Noch einmal auf den Thron?

Als Tischtennis-Spieler hat Jörgen Persson in seiner langen Karriere so ziemlich alles erreicht. Doch auch im zarten Alter von 47 Jahren hat er noch nicht genug. Am Samstag startet der Schwede in St. Wendel.

Jörgen Persson sitzt gemütlich am Frühstückstisch des Hotels Leonardo in Völklingen, trinkt einen Kaffee und liest in der Saarbrücker Zeitung die neuesten Sportnachrichten. Der schwedische Tischtennis-Weltmeister von 1991, der einer der Stars des "Energis-Masters" im St. Wendeler Sportzentrum ist, interessiert sich nicht nur für seinen Tischtennissport. "Das sieht ja im Moment nicht gut aus für den 1. FC Saarbrücken", ist sein erster Satz, während er auf die Drittliga-Tabelle zeigt.

Nach einem kurzen Ausflug in die regionale Sportwelt beginnt er, von sich zu erzählen, von seiner langen Karriere. Unglaubliche 30 Jahre hat diese gedauert. Mit 17 Jahren gab der Schwede 1983 sein Debüt in der Nationalmannschaft. Vor einem Jahr bestritt er sein letztes Spiel in der chinesischen Superliga. Während dieser Zeit hat Persson fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. 1991 den Weltmeistertitel, 1986 den Europameistertitel, viermal die Mannschaftsweltmeisterschaft, dazu zahlreiche schwedische Meistertitel und Pro-Tour-Turniere. 2008 wurde er in Peking im Alter von 42 Jahren bei seinen sechsten Olympischen Spielen sensationell Vierter.

Erfolgreicher als Ibrahimovic

Als er beim Fotoshooting während des Frühstücks in einem in der Nähe stehenden Thronsessel posiert, erinnert der smarte Schwede ein wenig an seinen exzentrischen Landsmann Zlatan Ibrahimovic. Der Fußballprofi ließ sich vor kurzem als König mit Krone auf einem ähnlichen Sessel fotografieren. Auf den Vergleich angesprochen, erwidert der sonst eher zurückhaltende Persson lächelnd: "Ich habe in meiner Karriere viel mehr gewonnen als Ibrahimovic."

Nach den 30 Jahren Leistungssport wirkt der 1,86 große Rekord-Olympionike trotz seiner 47 Jahren topfit. Wie schafft er das in einem Sport, in dem heute schon viele junge Spieler mit Rückenproblemen zu kämpfen haben? "Auf meine Ernährung achte ich eigentlich gar nicht", sagt er und beißt genüsslich in sein dick mit Butter bestrichenes Wurstbrötchen, als wolle er seiner Aussage noch ein wenig Nachdruck verleihen.

Doch Persson arbeitet nach wie vor viel, um seinen Körper in Form zu halten. Immer noch spielt er mehrere Tage pro Woche Tischtennis, ob als Sparringspartner des schwedischen Nationalteams oder in China. "Wenn ich zuhause in Halmstad bin, mache ich immer noch ein Fitnesstraining in einer kleinen Gruppe von Freunden", erzählt er. Neben dem Training versucht er aber auch, das Leben nach dem Ende seiner aktiven Karriere zu genießen.

Golfen als neue Leidenschaft

Dazu trifft er sich in seiner Freizeit gerne mit Freunden auf dem Golfplatz. "Der Ball ist genauso groß wie im Tischtennis, da muss ich mich nicht so viel umstellen", erklärt er seine neue Leidenschaft. Außerdem genießt Persson es, beim Golfen an der frischen Luft zu sein. Denn während seiner ganzen Karriere musste er mit den modrigen Sporthallen dieser Welt Vorlieb nehmen.

An die frische Luft zog es die ehemalige Nummer eins der Welt auch gestern Nachmittag. "Ich spaziere ein bisschen durch die Saarbrücker Innenstadt und trinke irgendwo einen Kaffee", verrät er. Schließlich kennt sich Persson in der Landeshauptstadt aus. In der Saison 1991/92 spielte der in Halmstad geborene Blondschopf für den ATSV Saarbrücken. Außerdem ist er zum siebten Mal beim "Energis-Masters" dabei, das bis vor drei Jahren ebenfalls in Saarbrücken ausgetragen wurde. 2005 und 2007 gewann er das Turnier.

In diesem Jahr ist er in der Gruppe mit Topfavorit Dimitrij Ovtcharov nur Außenseiter. "Es ist mein erstes Turnier seit den schwedischen Meisterschaften im vergangenen März", gesteht Persson. Dennoch hofft er, dass er mit den Jungen einigermaßen mithalten kann. "Mal sehen, was noch geht", sagt er.

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Auf einen Blick Das Energis-Masters beginnt an diesem Samstag um 11.30 Uhr im Sportzentrum St. Wendel, das Finale ist für 17 Uhr geplant. Dimitrij Ovtcharov, Chen Weixing und Jakub Dyjas, Xi Wang und Jörgen Persson. Patrick Baum, Werner Schlager sowie Kyrill Skachkov, i treffen Steffen Fetzner, Jan-Ove Waldner sowie Zoran Primorac aufeinander.Entgegen der Ankündigung des Veranstalters wird das Masters nicht von Waldemar Hartmann moderiert. Auch der Besuch von Felix Magath fällt aus.red

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