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Pfingstkirmes in Mosberg-Richweiler einmal anders

In Corona-Zeiten : Jeder für sich und doch gemeinsam

In Mosberg-Richweiler feierten die Bürger mit Corona-Beschränkungen ihre Pfingstkirmes mal ganz anders.

In Corona-Zeiten ist vieles anders und manches eigentlich unmöglich. So auch die Pfingstkirmes in Mosberg-Richweiler. Aber damit wollte sich der stellvertretende Ortsvorsteher Oliver Klein nicht abfinden. Er hat den Ortsrat und die Kirmesorganisatoren von seiner Idee überzeugt, die Kirmes doch zu feiern – und zwar jeder für sich zu Hause und doch gemeinsam. „Was wir gemeinsam machen, machen wir zusammen. Lasst uns Kirmes feiern, nur anders“, rief er die Dommerschbacher auf. Als Zeichen der Solidarität und des gemeinsamen Feierns sollten die, die mitmachen wollen, drei  Luftballons von Samstag bis Montag vor die Haustür hängen. Und in der Tat: Viele Häuser im Dorf waren bereits am Samstagabend mit Ballons geschmückt. Je nach Straße sogar fast jedes Haus, zumindest aber jedes zweite oder dritte. „Wir haben eine Whats-App-Gruppe gegründet und da haben wir rund 80 Mitglieder“, erläutert Klein. „Das dürften dann so 30 bis 40 Haushalte sein, die mitmachen“, schätzte er die Beteiligung.

Bei Familie Wendel war nicht nur die Terrasse vorbildlich geschmückt – vielmehr wurde auch professionell gegrillt und die Kirmes im familiären Umfeld gefeiert. „Was wir gemeinsam machen, machen wir zusammen“. Foto: Ralf Mohr

Los ging es pünktlich um 19 Uhr am Samstag. Aus vielen Gärten und von den Balkonen und Terrassen her erklang das Steigerlied. Dazu waren die Mosberg-Richweiler im Programm aufgefordert worden. Dabei zeigten die Kirmesbegeisterten viel Kreativität. So erklangen Trompeten und Akkordeons und andere Instrumente. Handgemachte Musik zu handgemachten Frikadellen. Denn das traditionelle Grillen mit Hackfleischkreationen und Bratwürsten war der nächste Programmpunkt, zu dem die Leute nicht lange gebeten werden mussten. Von überall her duftete es nach Holzkohle und Grillgut.

Bei Lisa, Manuel und Henry Wendel im Garten wurde sogar mit zwei Grills gleichzeitig gearbeitet. Zuvor hatte Lisa schon mit der Trompete das Steigerlied intoniert, dann wurde auf der Gartenterrasse gefeiert. Dort hingen sogar mehr als die verlangten drei Luftballons.  „Das ist viel besser als gar nix zu machen und viel besser, als drinnen am Fernseher zu hocken“, kommentiert Lisa Wendel die neue Art des Kirmesfeierns. „Wem is die Kerb? Uuus!“ schallte es dann auch gleich von der Terrasse. Somit war klar: In Mosberg-Richweiler wurde die Pfingstkirmes trotz oder gerade wegen Corona gefeiert.

Traditionell gibt der Ortsvorsteher an der Kirmes ein Dreißig-Liter-Fässchen Bier aus. Da dies aber dieses Jahr ausfallen musste, hat sich Orts-Chef Alfred Kaufmann ganz kurzfristig dazu entschlossen, Flaschenbier an die „Kerwebuwe und -mäd“ auszugeben. Dazu hat er vor seinem Anwesen Felder mit 1,5 Meter Abstand abgeklebt und ein Schild mit dem Hinweis „Abstand halten“ aufgestellt. Die erste Frage, die jeden erreichte, der sich dort zum Bierabholen einfand: „Bit oder Ur-Pils?“ Dann wurde das gewünschte Bier geöffnet und mit Abstand gefeiert.

Das Programm der nächsten Tage wurde auch ordnungsgemäß eingehalten, wie Olli Klein berichtet. Am Samstagabend schallte das Lied „Ode an die Freude“ durch den Ort, danach war Houseparty privat angesagt. „Es war weit weniger laut als erwartet“, kommentierte Klein. Dafür war der Frühschoppen am Montag privat zu Hause der Renner: „In unserer Whats-App-Gruppe wurden zahlreich Bilder gepostet“, freute sich Klein. „Ich war auch selber überrascht, bei wie vielen Mosbergern es heute Gefüllte mit Sauerkraut gab“, konstatierte er, wie stark die Empfehlung des Kirmeskomitees angenommen wurde.

Pünktlich mit Erscheinen der neuen Hygieneregel der Landesregierung zog die Straußjugend entgegen ihrem Motto „Wir feiern zu Hause drei Tage ohne Pause“ doch noch zu zehnt durch den Ort. „Für mich war es toll zu sehen, wie viele an diesem Projekt teilgenommen haben. Es wurde sehr viel kommuniziert, Bilder und Situationen wurden in den sozialen Netzwerken geteilt – und das von Jung bis Alt“, zog Klein ein Fazit. „Die Leute haben mitgemacht und waren begeistert. Mosberg hat seine Kirmes gefeiert, zwar etwas anders, aber doch irgendwie alle zusammen.“