Rechtspartei gewinnt an Einfluss in Lothringen

Rechtspartei gewinnt an Einfluss in Lothringen

Florian Philippot, der neue „Star“ des rechtsextremen Front National, will neuer Bürgermeister der Saarbrücker Nachbarstadt Forbach werden. Im Département Moselle legten die Rechten jüngst zu.

Ende März wählt Forbach einen neuen Bürgermeister. Mit Florian Philippot hat der rechtsextreme Front National (FN) ihren Partei-Vize aufgestellt und rechnet sich Chancen auf den Sieg aus. Mit rund 22 000 Einwohnern ist Forbach beileibe keine Großstadt. Und in anderen Regionen Frankreichs wissen die meisten Menschen nicht einmal, wo sie liegt. Trotzdem gab sich in den letzten Monaten die Polit-Prominenz aus Paris die Ehre: Im Oktober 2013 kündigte Innenminister Manuel Valls von der sozialistischen PS an, Forbach mit zusätzlichen Ordnungskräften auszustatten, im Januar war Jean-François Copé, Vorsitzender der Konservativen UMP, zu Gast in der Grenzstadt. Alle prominenten Besucher waren bemüht, Florian Philippot, der für die FN das Rathaus erobern will, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das wichtige Thema Sicherheit wollen die beiden Volksparteien UMP und PS nicht den Radikalen überlassen. Darum schicken sie zwei Männer, die in den eigenen Reihen als Hardliner in Sachen Sicherheit gelten.

Philippot gilt als brillanter Redner, er sitzt gerne in Talk-Shows und studierte an einer der besten Hochschulen Frankreichs. Ein Kontrastprogramm zu FN-Gründer Jean-Marie Le Pen. "In den vergangenen Jahren bemüht sich der FN um sehr gut ausgebildete Leute, Unternehmer mit Führungsqualität, Beamte des höheren Dienstes. Damit soll die Partei an Glaubwürdigkeit gewinnen und mit dem provokativen Image des Störenfrieds gebrochen werden", erklärt der Politikwissenschaftler Jean-Yves Camus, der in Frankreich als Experte auf dem Gebiet des Rechtsextremismus gilt. In Forbach hat der FN leichtes Spiel und "seine guten Ergebnisse sind weniger mit einer medialen Persönlichkeit wie Philippot verbunden, sondern eher mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lage der Stadt", erläutert Camus, der mit dem Fall Forbach vertraut ist. Zwar bietet der amtierende Bürgermeister Laurent Kalinowski (PS) dem FN die Stirn, aber wie lange? Beim letzten Duell der beiden - bei den Parlamentswahlen 2012 - war Philippot Kalinowski nur knapp unterlegen.

Forbach, die viertgrößte Stadt Lothringens, kennt massive Sicherheitsprobleme. Fast 15 Prozent der Menschen sind arbeitslos. Außerdem führt die multikulturelle Struktur der Bevölkerung immer wieder zu Spannungen. Im goldenen Zeitalter des Bergbaus waren die vielen Migranten aus Südeuropa und Nordafrika willkommene Arbeitskräfte in der Region. Jetzt wo die Jobs knapp sind, sieht es für deren Nachkommen anders aus. Ein fruchtbarer Nährboden für nationalistische Töne und gute Voraussetzungen für Rechtsextreme ist entstanden.

Aber nicht nur in Forbach stehen die FN-Kandidaten in den Startlöchern. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Ifop für die Zeitung "Journal du dimanche" im Oktober 2013, die auf den Ergebnissen von Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2012 basiert, darf sich die Partei auf vier Ämter in Lothringen Hoffnung machen. In Amnéville, Freyming-Merlebach, Stiring-Wendel und Dombasle-sur-Meurthe (bei Nancy) stehen die Chancen gut, dass die FN beim ersten Wahlgang am 23. März vorne liegt. Wenn den anderen Parteien keine Allianz gelingt, würde die FN bei der Stichwahl eine Woche später mehrere Siege einheimsen.

Dabei weisen die Wähler ein widersprüchliches Verhalten auf: Obwohl sie als Grenzbewohner am meisten von den Vorzügen der Freizügigkeit profitieren, konnte der EU-feindliche FN zulegen. "Der Erfolg im Nachbarland konfrontiert die Menschen mit dem Niedergang ihrer eigenen Region", begründet Camus diesen Trend.

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Auf einen BlickFlorian Philippot (32) ist Absolvent der Elite-Verwaltungshochschule ENA. Zu Beginn seiner politischen Tätigkeiten unterstützte er die Partei "Bürgerbewegung" von Jean-Pierre Chevènement (Sozialdemokrat) im Kampf gegen die europäische Verfassung (2005). 2011 trat er dem FN bei, seit 2012 ist er stellvertretender Parteivorsitzender. hem

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