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Neujahrsempfang des St. Wendeler VdK-Kreisverbandes im Seehotel Bosen

Lobby für Menschen ohne Lobby : „Wir brauchen einen starken VdK“

Zahlreiche Mitglieder fanden anlässlich des Neujahrsempfangs den Weg nach Bosen. Gast war die stellvertretende Ministerpräsidentin.

Als Schirmherrin und Gastrednerin des Neujahrsempfangs des St. Wendeler VdK-Kreisverbandes im Victors Seehotel Weingärtner in Bosen hat die saarländische Wirtschaftsministerin und SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger Stellung zu brennenden sozialpolitischen Themen bezogen. Zuvor hatte die Kreisvorsitzende des Sozialverbands, Gerlinde Koletzki-Rau, ihren Finger in verschiedene sozialpolitische Wunden gelegt. Insbesondere die Verrohung der Sitten in Zeiten der sozialen Netzwerke und Medien sei nicht mehr länger hinnehmbar: „Das dürfen wir nicht dulden. Die Gerichte tun inzwischen schon so, als dürfe eine Person, die im öffentlichen Leben steht, nicht so zimperlich sein und müsse Fäkaliensprache und Denunzierungen auch mal ertragen können. Dies ist unter keinen Umständen mit den Werten des Sozialverband VdK vereinbar“, unterstrich die St. Wendeler Kreisvorsitzende.

„Verstehen die Politiker die gegenwärtigen Sorgen der Menschen überhaupt, und sind diese Politiker, die sich ausgiebig mit ihren Eitelkeiten befassen und die offenbar die Bodenhaftung verloren haben, überhaupt in der Lage, die Folgen für die Zukunft zu überblicken?“, fragte sie. Im Gegensatz dazu sehe sich der VdK als Lobby für die Menschen, die keine Lobby haben. Die Aufgabe des VdK sieht die Kreisvorsitzende darin, zu helfen und der sozialen Ungerechtigkeit die Stirn zu bieten. „Das ist gelebte, lebendige Demokratie und hat Vorbildfunktion für unsere Kinder.“ Dies zeige sich auch darin, dass 2019 im Landesverband mehr als 23 000 Servicegespräche am Telefon geführt wurden. Hinzu kommen laut Gerlinde Koletzki-Rau 12 515 telefonische oder persönliche Beratungen und 1767 neue Antragsverfahren gegenüber Rententräger, Kassen und Kommunen. 2209 Widerspruchsverfahren wurden demnach eingeleitet, allein 297 in St. Wendel. In 589 Fällen wurde der Klage-Weg beschritten.

Der St. Wendeler Kreisverband hat – den Zuwachs von mehr als fünf Prozent eingerechnet – als kleinste saarländische Kreisvereinigung fast 6000 Mitglieder. Saarlandweit sind es nach VdK-Angaben 50 000. In der gesamten Bundesrepublik sind rund zwei Millionen Menschen Mitglied im VdK.

St. Wendels Landrat Udo Recktenwald (CDU) betonte, dass der VdK für den Landkreis als Sozialträger unverzichtbarer Partner sei. Der Landkreis befinde sich zwischen den Gesetzgebern Bund und Land auf der einen sowie den betroffenen Bürgern auf der anderen Seite oft an einer heiklen Schnittstelle. Das führe dazu, dass viel Kritisches bei den Mitarbeitern, die dafür überhaupt nichts können, abgeladen werde – oft in einer Form die so nicht mehr tragbar sei. Dem VdK als Lobbyist komme hier eine wichtige Rolle als ein Verband und Partner zu, der die Interessen der Bürger kompetent und fachspezifisch auch gegenüber den Behörden wahrt.

Der Landesvorsitzende des VdK Saarland, Armin Lang, blickte auf ein vor uns liegendes Jahrzehnt, an dessen Ende jeder vierte Deutsche und jeder dritte Saarländer über 67 Jahre alt sein wird. „Der Anteil der Älteren wird dramatisch ansteigen“, so Lang. Drei Millionen mehr Rentner im Bund als aktuell und 600 000 mehr Pflegebedürftige stellten die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Die bedeute vor allem auch einen Mehraufwand von 680 Milliarden Euro für die sozialen Sicherungen.

Lang sagte vor diesem Hintergrund eine große Generationendebatte voraus. Und er wies darauf hin, dass gleichzeitig zig Milliarden Euro vererbt würden. „Die Reichen versündigen sich an der Zukunft der Jungen“, zog Lang den Schluss daraus, dass wenige sehr viel erben werden und viele sehr wenig. „Dies ist ein Sprengsatz für den sozialen Frieden.“ Hier sei Solidarität gefordert zwischen Jung und Alt und den verschiedenen Gruppen in der Bevölkerung. „Da wird der VdK gebraucht“, sagte Lang, und – wie könnte es anders sein – fügte hinzu: „Als Vertreter der Menschen, die keine eigene Lobby haben.“

„Wir brauchen einen starken VdK und Sie sind ein wesentlicher Bestandteil davon“, wandte sich auch die Schirmherrin und stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger an die Mitglieder. Der VdK helfe dabei, Recht durchzusetzen und schaffe damit Rechtsfrieden. „Niemand darf durch unser soziales Netz fallen. Aber dabei muss das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit eingehalten werden“, erklärte Rehlinger. Da habe die Politik auch auf Betreiben des VdK, gerade im Bereich der Grundrente dazugelernt. Lebensrisiken müssten abgesichert sein, aber das Anstrengen in der Leistungsgesellschaft müsse sich dennoch lohnen, führte Rehlinger weiter aus.

Der VdK Landesvorsitzende Armin Lang, Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, die VdK-Kreisvorsitzende Gerlinde Koletzki-Rau und der stellvertretende VdK-Landesgeschäftsführer Christian Gebhardt-Eich in Bosen. Foto: Ralf Mohr

Mit „Mehr Prosten statt Posten“, regte Sie scherzhaft die Gäste an, sich aktiv am Leben zu beteiligen.