Mehrdeutiges und Tiefgründiges

Unter dem Titel „Fragmente“ zeigt der Koblenzer Künstler Mitko Ivanov Werke aus fünfzehnjährigem Schaffen, die alle zu bestimmten Projekten gehörten. Neu zusammen gestellt, eröffnen sich so neue Perspektiven auf das Werk.

Die Ausstellung "Fragmente" von Mitko Ivanov ist derzeit im Kunstzentrum Bosener Mühle zu sehen. Der Bulgare ist Dozent für Plastisches Gestalten an der Hochschule in Koblenz. Er zeigt Werke aus etwa 15 Jahren, die alle einmal zu bestimmten Projekten gehörten. Sie seien nun als Fragmente in neuer Zusammensetzung zu sehen, wodurch sie wieder eine neue Bedeutung erhielten, erklärt Mitko Ivanov. Er ist kein Unbekannter im Kunstzentrum Bosener Mühle (KBM). Bei den Keramikkursen am Bostalsee gilt Ivanov seit einigen Jahren als sehr begehrter Dozent.

Seine drei großen Skulpturen-Gruppen, die den Besucher der aktuellen Ausstellung unübersehbar beim Eintreten empfangen, hat er "Skulpturen und Schatten" genannt. Auf den ersten Blick scheint die kleine Skulptur wie ihr jeweiliger großer Schatten aus Bronze zu sein. Doch mit den täuschend ähnlich aus Steinzeug hergestellten größeren Plastiken verfolgt Ivanov einen bestimmten Effekt: Der Besucher soll innehalten und sich überlegen, ob das jeweils Größere auch notwendiger Weise den größeren Wert hat.

Im oberen Ausstellungsbereich sind weitere Keramikarbeiten ganz anderer Art zu sehen. Ivanov hat dort die Majolika-Technik angewandt, die in das Italien des 14. und 15. Jahrhunderts zurückreicht. Die Grundlage für Majolika ist ein weißer Scherben, der zunächst einmal gebrannt wird. Dann bekommt er eine weiße Zinnglasur, auf der zügig mit Farben gearbeitet werden muss. Beim zweiten Brand verschmelzen dann Glasur und Farben zu einer glänzenden, wasserdichten Schicht. Ivanov hat in der Ausstellung die Akt-Fragmente in Majolika mit Akten aus Öl abgewechselt, um den Kontrast dieser Techniken aufzuzeigen. Weitere Akte aus Bronze, die fast alle als Torsos geschaffen sind, wechseln sich ab mit Pferde- oder Rittertorsos. Inspiriert wurde Ivanov dazu durch die griechische Mythologie, aber auch durch Burgen in der Umgebung seines Wohnortes bei Koblenz.

Ivanov ist ein genauer Beobachter und hinterfragt stets das, was ihm begegnet oder auffällt. So hat er das Versace-Ornament des Stiers übernommen, das nicht erst durch die aktuelle Werbung entstanden ist, sondern auf die griechische Mythologie zurückgeht und Europa mit dem Stier darstellt. Ivanov hat hierbei den Torso Europas aus Plastilin hergestellt, ihn immer wieder neu geformt und all diese Varianten in Bronze gegossen. Der aus Holz hergestellte Stier trägt diese Bronzefigur. Für ihn ist sie eine Allegorie unseres Kontinents: "Ich kann damit ein sich stets veränderndes Europa schaffen. Die Menge bleibt immer gleich, aber es verändert sich kontinuierlich."

Wer das Mehrdeutige schätzt, kann in dieser Ausstellung noch sehr viel mehr Tiefgründiges finden und sich an der endlos scheinenden Vielfalt an Materialien und Techniken erfreuen. Weshalb er die Ausstellung "Fragmente" genannt hat, habe nicht nur mit den Torsos zu tun.

Die Ausstellung ist bis 6. November zu sehen und mittwochs bis sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.