Pazifikrauschen statt Knallerei

Santiago de Chile. Ich hatte mit drei Mitbewohnern beschlossen, Silvester nicht in einer der größeren Städte zu feiern. Wir wollten einmal etwas ganz Anderes erleben, wobei eins klar war: Am Meer sollte es auf jeden Fall sein. Also fuhren wir am 31

 Zu Silvester fuhr Sara Krier mit drei Freunden in das Fischerdorf Los Molles. Bei der Gelegenheit besuchte ein Naturreservat und war beeindruckt von den Kakteen und Büschen. Foto: privat

Zu Silvester fuhr Sara Krier mit drei Freunden in das Fischerdorf Los Molles. Bei der Gelegenheit besuchte ein Naturreservat und war beeindruckt von den Kakteen und Büschen. Foto: privat

Santiago de Chile. Ich hatte mit drei Mitbewohnern beschlossen, Silvester nicht in einer der größeren Städte zu feiern. Wir wollten einmal etwas ganz Anderes erleben, wobei eins klar war: Am Meer sollte es auf jeden Fall sein. Also fuhren wir am 31. nach der Arbeit (Ja, ich habe den halben Tag noch gearbeitet!) mit dem Bus in das drei Stunden entfernte Fischerdorf Los Molles im Norden von Chile. Es ist ein sehr ruhiges, kleines Örtchen mit ein paar Ferienwohnungen und einer kleinen Insel voller Seelöwen. Nachdem wir eine Unterkunft gefunden hatten, haben wir noch ein bisschen die Gegend erkundet. Das Dorf war wirklich wunderschön, aber noch faszinierender war die chilenische Halbwüste mit ihren steilen Felsenküsten. Als wir abends gegessen haben, habe ich schon SMS aus Deutschland bekommen. Bei uns war es 20 Uhr und in Deutschland hatte das neue Jahr schon begonnen. Das war sehr komisch, und ich muss gestehen, dass ich in diesem Moment auch etwas Heimweh bekam, denn ich hatte die letzten Silvester immer mit Freunden oder der Familie verbracht. Später sind wir an den Strand gegangen, um dort das neue Jahr zu feiern. In Chile ist es üblich, dass es nur in den größeren Städten ein Feuerwerk gibt, das dann auch nur von der Stadt organisiert wird, denn Feuerwerkskörper gibt es nirgends zu kaufen. Folglich war das Erste, was ich 2011 zu hören bekam, bloß das Rauschen des Pazifiks und die Jubelschreie der anderen Dorfbewohner. 2010 war für mich schon ein sehr bewegendes Jahr: Führerschein, Abitur, mein Freiwilligendienst in Chile, aber ich weiß, 2011 wird mindestens genauso aufregend werden. Die Nacht haben wir dann noch etwas gefeiert und ein paar Freunde angerufen. Aber es war sicher das ruhigste Silvester, das ich bis jetzt gefeiert habe.Am nächsten Tag haben wir außer unserem Ausflug an den Strand noch das Naturreservat "Puquen" besucht. Dieses Reservat war wirklich das Schönste, was ich bisher in Chile an Natur gesehen habe. Die Landschaft bestand größtenteils aus Kakteen und Büschen, die Küste war von Felsen und Steilhängen geprägt. Wenn man die Felsen hinab stieg, kam man zu Höhlen, die teilweise auch unter Wasser verliefen. Ich verfluchte mich dafür, meine Tauchausrüstung nicht mitgenommen zu haben. Es tat wirklich sehr gut, nach dieser langen Zeit in der Großstadt mal wieder richtig in die Natur zu kommen. Nach diesem Mittag im Reservat mussten wir leider wieder nach Hause. Die Leute sagten uns, dass man sich hier einfach an die Autobahn stellt und wartet, bis ein Bus vorbei fährt. Das taten wir dann auch. Ein einziger Bus fuhr vorbei, hielt aber nicht an. Um doch noch nach Hause zu kommen, blieb uns also nichts anderes übrig, als per Anhalter zu fahren. Nach fast einer Stunde hielt ein Mann mit einem weißen Pick-Up an. Das Gepäck luden wir auf die Ladefläche und stiegen ein. Der Fahrer hieß Sebastián und war 26. Er hatte seine Eltern im Norden besucht und war auf dem Heimweg nach Rancagua (etwa eine Stunde südlich von Santiago). Er nahm uns die kompletten 180 Kilometer bis Santiago mit, die Gespräche mit ihm waren fantastisch und er wollte noch nicht einmal etwas dafür haben. Bevor wir ausstiegen, haben wir noch Nummern ausgetauscht und wurden von ihm in sein Haus eingeladen. Wenn ich nach Rancagua komme, werde ich ihn auf jeden Fall besuchen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort