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Mit "Bob" auf der sicheren Seite

Mit "Bob" auf der sicheren Seite

Neunkirchen. "Ich glaub', ich wär' jetzt tot", sagt der 20-jährige Martin und steigt aus dem Simulator, der das Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss realistisch abbildet. "Es war unglaublich schwierig zu lenken", erzählt der Schüler, der am Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrum Elektroniker lernt

Neunkirchen. "Ich glaub', ich wär' jetzt tot", sagt der 20-jährige Martin und steigt aus dem Simulator, der das Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss realistisch abbildet. "Es war unglaublich schwierig zu lenken", erzählt der Schüler, der am Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrum Elektroniker lernt.Mit zahlreichen Aktionen wie Fahrsimulatoren, Geschicklichkeitsparcours, Medienecke und Infoständen ist gestern die Aktion "Bob" im Landkreis Neunkirchen am TG BBZ von Landrat Rudolf Hinsberger eröffnet worden. Die Initiative will junge Menschen die Risiken des Fahrens unter Alkohol- und Drogeneinfluss sensibilisieren.

"Wer fährt trinkt nicht", lautet das Motto der Initiative, die im Saarland unter dem Namen Saarbob bekannt gemacht wird. "Der 'Bob' ist die Person, die Verantwortung zeigt, abends nüchtern bleibt und die anderen in der Gruppe sicher nach Hause bringt", erklärt Polizeikommissar Mike Caspars den Schülern. Zeichen der Kampagne ist der gelbe "Bob"-Schlüsselanhänger, der den Fahrer einer Gruppe als "Bob" ausweist. "Bobs" des Abends sollen in teilnehmenden Lokalen mit einem nichtalkoholischem Getränk belohnt werden.

Die Idee zu "Bob" wurde 1995 in Belgien entwickelt und auch in anderen europäischen Staaten übernommen.

In Deutschland debütierte "Bob" im Jahr 2007 in Hessen. Seit 2009 gibt es die Aktion im Saarland. Das Landesinstitut für Präventives Handeln (LPH) koordiniert alle "Bob"-Initiativen landesweit, im Landkreis Neunkirchen ist die Kreisverkehrswacht Träger der Aktion.

"In den letzten zehn Jahren gab es im Saarland 130 Tote und 1500 Schwerverletzte in der Altersgruppe der 18 bis 24-jährigen", nennt Roland Rosinus vom LPH die Zahlen. "Mit 'Bob' wollen wir auch auf andere Unfallursachen aufmerksam machen, wie zum Beispiel erhöhte Geschwindigkeit, Telefonieren bei der Fahrt oder Lärm."

Wie gefährlich es werden kann, weiß der 21-jährige Arthur. Mit 1,55 Promille hat ihn die Polizei im Januar angehalten, nachdem er in ein parkendes Auto gefahren war. "Wenn ich jetzt abends weggehe, lasse ich das Auto daheim stehen", versichert der Schüler.

"Jetzt müssen wir die Werbetrommel rühren, damit viele Wirte mitmachen", sagt Polizeikommissarin Aline Hollenbach. Gestern konnte sie das erste Starterpaket mit Flyern, Schlüsselanhängern und Lokalschild an den ersten Gastronomen übergeben. Im Saarland beteiligten sich rund 600 Lokale an der Aktion. ukl

Meinung

"Bob", die

Wette gilt…

Von SZ-RedaktionsmitgliedUte Klockner

Prima, dass "Bob" nun auch Neunkircher Boden betritt. Wahnsinnig viel wäre schon erreicht, wenn durch die Initiative auch nur der ein oder andere junge Autofahrer "Nein" zu Alkohol und Drogen am Steuer sagt. Wichtig wäre es im nächsten Schritt, für andere Unfallursachen zu sensibilisieren, um so die Zahl der Verletzten oder gar Toten zu verringern.

Damit die Aktion ein Erfolg wird, sind jetzt die Wirte im Landkreis gefordert. Am Geld sollte ihr Engagement nicht scheitern, sind doch die Kosten für eine - oder auch mehrere - Gratis-Colas verschwindend gering. Wetten, dass die Gastronomen "Bob" auch als Chance begreifen, denn einen Image-Gewinn für Kneipen kann die Branche allemal gebrauchen. "Bob", die Wette gilt . . .