Marktbummel als AbenteuerBosener Geschichte hautnah

Bosen. Die Organisatoren standen am Sonntagmorgen schon mit dem ersten Hahnenschrei auf der Pfarrwiese, um den Aufbau der Marktstände vorzubereiten. Schließlich war es einst ja der "Hahnen-Markt" am Peterberg, der sich vor Jahrhunderten aus der alljährlichen Willibrord-Wallfahrt entwickelt hatte und der dazu führte, dass Kaiser Rudolf II

 Feuerschlucker unterhielten die Marktbesucher mit ihren Kunststücken. Fotos: atb

Feuerschlucker unterhielten die Marktbesucher mit ihren Kunststücken. Fotos: atb

 Marlene Veit aus Bosen beim Spinnen.

Marlene Veit aus Bosen beim Spinnen.

Bosen. Die Organisatoren standen am Sonntagmorgen schon mit dem ersten Hahnenschrei auf der Pfarrwiese, um den Aufbau der Marktstände vorzubereiten. Schließlich war es einst ja der "Hahnen-Markt" am Peterberg, der sich vor Jahrhunderten aus der alljährlichen Willibrord-Wallfahrt entwickelt hatte und der dazu führte, dass Kaiser Rudolf II. vor 430 Jahren den Bosenern das Recht verbriefte, jährlich einen Markt abhalten zu dürfen. Eine stolze Tradition, an die am Sonntag der historische Markt, eingebettet in einen dreitägigen Geburtstagsfestreigen, erinnerte. Dass Märkte in früherer Zeit sehr viel mehr waren, als der reine Warenumschlag, das konnten die Besucher hier sozusagen "zeitversetzt" erleben. Sehr viel Wert hatten die Veranstalter vom Bosener Verkehrsverein darauf gelegt, dass man an den Ständen nach Möglichkeit auch außer der jeweiligen Ware noch viel mehr bestaunen konnte. Und das gab dieser Veranstaltung ein ganz eigenes Gepräge, denn es wurde ein Einkaufserlebnis der besonderen Art, wie man es sonst nicht kennt: An welcher Supermarkt-Käsetheke wird der Kunde, der einen Ziegenkäse kauft, von der Milchlieferantin in natura angemeckert? Seine Rohstofflieferanten nicht dabei hatte dagegen der anwesende Imker. Trotzdem gab es bei ihm allerlei Wissenswertes über die Biene und auch über den schon längst untergegangenen Beruf des Zeidlers, der vor Jahrhunderten die Märkte mit Bienenhonig versorgte und damit einen wesentlichen Beitrag dazu leistete, das mittelalterliche Leben zu versüßen. Bienenfleiß legten aber auch alle anderen Markthändler an den Tag, allen voran der Korbmacher aus dem Hunsrück, der mit seinen Weidenruten am Dorfbach saß und aus einem scheinbaren Gewirr von biegsamen Zweigen wunderbare Flechtwerke zu Stande brachte. Auf der zum Marktplatz umfunktionierten Wiese konkurrierte der vagabundierende Leierkastenmann, begleitet von einem ganzen Tross mittelalterlich gekleideter Straußbuwe mit den Musikanten vom Musikverein Gimbweiler beim musikalischen Wettstreit. Stilgerecht in der weiteren Begleitung auch ein Bettelmann, der gleich beim Eingang zum Markt am Wegesrand lagerte. Er, wie alle anderen Akteure und auch die Besucher, die seit der Mittagszeit stärker strömten, profitierten natürlich vom strahlenden Spätsommerwetter, das auch den dritten Festtag zu "430 Jahre Marktrecht in Bosen" zu einem Erfolg werden ließ. Schon am Vorabend hatten sich zahlreiche Besucher nach dem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche auf die Spuren der einstigen Willibrord-Pilger am Peterberg gemacht, um später unter den Klängen der Gimbweiler Musikanten auf dem Kirmesplatz einzumarschieren. Dort gab es dann ein Platzkonzert bis in die Nacht und alle Teilnehmer hatten ihre Freude daran, als alte Pilgermarkt-Tradition auf gegenwärtiges Kirmestreiben traf. Bosen. Wer sich näher über die alte Bosener Marktgeschichte informieren wollte, konnte dies bei einer Ausstellung im Gemeindehaus, die der gebürtige Bosener Gerd Jung zusammengestellt hatte, tun. Dort zu sehen war unter anderem ein Faksimile-Druck der 430 Jahre alten Marktrechtsurkunde. Dazu, gewissermaßen als Illustration, noch eine Menge Information über die Wallfahrten am Peterberg, über die Teilnehmer und die Zeiten, in denen diese Wallfahrten stattfanden. In einer Vitrine präsentiert waren dabei auch Münzfunde vom Peterberg. Denen könnte sich in ferner Zeit noch eine Sondermünze zugesellen, die erst an diesem Wochenende vor Ort geprägt wurde - mit viel Getöse unter einem gewichtigen Fallhammer, dessen Bedienung schon einige körperliche Fitness verlangte. Einer der ersten, die vom neuen Bosener Münzrecht während der Festtage Gebrauch machten, war am Feiertag Maria Himmelfahrt Ministerpräsident Peter Müller. Er war als Schirmherr zu Gast bei der Ausstellungseröffnung und bedauerte vielleicht, dass es sich bei dem frisch geprägtem Metallrundling nicht im Sinne des arg gebeutelten Landeshaushalts um "bare Münze" handelte. be

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