt steht für Saarpor zu Buche, dass die Firma ihr Gelände durch den Kauf einer Fläche der früheren Hamba arrondieren konnte. Das machte den Bau einer modernen Lagerhalle möglich, die seit drei, vier Jahren die Verladung der Saarpor-Produkte sehr erleichtert. "Extrudieren und Formschäumen" nennt sich das, was in den Saarpor-Hallen geschieht: Durch Druck und Hitze wird der Kunststoff in die gewünschte Form gebracht. Weil dafür extrem viel Energie benötigt wird (im Produktionsbereich von Saarpor sind die Energiekosten so hoch wie gut die Hälfte der Lohnkosten), brennt der Firmenspitze angesichts explodierender Preise die Frage auf den Nägeln: Wie können wir die Energiekosten erträglicher gestalten? Eine Frage, mit der das Unternehmen auch seinen bisherigen Versorger KEW konfrontiert hat.Das Energiekostenproblem soll aber nicht am Standort Neunkirchen rütteln. Denn der Geschäftsführer ist nach wie vor vom Saarland angetan: "Kurze Wege, schnelle Hilfe, klare Worte". Hier bezieht er auch die Kommunalpolitik ein.Ewers: Es ist hier immer wieder und immer noch gut, aufregend, herausfordernd.Was fällt Ihnen spontan auf die Frage ein: Wo kann man die Neunkircher Infrastruktur noch verbessern?Ewers: Etwas, was uns stört, sind die Gewerbesteuer-Hebesätze. Sie sind nicht vergleichbar mit anderen saarländischen Städten.Eine kleine Prognose oder auch Vision: Wie sehen Sie ihren Betrieb im Jahr 2030?Ewers: Ich hoffe, dass Saarpor dann über weitere Standbeine verfügt, die dazu führen, dass die Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet ist. "Auf dem Energiesektor gibt es zu wenig Wettbewerb."Ludger Ewers

Auf einen BlickIm Neunkircher Industriegebiet Krummeg werden seit fast 40 Jahren Dekorations- und Isolationsprodukte aus Polystyrol und Polyurethan produziert. Das Werk - 1969 als Saarpor-Kunststoffe Wilhelm gegründet - wurde 1971 von der Familie Eckhardt übernommen. Die Saarpor-Gruppe hat derzeit etwa 320 Mitarbeiter, davon 180 in Neunkirchen. Der jährliche Gesamtumsatz liegt bei 55 Millionen Euro. Neben Produktionsstätten in vier Ländern und Vertriebsniederlassungen in weiteren drei europäischen Ländern, zählen auch zwei Schwester-Werke von Saarpor zum Familienunternehmen Eckhardt - sie produzieren unter dem Namen Philippine GmbH in Bochum und Schkopau Dämmstoffe. gth

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