Nachts an der Produktionsstraße

Nachts an der Produktionsstraße

Neunkirchen. Gegen 22 Uhr beginnt für die Arbeiter bei Saarstahl die Nachtschicht. Die Arbeit an der Produktionsstraße in Neunkirchen ist echte Männersache, denn Frauen sucht man hier vergebens. Verantwortlich dafür, dass alles rund läuft während der Nachschicht, ist Schichtmeister Uwe Grunwald. Der 46-Jährige ist schon seit 1985 bei Saarstahl

Neunkirchen. Gegen 22 Uhr beginnt für die Arbeiter bei Saarstahl die Nachtschicht. Die Arbeit an der Produktionsstraße in Neunkirchen ist echte Männersache, denn Frauen sucht man hier vergebens. Verantwortlich dafür, dass alles rund läuft während der Nachschicht, ist Schichtmeister Uwe Grunwald. Der 46-Jährige ist schon seit 1985 bei Saarstahl. "Mein Vater hat auch bei Saarstahl gearbeitet", erzählt er. "Und ich habe hier gelernt. Nach der Lehre bin ich ins Walzwerk übernommen worden". Seit 2003 arbeitet er als Schichtmeister. Sein Arbeitstag beginnt zunächst im Büro. Dort checkt er seine Mails und wirft einen Blick in das Meldebuch und die Schichtberichte seiner Kollegen aus der Früh- und Mittagsschicht. "So sehe ich sofort, ob es am Tag irgendwo eine Störung gab und kann die Kollegen informieren." Als nächstes läuft er die Produktionsstraße ab, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Denn nur wenn produziert wird, wird Geld verdient. Ein dumpfes Brummen der Maschinen begleitet seinen Weg. Hier und da ist ein lautes Zischen zu hören, als würde eine der riesigen Maschinen kurz durchschnaufen, bevor sie wieder ihre Arbeit aufnimmt. An einigen Stellen wird es auch richtig heiß. Denn in glühendem Orange wird der erhitzte Stahl aus dem Ofen direkt durch die Straße geleitet. Es werden hier verschiedene Profile nach Kundenwunsch ausgewalzt, die zum Beispiel auch in der Autoindustrie gebraucht werden. Trotz des donnernden Lärms kann der routinierte Schichtmeister einzelne Geräusche differenzieren. "Man ist sensibel, wenn man irgendetwas hört, was nicht dazu gehört." Auf Störfälle ist Grunwald vorbereitet. "Es ist selten, dass in einer Schicht nichts passiert". Es kann immer wieder zu Störungen an den einzelnen Aggregaten kommen. Dann ist der Schichtmeister zur Stelle, um den Fehler so schnell wie möglich zu beheben. Einer seiner ersten Wege in der Schicht führt ihn zum Oberwalzer, der für gewöhnlich im Oberwalzerraum anzutreffen ist. Er ist so etwas wie seine rechte Hand. Mit ihm bespricht er die weitere Vorgehensweise, wenn zum Beispiel ein Walzwechsel auf dem Plan steht. Der Oberwalzer ist es auch, der sich um die Qualitätssicherung kümmert. Turnusmäßig werden Proben entnommen und durchgemessen. Diese Werte werden dann mit den Werten des Laserdiameters verglichen. Das Gerät misst automatisch die Dichte des Stahls, während er durch die Straße fließt.Bei seinem Beruf ist für Grunwald vor allem der Umgang mit den Menschen das Spannende. "Man hat - wie heute - 14 Mitarbeiter und darunter gibt es keine zwei, die gleich sind." Seine Erfahrung in dem Job ist vor allem in der Nachtschicht gefragt. "In der Nachtschicht muss man viele Entscheidungen treffen. Ich kann nicht wegen jeder Kleinigkeit den Chef anrufen." Während Grunwald die meiste Zeit seiner Schicht an der zirka 300 Meter langen Produktionsstraße verbringt, hat ein Kollege die Halle quasi von oben im Blick. Ralf Werner sitzt im Kontrollraum mit Computern, Telefon einer Sprechanlage und verschiedenen Monitoren. Darauf sieht er die verschiedenen Werte an den verschiedenen Produktionspunkten. Er kann sehen, wenn irgendwo eine Störung auftritt und kann seinen Schichtmeister sofort verständigen. Grunwalds Schicht geht bis sechs Uhr morgens. "Dann fahre ich in die Bäckerei, kaufe Brötchen und frühstücke mit der Familie." Schlafen legt er sich erst, wenn die Kinder in der Schule sind. "Vom Schlafrhythmus her ist die Mittagsschicht die angenehmste", erzählt Grunwald.

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