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Saarbrücker Abgeordneter reist ins "Reich des Bösen"

Saarbrücker Abgeordneter reist ins "Reich des Bösen"

Saarbrücken/Pjöngjang. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen - wenn er zurück ist. Das hat Thomas Lutze (Foto: B&B) vor. Dem Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags wird er etwas erzählen, Fachbeamten des Auswärtigen Amtes auch. Schließlich ist Thomas Lutze Bundestagsabgeordner und reist auf Kosten des Steuerzahlers

Saarbrücken/Pjöngjang. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen - wenn er zurück ist. Das hat Thomas Lutze (Foto: B&B) vor. Dem Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags wird er etwas erzählen, Fachbeamten des Auswärtigen Amtes auch. Schließlich ist Thomas Lutze Bundestagsabgeordner und reist auf Kosten des Steuerzahlers. Dass es den Saarbrücker Thomas Lutze, der seit einem Jahr für die Linke im Parlament sitzt, drängt, bereits vor seiner Reise, die er am 14. November antritt, etwas zu erzählen, liegt am Ziel: Thomas Lutze fliegt nach Nordkorea. Nordkorea, da will eigentlich kein Tourist hin. Nordkorea ist nämlich weniger bekannt für seine Gastfreundschaft und seinen Erholungswert. Eher für sein Atomwaffenprogramm und seinen Diktator Kim Jong-Il. Dass Lutze beim Bundestagspräsidenten ausgerechnet eine Reise nach Nordkorea beantragt hat, kann also nicht daran liegen, dass der Saarbrücker Abgeordnete von Vergnügungssucht befallen wäre.Lutze weiß, dass diese Reise heikel ist. Ein Linker, der einem der erklärten Erzfeinde der USA und ihrer Verbündeter seine Aufwartung macht - das klingt nach einer merkwürdigen Mission. Eine Mission, die aber nichts mit Ideologie zu tun und im Kern drei Ziele habe, erklärt Lutze. Ziel eins: Lutze will dem Tourismus den Weg ebnen. Ziel zwei: Der Abgeordnete, der im Verkehrsausschuss des Bundestags sitzt, will sich über das Verkehrssystem in Nordkorea informieren. Ziel drei: "die Erhaltung des Friedens", wie Lutze es formuliert. Darüber will er reden, nicht über Menschenrechte und die Atomwaffen. Es gehe schließlich erstmal darum, "Vertrauen aufzubauen, um auch an die kritischen Punkte ranzukommen". Er könne ja nicht sagen: "Ich komme aus Deutschland und erkläre Euch jetzt, wie die Welt funktioniert."Er reise nach Nordkorea, um zuzuhören, sich zu informieren. Darüber zum Beispiel, "wie ein Land ohne Massenmotorisierung lebt". In Nordkorea habe so gut wie niemand ein Auto, nicht mal ein Fahrrad. Wie können über 24 Millionen Menschen so leben? Das sei eine spannende Frage. Und wie kann der Frieden in der Region stabilisiert werden, wo alleine in Nordkorea rund "eine Million Menschen unter Waffen sind"?, fragt sich Lutze. Mit dem nordkoreanischen Tourismusminister will er - ebenso wie später mit deutschen Behörden - darüber reden, wie Tourismus gefördert werden kann. Denn Tourismus bedeute Öffnung. Also müsse man versuchen, es den Menschen aus dem Westen leichter zu machen, in Nordkorea Urlaub zu machen.Dass zwischen Nord- und Südkorea eine Grenze teilt, an der sich zwei Systeme scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen, bewege ihn, der in Ostdeutschland aufgewachsen ist, besonders, sagt Lutze. Die DDR sei "kaputtgegangen, als die dort wussten, dass sie vom Westen ernst genommen werden", erklärt er. Also als der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß der DDR einen Milliardenkredit vermittelte und DDR-Staatschef Erich Honecker zum Staatsbesuch in Bonn empfangen wurde. Nun will Lutze Nordkorea ernst nehmen. Und davon erzählen, wie es ihm damit ergangen ist - allerdings erst nach seiner Heimkehr, die für den 23. November geplant ist. Von unterwegs wird es wenig Nachrichten geben. Denn am Flughafen von Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang muss er vor der Einreise erstmal sein Handy und seinen Laptop abgeben.