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Meiler ist geöffnet, Kohle verkauft

Meiler ist geöffnet, Kohle verkauft

Walhausen. Fast die ganze Nacht hatte es geregnet. Die Köhler, die in ihrer Hütte die letzte Nachtschicht schoben, hörten das Prasseln der Tropfen auf dem Spitzdach und wurden den Verdacht nicht los, dass der Meiler mit Petrus im Bunde ist und sich seine Holzkohle womöglich von ihm ablöschen lassen wollte

Walhausen. Fast die ganze Nacht hatte es geregnet. Die Köhler, die in ihrer Hütte die letzte Nachtschicht schoben, hörten das Prasseln der Tropfen auf dem Spitzdach und wurden den Verdacht nicht los, dass der Meiler mit Petrus im Bunde ist und sich seine Holzkohle womöglich von ihm ablöschen lassen wollte. Aber das klappte nicht, denn des Meilers Außenhaut aus Lehm und Rasenstücken hielt dem Regen tapfer.Am Samstag war der letzte Walhauser Köhlertag angebrochen. Kurz vor zehn Uhr hatte der Regen nachgelassen. Der Platz war aufgeweicht. Trotzdem wollten über hundert Besucher das Öffnen des Meilers und den Abbau der Holzkohle miterleben. "Zwei harte Wochen mit viel Arbeit liegen hinter uns", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Walhauser Vereine, Helmut Thieme. Und Oberköhler Achim Seibert verteilte Komplimente an seine Mitstreiter, die Tag und Nacht einsatzbereit gewesen wären. "Jetzt krempeln wir noch einmal die Ärmel hoch und schauen mal in den Meiler, was darin verborgen ist", machte der Oberköhler die Umstehenden neugierig. Mit Hacken und Gabeln rückten ihm die Köhler zu Leibe. Während der beiden Wochen, in denen er das Buchenholz allmählich in Holzkohle umwandelte, war er um einen halben Meter zusammengesackt. Als Achim Seibert die erste Schaufel dieser Holzkohle hochhielt, brandete Beifall über den Festplatz. Berno Nagel beeilte sich, den Schlachtruf der Köhler auszubringen. Mit kräftiger Stimme rief er "Holz " in die Runde, aus der es dann zurückschallte: " kolle." Dann rollten Schubkarre um Schubkarre der heißen Kohle auf den mit Blechen ausgelegten Nebenplatz. Dort wurde die Kohle abgekippt und von der Walhauser Feuerwehr gelöscht. Der letzte Dampf stieg über dem Köhlerplatz auf. Diesmal war es Wasserdampf. Der Meiler hörte nach und nach auf, zu qualmen. Am Nachmittag, nachdem sie abgekühlt und getrocknet war, wurde die Holzkohle in dicke Papiertüten abgefüllt und verkauft.Der jüngste Köhler war der vierjährige Jakob Heidenreich. Mit einer kleinen Hacke hieb er mit aller Kraft in die Lehmschicht, bis er das erste Stück Holzkohle stolz seiner Mutter präsentieren konnte. Sein Freund, der fünfjährige Johannes Bill, sah fasziniert zu und meinte: "Ich will auch mal ein Köhler werden." Bis zum Samstagabend war die Köhlerplatte flach wie ein Brett. "Bis wir alles wieder in Ordnung haben, gehen wohl zwei, drei Wochen ins Land", schätzte Berno Nagel. Zwischen dem 23. August und dem 6. September haben die Köhlertage über 20000 Besucher auf das Festgelände gelockt, auf dem fast jeden Tag ein Unterhaltungsprogramm angeboten wurde. Unter den Gästen waren auch 2000 Schüler aus dem Saarland und aus Rheinland-Pfalz. Sie wurden in mehreren Stationen mit der Tradition der Holzkohlegewinnung des Erzbergbaues vertraut gemacht.