Orange hat die Trends überlebt

Vieles kommt wieder. Das Orange der 70er Jahren ist auch heute wieder bei Schmidt Küchen zu finden. Die Enkelin des Firmengründers, Caroline Leitzgen, wirft zum 80. Geburtstag einen Blick auf die Entwicklung der Küchen-Mode.

Anne ist grell-orange. Das Buffet stammt aus den 70er-Jahren. Buffets sind längst aus der Mode - bis in die 70er-Jahre hat Schmidt nur solche Schrankwände hergestellt. Sie haben hochmodernen Einbauküchen Platz gemacht. Aber Orange ist auch heute noch in Mode. Zum 80. Geburtstag des Unternehmens Schmidt Küchen in Türkismühle schwelgt Caroline Leitzgen, die Enkelin des Firmengründers und heute Prokuristin in Türkismühle, ein wenig in Erinnerungen. Wie haben sich die Küchen entwickelt? Welchen Trend gibt es bei den Farben?

"Farblich haben wir uns immer an der Auto-Branche orientiert", sagt Leitzgen. Die Marktforschung habe ergeben, dass die Farben, die bei Autos in sind, auch in der Küche gern gesehen werden. Mit einer Ausnahme: Weiße Autos waren eine ganze Weile gegen Ende des Jahrtausends weg vom Fenster. Anders auf dem Küchenmarkt, wie Leitzgen erzählt: "Weiß geht nie aus der Mode." Mal schneeweiß, mal wollweiß, mal mit anderen Farben kombiniert. Weiß ist der Dauerbrenner unter den Küchen-Farben. Übrigens: Schmidt habe die größte Farb-Auswahl aller europäischen Küchenhersteller. Auch nicht so ganz auf die Autobranche zu übertragen ist der Trend Holztöne. Heute bevorzugten die Kunden helle Holztöne. Das war in den 80er Jahren noch ganz anders. Da war Eiche rustikal, Leitzgen sagt "Eiche brutal", angesagt.

Die 80er-Jahre seien sowieso ein Wendepunkt gewesen. Neue Technologien, neue Maschinen, ein neues Küchen-Innenleben. In einer Küche steckten rund 1800 Einzelteile. Und die Innenleben seien in den 80er Jahren plötzlich viel variabler geworden. Da war ein Schrank nicht einfach nur ein Schrank. Hier noch ein Ablagefach, dort ein Regal. Auch auf die Geräte werde seitdem mehr Wert gelegt. Hatte eine Preisliste 1979 noch 28 Seiten, so sind es heute 800. Weil es so viele Kombinationsmöglichkeiten gibt. "Mehr als eine Million", sagt Leitzgen.

Jede Küche sei individuell angefertigt, sei heute also mehr als ein Mittel zum Zweck - vielmehr drücke jeder Kunde mit seiner Küche seine Persönlichkeit aus. Lifestyle sei angesagt. Schließlich habe eine Studie gezeigt, dass die Küche der zweitwichtigste Raum der Deutschen sei. Bei den Italienern landet die Küche übrigens auf dem ersten Platz. Auch die Preise haben sich geändert. Habe man früher nicht so viel für eine Küche ausgegeben, sei es heute ein Kleinwagen. Zwischen 6000 und 14 000 Euro koste eine Standard-Küche bei Schmidt. Dazu Leitzgen: "Aber nach oben sind keine Grenzen gesetzt." Denn jedes Teil werde einzeln auf Maß gefertigt, was übrigens ein Lager erübrigt.

Alle vier Schmidt-Werke sind komplett voneinander abhängig. Denn nirgends werde eine Küche komplett gefertigt. Überall nur einzelne Teile. So sind es in Türkismühle die Langteile, die für die gesamte Gruppe gefertigt werden. Außerdem kommen im Saarland alle Teile aus Frankreich an: Sie werden dann dort zusammengesetzt.

schmidt-kuechen.de

Hubert Schmidt war 27 Jahre alt, als er 1934 den Grundstein für Schmidt Küchen legte. Damals hatte sich der Saarländer noch auf den Bau individueller Häuser spezialisiert. "Es war eine größere Schreinerei", erinnert sich seine Enkelin Caroline Leitzgen. Und sie erklärt: "Es gibt wohl kaum ein Unternehmen, das so sehr die saarländische Geschichte widerspiegelt."

