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Netzwerk St. Wendeler Land beschäftigt sich mit kulturellen Impulsen

Netzwerk auf den Spuren der Kelten : Bewohner von einst für Tourismus nutzen

Jahrestreffen des Netzwerkes St. Wendeler Land. Teilnehmer beschäftigten sich auch mit den Kelten und deren Nutzen für die Region.

Beim Jahrestreffen des Netzwerkes St. Wendeler Land ging es laut Sprecher Josef Alles um kulturelle Impulse für den ländlichen Raum. Daher gehörten Besuche in der Bosener Mühle, am Ringwall und in der Seezeitlodge am Bostalsee zum Programm.

Die Kelten sind im St. Wendeler Land nach wie vor präsent, auch wenn sie vor 2000 Jahren aus der Geschichte verschwanden. Dafür sorgt nicht nur der Steinwall auf dem Dollberg bei Otzenhausen, der einst eine Festung der Treverer umschloss. Das keltische Erbe beschäftigt nach wie vor auch die Gemeinde Nonnweiler, die den Ringwall für den Tourismus nutzen will. Und auch in der Seezeitlodge am Bostalsee haben keltische Traditionen einen Niederschlag gefunden. So erlebten es bei einem Besuch vor Ort die Angehörigen des Netzwerkes, das sich als Forum des Austauschs zwischen früheren und heutigen Bewohnern des St. Wendeler Landes versteht.

Beim fünften Jahrestreffen der Organisation, die es seit 2015 gibt, stand die Frage im Fokus, wie kulturelle Impulse für die Aufwertung und Entwicklung einer ländlichen Region nutzbar gemacht werden können. Als Beispiel diente die  Erschließung der Frühgeschichte am keltischen Ringwall durch archäologische Grabungen, Vereinsaktivitäten und touristische Projekte. Michael Koch, der den Freundeskreis Keltischer Ringwall und den Verein zur Förderung der Archäologie im Hochwald leitet, führte die Besucher auf das historische Gelände und berichtete von den bisher gewonnenen Erkenntnissen.

Die Siedlung auf dem Dollberg entstand um 400 vor Christus. „Dieser Ort ist als politisches Zentrum aus einer Kultstätte gewachsen“, sagte Michael Koch. Innerhalb der mächtigen Mauern lebten früher bis zu 400 Menschen, weitere siedelten außerhalb in verstreuten Bauernhöfen. Das Ende kam zu Caesars Zeiten durch eine vernichtende Niederlage der Treverer gegen die Römer. Einen anschaulichen Eindruck vom Lebensalltag gibt ein Keltendorf mit zehn Gebäuden, das am Fuß des Dollbergs errichtet wurde und wichtiges Element eines geplanten Keltenparks ist. Mit dem Bau eines Museums soll im Herbst begonnen werden, wie Michael Koch berichtete.

Kathrin und Christian Sersch, die Betreiber und Direktoren der Seezeitlodge am Südrand des Bostalsees, haben bei der Planung ihres 2017 eröffneten Premium-Hotels bewusst die keltische Tradition einbezogen und etwa dem Hauptgebäude die Form eines keltischen Langhauses gegeben. In der weitläufigen Wellness-Landschaft wird keltische Heilkunst in Wohlfühl-Rituale übersetzt.

Ins Umland auszustrahlen und Anregungen zu vermitteln, gehört auch zu den Absichten des Kunst- und Kulturzentrums Bosener Mühle. Der Landkreis St. Wendel hatte das Mühlengelände mit dem historischen Gebäude 1972 gekauft, als man die Anstauung des Bostalsees plante. Zug um Zug wurden später ein Ateliergebäude und weitere Bauwerke errichtet, in denen Ausstellungen, Workshops, Seminare und Veranstaltungen unterschiedlichster Art stattfinden. Sie haben mal mehr, mal weniger Resonanz. Seit im Jahr 2015 auch ein Café eröffnet wurde, herrscht zumindest in der warmen Jahreszeit dort reger Publikumsbetrieb. Besonders starken Anklang in der Umgebung fanden eine Ausstellung und eine Schulaktionswoche über den Rohstoff Rötel, der früher in Theley und Oberthal abgebaut wurde.

Fundamentale Bedeutung hat für Christoph M. Frisch, Künstler aus Tholey und Vorsitzender des Vereins Kunstzentrum Bosener Mühle, die Vernetzung mit anderen Institutionen. Für die Zukunft kommt es nach den Worten des Vereinsvorsitzenden vor allem darauf an, junge Leute zur Mitarbeit zu gewinnen und neue Themen zu setzen, etwa die Bedeutung des Hunsrücks als Herkunftsort der saarländischen Eisen- und Stahlindustrie.

Wie man mit Kulturarbeit eine Region aufwerten kann, das war auch das Thema von Klaus Brill. Der Journalist und Autor, der in Alsweiler aufwuchs und heute in Nordhessen lebt, organisiert zusammen mit seiner Frau Christiane Kohl den „Literarischen Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“. Das zehntägige Literaturfestival findet seit 2012 jährlich im April statt und wird von drei Premium-Hotels im Landkreis Waldeck-Frankenberg veranstaltet.

Den Abschluss der von mehr als 40 Teilnehmern besuchten Netzwerk-Veranstaltung bildete laut Sprecher Alles ein Bericht über die Aktivitäten der Wendelinus Stiftung der Kreissparkasse St. Wendel, die auch das Netzwerk  fördert. Die Einrichtung wurde 2011 gegründet und mit einem Grundkapital von 150 000 Euro ausgestattet. Durch Zustiftungen kamen bisher rund 650 000 Euro hinzu, durch Spenden rund weitere 320 000 Euro.