Mehr ein Zuhause als eine Schule

Mehr ein Zuhause als eine Schule

Vor 19 Jahren rief der Sohn des ehemaligen Leiters der heutigen Gemeinschaftsschule Marpingen eine Partnerschaft mit dem Kinderhaus Casa do Zezinho in Saão Paolo ins Leben. Über den Pausenverkauf fair gehandelter Waren kommen dem Kinderhaus jedes Jahr rund 1000 Euro zu Gute.

"Das Casa do Zezinho ist mehr als eine Schule, es ist ein neues Zuhause", erklärt André Hinsberger den rund 140 Schülern. Vor mehr als 20 Jahren zog der ehemalige Marpinger nach Südamerika und fand dort seine Bestimmung. André engagierte sich gleich nach seiner Ankunft in den Favelas der Metropole Sãao Paolo, deren Dimensionen und Elend aus europäischer Perspektive kaum vorstellbar sind. Um gegen dieses Elend vor allem der Kinder und Jugendlichen anzukämpfen, knüpfte der Sohn des ehemaligen Marpinger Schulleiters Edmund Hinsberger vor 19 Jahren die Partnerschaft mit der Gesamtschule Marpingen. Durch den Pausenverkauf fair gehandelter Waren und selbstgebackener Kuchen kommen jährlich rund 1000 Euro zusammen, die dem Kinderhaus zufließen.

Anlässlich des fast zwanzigjährigen Bestehens der Partnerschaft kam André mit seiner Lebensgefährtin Carolina und seinem Sohn Fernando nach Marpingen, um dort von den Kindern des sechsten Schuljahres und Martina Pape, der für das Projekt verantwortlichen Lehrerin, den Spendenscheck des vergangenen Jahres in Höhe von 1500 Euro entgegenzunehmen. "Bom dia", begrüßte Carolina die Marpinger Schüler, um dann in ihrer Muttersprache Portugiesisch, von ihrem Mann ins Deutsche übersetzt, von dem neuen Gesundheitsprojekt im Casa do Zezinho zu berichten. Ganz besonders bedankte sich Carolina, eine gebürtige Brasilianerin, dafür, dass es in Marpingen trotz der riesigen Entfernung nach Brasilien eine solche Hilfsbereitschaft gebe. Anschließend stellte sich André den Fragen der jungen Marpinger. Dabei erzählte er nicht nur von den Kindern, sondern auch von deren Eltern, die abends im Casa do Zezinho lesen und schreiben lernen, Kurse besuchen, eine Werkstatt unterhalten und somit versuchen, ihren Kindern ein bessere Zuhause zu bieten. Er erzählte davon, dass das Casa do Zezinho nicht nur eine Schule, sondern auch ein Schutzraum für die Kinder darstelle, die sich sonst nur mit Gewalt, Alkoholproblemen, Drogenkonsum und Chaos konfrontiert sehen. Oft hätten die Väter das Weite gesucht und die Mütter mit ihren Kindern im Stich gelassen, die ihrerseits völlig überlastet sind.

"Wir möchten mit unserem Kinderhaus ein wenige Hoffnung geben, die Kinder, aber auch ihre Eltern bilden, damit sie aus dem Teufelskreis der Armut entkommen können", so André Hinsberger. Bei der Frage, was denn als nächstes im Kinderhaus geplant sei, stockt André ein wenig. Es gebe für dieses Jahr nur eine einzige, große Herausforderung: "Das Casa do Zezinho am Laufen zu halten." Da im Sommer die Fußball-WM in Brasilien ausgetragen werde, gingen so gut wie alle inländischen Spenden werbewirksam in den Fußballbereich. Für Einrichtungen wie ihre bliebe da kaum Geld übrig. "Und wir bekommen ja keine staatliche Förderung, wir sind auf Hilfen von außen angewiesen", erklärt er.

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