Nikolaus war zu Gast im Kindergarten in Neunkirchen/Nahe

Kostenpflichtiger Inhalt: Heiliger zu Gast : An diesem Nikolaus ist alles echt – sogar der Bart

Seit drei Jahrzehnten kommt Arnold Orth in den Kindergarten nach Neunkirchen/Nahe. Dort wird er erst zum heiligen Mann.

Der Bart ist echt. Und auch ansonsten hält Arnold Orth nichts von Schummelei. Jahr für Jahr um diese Zeit kommt er in den katholischen Kindergarten nach Neunkirchen/Nahe, um die Kinder mit der Geschichte des Bischofs von Myra vertraut zu machen und sie zu beschenken – und das nun schon seit drei Jahrzehnten. Aber er bleibt dabei er selbst. Im weißen Hemd steht er vor den etwa 60 Jungs und Mädels, die sich im Foyer versammelt haben. Mit dem grauen Bart sieht er schon ein bisschen aus wie der Nikolaus. Aber er ist es eben nicht; auch wenn die Kinderschar singt: „Sei gegrüßt, lieber Nikolaus.“

„Der echte Nikolaus ist schon lange tot“, bleibt Orth bei der Wahrheit. „Und er hat auch nicht in Neunkirchen/Nahe gewohnt“, versucht der 63-Jährige, den Kindern, die es sich auf dem Boden bequem gemacht haben, zu erklären, warum er nun denn nicht im festlichen Gewand da steht, mit der Mitra auf dem Kopf und dem Stab in der Hand. Aber wo hat er denn gelebt, wollte Orth weiter wissen? Ein Junge ist sich ziemlich sicher, er ruft in die Runde: „Der wohnt in einem gelben Haus.“  Ein anderes Kind weiß sogar, woher der Nikolaus stammt: „Aus Myra“.

Damit die Kinder sich aber vorstellen können, wie der Nikolaus ausgesehen hat, schlüpft Orth vor den Augen der neugierigen Kinder zunächst in ein langes, weißes Hemd, dann in seinen gold-roten Umhang; auch Mitra und Stab hat er dabei. Jetzt sieht er aus wie der Nikolaus. Aber er ist es nicht. „Der auf dem Tholeyer Weihnachtsmarkt ist der echte“, weiß ein kleiner Junge. Orth schmunzelt.

Die Kinder sind es dann, die die Geschichte vom Nikolaus spielen. Seit St. Martin beschäftigen sie sich damit, erzählt Kindergarten-Leiterin Marina Müller. Sie war übrigens schon dabei, als Orth das allererste Mal zu Besuch kam. Damals als Kindergartenkind.

„Ich war zu der Zeit Pastoralreferent im Dekanat Obere Nahe, als man mich fragte, ob ich nicht den Nikolaus spielen könne“, erzählt Orth von den Anfängen. Er habe das während seines Theologiestudiums gar gelernt. Damals habe es eine Aktion in Trier gegeben: „Man konnte einen Nikolaus bestellen.“ Dafür habe es sogar eine Einweisung gegeben. Orth erinnert sich: „Man sollte die Kinder nicht strafen und viel loben.“ Damals hatte er schon seinen Bart, er sei aber, anders als heute,  verkleidet zu den Kindern gegangen.

Als er in Neunkirchen/Nahe der Nikolaus sein sollte, stellte er eine Bedingung: „Nur, wenn ich vor den Augen der Kinder das Gewand anziehen kann.“  Die Kindergartenleitung stimmte zu. Und war damit für ein Novum verantwortlich: „Wir waren weit und breit die Ersten, die das so machten“, sagt Orth. Dem Geheimnisvollen tue das keinen Abbruch. „Wer daran glaubt, dem wird nichts genommen“, weiß Orth aus Erfahrung. Für ihn sei einfach wichtig, dass er den Kindern nichts vormache und dass sie keine Angst vor ihm haben. Und Müller bestätigt: „Für die Kinder ist er der Nikolaus.“

Da fällt dem 63-Jährigen aus Niederkirchen, der beim Dekanat St. Wendel arbeitet, eine Begebenheit vom vergangenen Jahr ein. Damals durften die Kinder Tag für Tag in ein Säckchen mit Nüssen greifen.  Wer die eine goldene Nuss griff, war an diesem Tag dran, sich etwas auszusuchen. Aus Spaß durfte auch Orth ins Säckchen greifen. Und prompt erwischte er die goldene Nuss. Für die Kinder war das völlig normal: „Logisch, er ist ja der Nikolaus“, hieß es aus der Runde.

Auf dem Boden haben es sich die Kinder gemütlich gemacht. Sie erwarten den Nikolaus. Foto: Melanie Mai
Jeweils einen Korb mit Süßigkeiten und Obst gibt der Nikolaus in alle Gruppen. . Foto: Melanie Mai
Vor den Augen der Kinder zieht Arnold Orth seine Nikolaus-Robe an. Foto: Melanie Mai

Und auch am Donnerstagvormittag in Neunkirchen/Nahe akzeptieren die Kleinen den Mann mit dem grau-weißen Bart als Nikolaus. Da gibt es keinen Zweifel. Auch wenn er junge Konkurrenz im Kindergarten hat.  Bob war ebenfalls als Nikolaus verkleidet; er spielte ihn in der Geschichte. Und ein anderes Kind beruhigt den großen Nikolaus: „Du brauchst keine Angst zu haben, das ist nur der Bob.“ Orth hat keine Angst. Im Gegenteil. Nachdem er jeder Gruppe einen Korb mit Süßigkeiten überreicht hat, geht er von Raum zu Raum und ist ein Nikolaus zum Anfassen. Mit Kostüm und echtem Bart.