Nach Kriegsende fand das Saarland seinen Neuanfang als französisches Protektorat. Mit der Wiederangliederung an Deutschland startete auch Schmidt neu - mit der Fertigung von Küchenbuffets. Doch Schmidt war durch die Zugehörigkeit des Saarlandes zu Deutschland von seiner nun größtenteils französischen Kundschaft durch eine Grenze getrennt. Um Zölle zu umgehen, verlagerte er seinen Haupt-Produktionsstandort nach Lièpvre ins Elsass, den er später seiner Tochter Antonia vermachte. Die Werke in Türkismühle und Köln gingen an die beiden anderen Töchter. 1967 heiratete Antonia Karl Leitzgen. Sie führten den Betrieb fort. 1983 firmierte das Unternehmen unter der deutsch-französischen Salm-Gruppe (Société Alsacienne des Meubles). 1988 übernahm die frühere Tochterfirma Salm das Stammunternehmen im Saarland, um von dort aus den deutschen Markt aufzurollen. Es folgten 1989 der Beginn der Markenpolitik ,,Schmidt", 1992 wurde die Zweitmarke ,,Cuisinella" ins Leben gerufen. 1995 starb Karl Leitzgen. Nun übernahm seine Frau Antonia als Aufsichtsratsvorsitzende mit einem Geschäftsführer die Leitung. In der dritten Generation sind nun die Kinder von Karl und Antonia Leitzgen am Ruder. Seit 2006 führt Tochter Anne Leitzgen das Unternehmen. Ihre Schwester Caroline Leitzgen lenkt am Stammsitz in Türkismühle das Marketing im wachsenden Deutschlandgeschäft.

2007 wurde Schmidt der fünftgrößte Küchenhersteller Europas, in Frankreich sogar die Nummer eins der Branche. Lag der Umsatz 1997 noch bei 112 Millionen Euro, steigerte er sich bis 2013 auf 399 Millionen Euro. Schmidt Küchen ist aktuell in 27 Ländern vertreten.

Insgesamt 722 Arbeitnehmer wurden 1997 beschäftigt, 15 Jahre später hat sich diese Zahl mit 1393 fast verdoppelt. 150 arbeiten in Türkismühle, wo die Langteile für alle Küchen gefertigt werden. Täglich verlassen mehr als 3400 Möbelelemente die Werke der Unternehmensgruppe, dies entspricht rund 600 Küchen oder Badezimmern.

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Auf einen BlickVolksfestcharakter soll beim Tag der offenen Tür anlässlich des 80. Geburtstages von Schmidt Küchen am Samstag, 24. Mai, 9.30 bis 17 Uhr, auf dem Firmengelände in Türkismühle zu spüren sein. Das kündigt Prokuristin Caroline Leitzgen an. Von 9.30 bis 13 Uhr sind Werksbesichtigungen möglich. Auftreten werden unter anderem Dr. Musikus und Zauberer Markus Lenzen. Es gibt Show-Kochen mit QVC-Koch Horst Adams, Gewürz- und Dipverkostung, Kinderaktionen und eine Tombola. Gemüseschnitzer Maitre Nicolas zeigt seine Kunst. Der Erlös der Kuchentheke geht an die SOS-Kinderdörfer. him

Küche heute: das Modell Loft, die Farben Arizona mit Cacao kombiniert. Fotos: Schmidt Küchen
Christine war ein Buffet aus dem Jahr 1973.
Die Küche Arcos stammt aus den 90er-Jahren.
CarolineLeitzgen
Eine typische Küche aus den 80er-Jahren.
Er packte stets mit an: Firmengründer Hubert Schmidt (rechts) bei der Arbeit im Werk in Türkismühle.
Das ist Heidi – das erste in Türkismühle produzierte Buffet, das ab 1959 gefertigt wurde.

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HintergrundSchmidt-Küchen gehört zur deutsch-französischen Salm-Gruppe. Für das Wirtschaftsjahr 2013 meldet das Unternehmen einen Umsatzzuwachs von 2,6 Prozent auf 398,4 Millionen Euro. Davon seien 238,8 Millionen Euro auf den Export in 24 Länder zurückzuführen. Mit seiner Jahresproduktion von 180 000 Küchen stehe der französische Marktführer aktuell auf Platz fünf im europäischen Ranking der Küchenhersteller. Derzeit seien 438 Vertragshändler unter der Marke Schmidt sowie 233 unter der Zweitmarke "Cuisinella" ausschließlich in Frankreich dem Unternehmen angeschlossen. Zum Jubiläum des Gründungsjahres rückt nach Unternehmensangaben der deutsche Markt in den Mittelpunkt. Die Anzahl der Schmidt-Partnerhäuser auf Franchise-Basis hierzulande soll von 46 auf 50 steigen. red