Ausstellungseröffnung: Neue Ausstellung zum Thema „Flucht und Vertreibung“ an der Gemeinschaftsschule Türkismühle

Ausstellungseröffnung : Neue Ausstellung zum Thema „Flucht und Vertreibung“ an der Gemeinschaftsschule Türkismühle

() „Geflohen, vertrieben – angekommen?! – Aspekte der Gewaltmigration im 20. und 21. Jahrhundert“, so lautet der Name der Ausstellung, die nun an der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle eröffnet wurde. Erstellt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, oblag es dessem Landesvorsitzenden Werner Hillen die Schau offiziell zu eröffnet.

Die aus 26 Plakaten bestehende Ausstellung veranschaulicht die Geschichte der Gewaltmigration in Europa im 20. und 21. Jahrhundert. Gründe und Probleme der gewaltsamen Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat werden dargestellt, gesetzliche Regelungen in Deutschland genannt, Möglichkeiten der Integration von Migranten aufgezeigt und für die aktuelle Flüchtlingsproblematik sensibilisiert.

Hillen erläuterte in seinem Vortrag vor etwa 100 Schülern der zehnten Klassen mit Hilfe eines Fragebogens die Inhalte der Tafeln, die vor allem die Geschichte der Gewaltmigration in Deutschland zeigen. Zunächst erarbeitete er mit den Jugendlichen die Gründe, die zu Gewaltmigration führen können: Neben kriegerischen Auseinandersetzungen, der Vertreibung aus politischen, religiösen, ethnischen und rassistischen Motiven und der Flucht aus wirtschaftlichen Gründen, gebe es immer mehr Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, weil ihnen Nahrung und vor allem Wasser zum Leben fehlen.

Anschließend ging Hillen auf Flüchtlingsbewegungen in Deutschland in Folge der beiden Weltkriege ein. So seien durch den Ersten Weltkrieg rund neun Millionen und durch den Zweiten Weltkrieg zirka 60 Millionen Menschen von Gewaltmigration betroffen gewesen. In diesem Zusammenhang verwies der Landesvorsitzende auch auf die Deportation der jüdischen Bevölkerung in Europa durch die Nationalsozialisten. Diese seien eine besondere Form der Gewaltmigration gewesen.

Auch die etwa zehn bis zwölf Millionen Überlebenden der Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager, die so genannten Displaced Persons (heimatlose Personen), gehörten zu den Menschen, die gewaltsam vertrieben wurden.

Außerdem flüchteten etwa 14 Millionen Deutsche vor der anrückenden Sowjetarmee aus Ostpreußen, Posen, Pommern oder Schlesien Richtung Westen.

Auch nach 1945 kam es noch zu Vertreibungen von deutschstämmigen Bürgern. So mussten zum Beispiel etwa 800 000 Sudetendeutsche die damalige Tschecheslowakei verlassen. Die Versorgung und Integration dieser Flüchtlinge – 1950 lebten etwa acht Millionen Flüchtlinge in Deutschland, was damals einem Anteil von 16,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung entsprach – war eine schwierige Aufgabe, die die alliierten Siegermächte dadurch zu lösen versuchten, dass sie die Flüchtlinge auf verschiedene Bundesländer verteilten.

Ehe sie ihre neue Heimat zugewiesen bekamen, mussten die Menschen oft jahrelang in Grenzdurchgangslagern leben. Die hygienischen Verhältnisse dort waren oft so schlecht, dass es gehäuft zu Läusebefall kam.

Hillen ging dann auf die aktuelle Situation in Deutschland ein. Rund 8,2 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft leben demnach in Deutschland. Zudem kommen derzeit vor allem Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Eritrea zu uns. Hillen versuchte, die Schüler für die Probleme dieser Menschen zu sensibilisieren.

Oft litten sie unter Traumata durch erfahrene Gewalt und Verlust von Angehörigen, unter gesundheitlichen Problemen, die unter anderem durch die Fluchterlebnisse und Mangelernährung entstanden sind, erleben erneut auch bei uns Ausgrenzung und Rassismus und müssen sich an eine fremde Kultur gewöhnen sowie ein neue Sprache lernen.

Wichtig sei es, so Hillen, diese Menschen willkommen zu heißen. Er zeigte den Jugendlichen auf, was die Willkommenskultur in unserem Land aus seiner Sicht bedeuten muss: eine positive Einstellung gegenüber Einwanderern, eine Vermeidung von Fremdenfeindlichkeit, Schutz vor Diskriminierung und Hilfe bei der Integration in unsere Gesellschaft.

Hillen schloss seine Ausführung mit dem Wunsch, dass sich die Jugendlichen, gerade weil sie auch Schüler einer „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ seien, diese Willkommenskultur zu eigen machen und sich aktiv an der Integration von Flüchtlingen beteiligen.

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